"Das Schöne an meinem Beruf ist, dass ich die Entwicklung der Kinder hautnah mitbekomme. Ich begleite sie ab dem Zeitpunkt, wo sie ein Jahr alt sind, bis zum Schuleintritt. Es ist faszinierend, wie stark wir die Kinder mit unserer Arbeit beeinflussen können, wie sehr wir sie prägen.

Wie ich zu dem Beruf gekommen bin? Ich habe früher oft als Babysitterin gearbeitet und dabei festgestellt, dass ich sehr gut mit Kindern kann. Das war der Grund dafür, dass ich mich mit 15 Jahren entschieden habe, die Kindergartenschule zu machen. Am Gymnasium wollte ich nicht bleiben, denn wir hätten Latein oder Französisch als Fach dazu bekommen, und Sprachen sind nicht so meins.

Die Ausbildung zur Kindergartenpädagogin hat fünf Jahre gedauert, wir haben schon ab dem ersten Jahr in einem Kindergarten Praktika gemacht. Dadurch wurden wir ziemlich gut auf den Berufsalltag vorbereitet.

Mittlerweile mache ich den Job seit neun Jahren. Angefangen habe ich als Springerin, das bedeutet, dass ich eingesprungen bin, wenn eine Kollegin krank war. Deshalb hatte ich einen recht angenehmen Einstieg – ich musste quasi keine Bürokratie erledigen, Planungen und Ähnliches haben meist die Kolleginnen übernommen, die die jeweilige Gruppe geleitet haben.

Zu zweit mit 13 Kindern

Nach sieben Jahren im Kindergarten habe ich gekündigt. Ich wollte einfach etwas anderes probieren, war für alles offen. Ich habe dann als Verkäuferin in einem kleinen Geschäft begonnen, in dem es außergewöhnliche Süßigkeiten und Getränke aus aller Welt zu kaufen gab.

Sechs Monate später habe ich gemerkt, dass das nichts für mich ist, das Gehalt war extrem schlecht, und ich bin auch mit dem Chef nicht klargekommen. Also habe ich beschlossen, es noch einmal im Kindergarten zu probieren. Das war eine gute Entscheidung. Ich konnte eine eigene Gruppe übernehmen, und das hat mich motiviert.

Die Kinder in meiner Gruppe sind noch ganz klein, zwischen einem und drei Jahren. Die Arbeit ist deshalb auch oft sehr anstrengend für mich. Zunächst natürlich, weil ich ständigem Lärm ausgesetzt bin. Außerdem möchten die ganz Kleinen noch viel getragen werden. Das sind ja noch Babys, und die benötigen körperliche Nähe. Das Tragen belastet meinen Rücken stark, ich habe permanent Schmerzen. Leider unternimmt da auch unser Arbeitgeber, ein privater Träger, viel zu wenig. Toll wären zumindest Gymnastikbälle, um den Rücken zu kräftigen.

Die Arbeit mit Kindern müsse besser bezahlt werden, sagt unsere Gesprächspartnerin, eine 29-jährige Kindergartenpädagogin in Wien (Symbolbild).
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Zu der körperlichen kommt die psychische Belastung. Wenn ich merke, dass Kinder Probleme zu Hause haben, beschäftigt mich das auch nach der Arbeit weiter. Glücklicherweise habe ich in meinem Kindergarten keine Kinder, die von ihren Eltern vernachlässigt oder gar missbraucht werden – das kommt in anderen Kindergärten aber durchaus vor. Dass man das nicht zu sehr auf sein eigenes Wohlbefinden gehen lässt, ist eine große Herausforderung. Leider hatten wir in unserer Ausbildung auch kein Fach, in dem uns gesagt wurde, wie man mit solchen Fällen umgeht.

Was meine Arbeit außerdem stressig macht: Wir sind meistens nur zu zweit mit 13 Kindern. Da ist es teilweise schwierig, allen die gleiche Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. In anderen Kindergärten sind die Kolleginnen mindestens zu dritt – das halte ich auch für das optimale Betreuungsverhältnis. Wir sagen oft, dass wir gerne eine dritte Kollegin hätten, aber da heißt es immer: Nein, dafür gibt es kein Budget.

Mein Gehalt

Man merkt ganz stark, dass es einen extremen Mangel an Pädagoginnen gibt. Es will eigentlich niemand mehr den Job machen. Das liegt auch am schlechten Gehalt. Auf meinem ersten Gehaltszettel standen 1.560 Euro brutto, das waren circa 1.180 Euro netto. Mittlerweile verdiene ich schon ein wenig besser – brutto sind es aktuell 2.214, netto 1.594 Euro. Wobei ich dazu sagen muss, dass ich nicht Vollzeit arbeite, sondern nur 32 Stunden.

Um junge Leute für den Beruf zu begeistern, müsste man das Gehalt auf jeden Fall aufbessern. Das würde wahrscheinlich auch dazu führen, dass mehr Männer Kindergartenpädagogen werden. Und das wäre wirklich wichtig, denn sie könnten neue Ansätze bringen. Wenn wir einen Zivildiener bei uns haben, kann ich beobachten, wie gut die Kinder auf ihn reagieren. Sie zeigen eine ganz andere Seite. Während der Ausbildung waren wir 60 Leute, aber es gab nur zwei Schüler. Und nur einer davon hat den Beruf auch wirklich ergriffen.

Was mir allerdings positiv auffällt, ist, dass es nicht nur mehr die Mütter sind, die die Kinder zu uns bringen, abholen und sich in den Kindergartenalltag einbringen – zunehmend übernehmen auch die Väter Verantwortung. Sie gehen auch häufiger in Karenz. Das hat sich im Verlauf der letzten Jahre sehr stark verändert.

Ich sage den Kindern immer, dass sie sein können, was sie wollen. Ich achte darauf, sie nicht explizit geschlechtsspezifisch zu erziehen. Wenn ein Bub sich als Prinzessin verkleiden will, unterstütze ich das.

Jeden Mittwoch frei

Als ich noch Vollzeit gearbeitet habe, war ich sehr müde am Abend und bin nur noch auf dem Sofa gelegen. Die paar Stunden weniger machen einen extremen Unterschied. Ich habe jeden Mittwoch frei, das genieße ich sehr. Dafür nehme ich die paar Hundert Euro weniger Gehalt bereitwillig in Kauf. Obwohl es im Vergleich mit anderen nicht viel ist, komme ich gut mit dem Gehalt aus. Ich kann mir ab und zu auch größere, teurere Dinge leisten wie eine Fernreise." (Gehaltsprotokoll: Lisa Breit, 4.12.2019)