Gold gilt für viele als sicherste Wertanlage. Das kann ein Trugschluss sein.

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Seit Jahrtausenden gilt Gold als Symbol von Reichtum und finanzieller Sicherheit. Ein Jahrhundert lang – von 1870 bis 1971 – war das Edelmetall die Basis für das gesamte Weltwährungssystem. Und obwohl seit nunmehr fast 50 Jahren keine einzige Notenbank der Welt mehr dem Goldstandard folgt, gibt es zahlreiche Menschen, die davon überzeugt sind, dass ihr Vermögen nur in Gold sicher ist und sie dieses möglichst nah bei sich haben müssen, um für alle Katastrophen bereit zu sein.

Zu dieser diffusen Bewegung, die sich vor allem im rechtsextremen Milieu findet, zählt offenbar auch die Wiener FPÖ.

Prepper mit Konserven und Waffen

Goldbarren in einem Osttiroler Bergdorf aufzubewahren erinnert an eine ganz bestimmte Weltsicht, wie sie etwa Prepper vertreten. Das sind Menschen, die sich mit Konserven, Wasser und einem Dieselaggregat in abgelegenen Gebäuden einbunkern, während sie auf den Weltuntergang warten. Die niederländische Familie in Ruinerwold mit ihrem österreichischen Betreuer wurde in den Medien so charakterisiert. In den USA sind es vorwiegend Rechtsextremisten und Rassisten, die sich auf diese Weise von der Welt abschotten – und sich meist auch schwer bewaffnen.

Ihre Geldreserven halten sie gerne in Gold, dem sie viel mehr vertrauen als Banknoten, die von der verhassten Notenbank ausgegeben werden, oder gar einem Konto bei einer Geschäftsbank. Denn das gesamte Bankwesen ist ihnen meist suspekt und wird oft mit antisemitischen Verschwörungen in Verbindung gebracht.

Abschied vom Goldstandard

Die Begeisterung für Gold geht aber über die Prepper-Bewegung hinaus. In konservativen und libertären Kreisen gilt das Abgehen vom Goldstandard, den US-Präsident Richard Nixon im August 1971 endgültig zu Grabe getragen hat, als größter Sündenfall der Finanzgeschichte. Denn das Giralgeld, das von Notenbanken ohne ausreichenden Goldreserven ausgegeben und von Geschäftsbanken über ihre Kredite vervielfältigt wird, ist Trug und Schein sowie höchst krisenanfällig.

Die Rückkehr zum Goldstandard ist am rechten Rand der Republikanischen Partei eine oft gehörte Forderung. In Österreich hat Barbara Kolm, die von der FPÖ ernannte Vizepräsidentin des Generalrats der Nationalbank, über ihr Hayek-Institut immer wieder Redner eingeladen, die solche Theorien vertreten.

Der blaue Enthusiasmus für Gold hat auch für die Republik handfeste Konsequenzen: Es war die FPÖ, die ständig für die Heimführung der Goldreserven, die in internationalen Finanzzentren wie London und Zürich aufbewahrt wurden, getrommelt hat. 2018 war es vollbracht: Die Hälfte der Goldreserven von 280 Tonnen befindet sich in den Tresoren der Nationalbank. Dies ist teurer als die Aufbewahrung im Ausland und erschwert den Handel. Aber es verstärkt das Gefühl der Sicherheit.

Redakteure Theo Anders und Laurin Lorenz erklären im Podcast, was es mit den Goldbarren der FPÖ auf sich hat und weshalb der Fund so brisant ist.

Gold ist nicht unbedingt sicherer

Dass Gold tatsächlich sicherer ist als andere Vermögenswerte, bezweifeln Finanzexperten. Es verliert zwar durch Inflation nicht an Wert, aber das tun Aktien oder Immobilien auch nicht. Und der Goldpreis kann enorm schwanken. Nach der Weltfinanzkrise 2008 kletterte er auf neue Rekordstände und war auch in den vergangenen Monaten nahe dem historischen Hoch. Aber von hier kann er leicht wieder drastisch fallen. Und der große Crash, bei dem normale Währungen und Wertpapiere wertlos werden und nur noch Gold etwas zählt, ist in erster Linie Stoff für Flughafenthriller und rechte Verschwörungstheorien.

Anlageberater empfehlen üblicherweise, einen kleinen Teil des Vermögens in Gold zu halten, aber nicht mehr als zehn bis 15 Prozent. Gegen eine Goldanlage sprechen die Kosten: Wer Barren in der Bank hält, muss dafür Depotgebühren bezahlen. Zinsen wirft die Investition auch nicht ab, aber das tun inzwischen Spareinlagen auch nicht.

Laut dem Wiener FPÖ-Chef stammte das Geld für den Goldankauf aus Parteispenden.
DER STANDARD/APA

Gold im eigenen Haus zu halten, wie es die FPÖ in Osttirol tut, gilt hingegen als besonders unsicher: Denn die Gefahr, dass eingebrochen wird, ist doch um einiges höher als das Risiko eines Finanzcrashs. Das gilt sogar für das friedliche Defereggental. (Eric Frey, 22.11.2019)