Michael Bloomberg will Präsident werden.

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Washington – Der frühere New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg will bei der Präsidentenwahl im November kommenden Jahres gegen Amtsinhaber Donald Trump antreten. Der 77-jährige Milliardär kündigte am Sonntag seine Bewerbung als Präsidentschaftskandidat der Demokraten an. "Ich kandidiere als Präsident, um Donald Trump eine Niederlage zu bereiten und Amerika wieder aufzubauen", erklärte Bloomberg. "Wir können uns keine vier weiteren Jahre mit Präsident Trumps fahrlässigen und unethischen Handlungen leisten."

Um die Kandidatur der Demokraten buhlen bereits zahlreiche Politiker, darunter Ex-Vizepräsident Joe Biden sowie Senatorin Elizabeth Warren und Senator Bernie Sanders. Mit Bloomberg kommt ein prominenter Bewerber hinzu, der seinen Wahlkampf auch noch aus eigener Tasche finanzieren und Millionen in Anzeigen und Personal stecken kann. In der von der Zeitschrift "Forbes" geführten Rangliste der reichsten US-Bürger kommt Bloomberg auf Platz acht. Sein Vermögen wird auf 53,4 Milliarden Dollar geschätzt. Er hat die nach ihm benannte Nachrichtenagentur gegründet und steht seit fast 40 Jahren an der Spitze des Medienkonzerns.

Herausforderung für Liberale

Noch im März hatte Bloomberg eine Kandidatur ausgeschlossen. Dass er nun doch antritt, stellt vor allem für Biden, den bislang wohl aussichtsreichsten Bewerber, sowie für die als liberal geltenden Warren und Sanders eine Herausforderung dar. Auch Pete Buttigieg, dem Bürgermeister von South Bend im US-Bundesstaat Indiana, werden bislang gute Chancen eingeräumt. Bloomberg hat sich kritisch zu Warrens Steuerplänen geäußert, wonach die Abgaben für extrem reiche Amerikaner erhöht werden sollen. Er dürfte nun mit Biden und Buttigieg darum konkurrieren, die gemäßigte Alternative zu Warren und Sanders zu bieten. Allerdings könnte in seiner späten Bewerbung auch ein Nachteil liegen.

Bloomberg setzt sich unter anderem für Klimaschutz und strengere Waffengesetze ein und hat dadurch Sympathien gewonnen. Er war von 2002 bis 2013 Bürgermeister von New York – der größten Stadt der USA. Bei der ersten Wahl für dieses Amt im Jahr 2001 war Bloomberg noch als Republikaner angetreten. Vor der Bewerbung für seine dritte Amtszeit 2009 verließ er die Republikanische Partei und kandidierte als Unabhängiger. 2018 schließlich wechselte er zu den Demokraten – bereits damals überlegte er, ob er als Präsidentschaftskandidat antreten solle.

Bloomberg ist mit seinen 77 Jahren der zweitälteste Bewerber bei den Demokraten. Sanders ist 78, Biden 76 und Warren 70. Präsident Trump ist 73 Jahre alt.

Vorwahlen ab Februar

Bloomberg reiht sich – extrem spät – in einer übervolles Bewerberfeld bei den Demokraten ein. Obwohl bereits zahlreiche Parteikollegen ausgestiegen sind, bewerben sich noch immer fast 20 Demokraten um die Präsidentschaftskandidatur ihrer Partei. Die meisten von ihnen machen bereits seit Monaten Wahlkampf. Die Vorwahlen, bei denen die Demokraten ihren Kandidaten für die Präsidentschaftswahl im November 2020 endgültig bestimmen, beginnen Anfang Februar in Iowa.

Prominente Anwärter auf die Kandidatur der Demokraten hatten sich in den vergangenen Tagen angesichts der Spekulationen über seine Kandidatur bereits gegen Bloomberg in Stellung gebracht. Insbesondere die linken Senatoren Elizabeth Warren und Bernie Sanders, die in Umfragen bisher mit an der Spitze liegen und immer wieder Position gegen Superreiche, zielten auf Bloombergs Reichtum ab. Sanders etwa sagte, man könne die Wahl nicht kaufen.

Bloomberg gilt als moderater Demokrat und macht damit vor allem dem früheren US-Vizepräsidenten Joe Biden Konkurrenz, der in Umfragen bisher noch vorne liegt, zuletzt aber zunehmend schwächelte und von der internen Konkurrenz fast eingeholt und beim Spendensammeln zum Teil überholt wurde.

Im März hatte Bloomberg noch öffentlich erklärt, er wolle nicht Präsidentschaftskandidat werden. Berichten zufolge verzichtete er damals bewusst auf eine Kandidatur, um Biden nicht in die Quere zu kommen. (APA, dpa, Reuters, 24.11.2019)