Österreichs vermutlich bekanntester Wissenschafter gehört auch zu den öftestzitierten: Anton Zeilinger, Quantenphysiker an der Uni Wien und Präsident der ÖAW.
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Wien – Den wissenschaftlichen Einfluss von Forschern kann man unter anderen daran messen, wie oft ihre Arbeiten zitiert werden. Nimmt man nun das am öftesten zitierte Prozent, kommt man aktuell auf 6.000 WIssenschafter, von denen 41 Forscher ihren Erstarbeitsort in Österreich haben. Das geht aus der neuen Liste der meistzitierten Wissenschafter hervor, die vor wenigen Tagen von der Firma Clarivate Analytics veröffentlicht wurde, die bis 2016 ein Teil des Medienkonzerns Thomson Reuters war.

Diese aktuell 6.006 Namen umfassende Liste der "Highly Cited Researchers" basiert auf der Zitationsdatenbank "Web of Science" und konkret: auf besonders häufig zitierte Publikationen, die zwischen 2008 und 2018 in den Natur- und Sozialwissenschaften sowie im Bereich Medizin erschienen sind. Die Geisteswissenschaften sind nicht mit dabei.

Da in den verschiedenen Disziplinen unterschiedlich häufig zitiert und publiziert wird, ermittelten die Bibliometriker von Clarivate 21 relativ großzügig abgesteckte Forschungsfelder, innerhalb derer sie ihre methodisch aufwendigen, aber dennoch umstrittenen Analysen vornahmen. Dazu kommt der Bereich interdisziplinärer Forschung ("Cross-Field") mit Auswirkungen auf mehrere Forschungsfelder. Das ist mit ein Grund, warum die vollständige Liste 6.216 Namen umfasst, weil es einige Forscher in mehr als einem Feld in die Liste schafften.

USA vor China und GB

Die meisten der besonders oft zitierten Wissenschafter arbeiten in den USA mit 2.737 Forschern, die damit 44 Prozent der "Zitationskaiser" auf der Liste stellen. Die Harvard University ist mit 203 Wissenschaftern die Institution mit der höchsten Zahl an öftestzitierten Forschern weltweit. In der Länderrangliste hat China (636) mittlerweile Großbritannien (516) überholt, danach folgen Deutschland (321) und – etwas überraschend – Australien (271). Die Schweiz liegt mit 155 besonders oft zitierten Forscher auf Rang 9 und zeigt, was auch in einem Land von der Größe Österreichs möglich wäre.

Von den 41 in der Liste vertretenen Forscher, die hauptsächlich in Österreich arbeiten (vier haben ihren Zweitarbeitsplatz in Österreich), sind fünf Frauen. Die meisten Wissenschafter finden sich in der Rubrik "Cross-Field". Fünf Nennungen gibt es in der Kategorie Physik mit den bekannten Quantenphysikern Markus Aspelmeyer, Anton Zeilinger (beide Uni WIen) sowie Rainer Blatt und Peter Zoller. (beide Uni Innsbruck) Stark vertreten sind außerdem die Medizin plus Neurowissenschaften sowie die Erdwissenschaften"

IIASA als Hochburg der Oftzitierten

Nach Institutionen ausgewertet (hier sind Doppelnennungen aufgrund von Mehrfach-Affiliationen möglich) liegt das Internationale Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg bei Wien mit elf Wissenschaftern (davon acht mit Erstaffiliation) voran. Die Uni Wien kommt auf acht meistzitierte Forscher, gefolgt von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien mit je sechs. Das IST Austria aktuell ist "nur" mit einem Forscher vertreten.

Verglichen mit der Liste vor zwei Jahren ist die Anzahl der in Österreich tätigen Forscher zwar um fast 100 Prozent gestiegen (von 21 auf 41); freilich nahm auch die Anzahl unter den öftestzitierten Forscher von rund 3.400 auf rund 6.200 fast ebenso stark zu.

Die Einflussreichsten aller Zeiten

Eine andere Möglichkeit, den Einfluss und die Produktivität von Forschern zu messen, ist der sogenannte Hirsch-Index bzw. h-Index. Er kombiniert die Zahl der Publikationen mit der Zahl der Zitate: Ein h-Index von 15 bedeutet, 15 Publikationen zu haben, die jeweils mindestens 15 Mal zitiert wurden, ein h-Index von 100 sind entsprechend 100 Publikationen, die jeweils mindestens 100 Mal zitiert wurden.

Die aktuelle Liste der Forscher mit den höchsten h-Indizes (basierend auf Google Scholar Citations, Stand: September 2019) führt der Philosoph Michel Foucault mit einem h-index von 289 an. Sigmund Freud, der vor ein paar Jahren noch an der Spitze dieser Liste stand, ist mit einem h-Index von 269 auf Platz 5 abgerutscht. Der bestgereihte Forscher, der in Österreich geboren wurde und noch lebt, ist der US-Kardiologe Eugene Braunwald, der 1938 als Kind von den Nazis aus Wien vertrieben wurde.

Der Genetiker Josef Penninger wiederum war bis vor kurzem der bestgereihte in Österreich tätige Forscher (Rang 634 mit einem h-Index von 140), verlagerte seine Forschungen allerdings nach Kanada. Aktuell führt diese heimische Bestenliste der Neurologe und Parkinson-Spezialist Werner Poewe (MedUni Innsbruck) mit einem h-Index von 136 an. (tasch, 25.11.2019)