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Wien – Das beschlagnahmte Handy Heinz-Christian Straches ist für die Ermittler in mehreren Angelegenheiten eine äußerst ergiebige Quelle. Ein großer Teil der Chatprotokolle, mit denen der Postenschacher-Vorwurf bei den Casinos und Deals zwischen der FPÖ und Novomatic belegt werden sollen, stammt aus Straches Handy. Der ehemalige FPÖ-Chef war, wie sich zur Freude der Ermittler herausstellt, sehr mitteilsam und hatte keinerlei Scheu, auch vertrauliche Absprachen und Forderungen zu verschriftlichen. Er tat dies über alle möglichen Kanäle. Strache nutzte E-Mail ebenso wie SMS oder Whatsapp. Ein ehemaliger enger Vertrauter Straches sagt über ihn, er sei kommunikativ inkontinent gewesen.

Strache schrieb auf dem Rücksitz seines Dienstwagens unzählige Nachrichten, und er neigte dazu, diese immer gleich an mehrere Personen zu verschicken. Daran, dass seine Auslassungen einmal gegen ihn verwendet werden könnten, dachte Strache offenbar nicht. Dass eine SMS, in der sich Strache darüber erregte, dass im Nationalbankdirektorium ein Posten zulasten der Freiheitlichen eingespart werden könnte, versehentlich an den SPÖ-Politiker Andreas Schieder statt an den ÖBB-Aufsichtsratsvorsitzenden Arnold Schiefer, der für die Freiheitlichen im Hintergrund die Personalpolitik koordiniert, ging, lag wohl daran, dass Strache nicht ganz so gut sieht und das Handy auf eine Armlänge entfernt hielt und dass der Dienstwagen just in diesem Augenblick eine Schwelle auf der Straße nahm. So verrutsche die Adresszeile von Schiefer auf Schieder.

Mitteilungsanfälle

In der FPÖ war sein Kommunikationsdrang bekannt und berüchtigt. Besonders die Mitteilungsanfälle auf Facebook beschäftigten die Kollegen. Strache setzte sich mit neuen Einfällen gerne in der Nacht vor den Computer und verfasste ein Posting, das die Kommunikationsabteilung der Partei erst am nächsten Morgen entdeckte. Und nicht immer war das Geschriebene auch im Sinne der Partei. Mehrfach wurde Strache um Zurückhaltung oder Absprache gebeten, vergeblich. Nach seinem unfreiwilligen Ausscheiden aus der Politik wurde ihm von der Partei der Zugang zu seinem Facebook-Profil erst verwehrt, dann wurde die Seite mit Straches beruflichem Profil überhaupt gesperrt.

Am Freitag meldete sich Strache erneut über Facebook zu Wort, über seinen privaten Account. Er verteidigte die Bestellung Peter Sidlos zum Finanzvorstand der Casinos Austria. Dass er sich etwas habe zuschulden kommen lassen, schloss Strache aus: „Niemals habe ich etwas Rechtswidriges im Zusammenhang mit der Casag-Vorstands-Bestellung angeboten oder angenommen.“ Die Vorwürfe seien „völlig haltlos“.

Er sei der festen Überzeugung, „dass verantwortliche Positionen in Staatsbetrieben und staatsnahen Betrieben durch Personen besetzt werden sollten, die auch Erfahrung in der Privatwirtschaft haben“, erklärte Strache in der Stellungnahme. Deshalb habe er sich für die Bestellung Sidlos eingesetzt. Dass der FPÖ-Bezirksrat aus Wien-Alsergrund nicht ausreichend qualifiziert gewesen sein könnte, bestreitet Strache. „Die Entscheidung der Bestellung oblag aber nicht mir, sondern dem Aufsichtsrat der Casag.“ Hätte sich dieser gegen Sidlo ausgesprochen, so wäre das auch zu akzeptieren gewesen.

Möglichkeiten der Ermittler

Aus technischer Perspektive gibt es für Ermittler viele Möglichkeiten, um auf Nachrichten zuzugreifen. Besonders einfach für Strafverfolger ist es, wenn User per SMS miteinander kommunizieren. Der Grund: SMS werden unverschlüsselt übertragen. „Die Nachrichten werden über das Netz zum Provider geschickt, der sie bis zur Zustellung zwischenspeichert und lesen kann“, sagt Sebastian Schrittwieser, Institutsleiter für IT-Sicherheitsforschung an der FH St. Pölten, zum STANDARD. Daher würden Ermittler zunächst dort nachfragen. Bei lokal gespeicherten Daten werde es hingegen schwieriger. Der Flash-Speicher, der auch bei Smartphones zum Einsatz kommt, sorgt mit Eigenschaften wie Verschlüsselung für Probleme. „Im Normalfall hat man da wenig Chancen“, sagt Schrittwieser.

Mit Apps wie Whatsapp, die Ende-zu-Ende-verschlüsselt sind, sind Nachrichten jedenfalls sicherer. „Auch Serveranbieter können Nachrichten nicht lesen“, sagt der Experte. Am Transportweg könnten Behörden dann wenig tun.

Daher hoffen sie, dass User Backups erstellt haben. Diese werden bei Whatsapp, aber auch oft bei Sicherungen des Systems, unverschlüsselt gespeichert. Falls die Daten in die Cloud – etwa Google Drive – hochgeladen wurden, stellen die Strafverfolger Anträge auf einen Zugriff, dem in der Regel auch stattgegeben wird, so Schrittwieser. Und dann gibt es die Möglichkeit, die App auf dem Gerät der verdächtigten Person zu öffnen. Das Ganze funktioniert aber nur, wenn man Zugriff auf das Handy hat. (Muzayen Al-Youssef, Markus Sulzbacher, Michael Völker, 23.11.2019)