Luka Doncic hat ein butterweiches Händchen.

Foto: AP Photo/Tony Gutierrez

Kein Wurf ist zu schwierig für den Slowenen.

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Ein gerade einmal 20-Jähriger, der schon viel besser ist als es Lebron James, Michael Jordan oder Kobe Bryant in diesem Alter je waren? Der kein Riese ist wie der Dirk Nowitzki und der sich als Jungspund nicht die Schneid abkaufen lässt und seine Gegner spielerisch abzockt wie ein Routinier im Kasino?

Keine Frage, die Geschichte des Luka Doncic ist verblüffend. Der Slowene ist der Spieler der Stunde in der NBA. 30,6 Punkte, 10,1 Rebounds und 9,8 Assists im Schnitt – diese Werte übertreffen die allermeisten Spielzeiten von Michael Jordan oder LeBron James. Dabei wirkt Doncic nicht verbissen wie manche Legende vor ihm. Mit einer Leichtigkeit versenkt er einen Wurf nach dem anderen oder lässt seine Gegner aussteigen. Den von James Harden patentierten "Step-Back-Dreier", bei dem er nach einer Finte einen Schritt zurück macht, bevor er den Ball fliegen lässt, kann Doncic schon genauso gut wie sein Erfinder.

Basketballverrücktes Kind

Die Dallas Mavericks sind wieder wer in der NBA, weil sie sich getraut haben, auf Doncic zu setzen. Dabei ist sein Aufstieg nur folgerichtig. Doncics Vater Sasa war ein Basketballstar in Slowenien. Sein Patenonkel ist mit Radoslav Nesterovic ein Ex-NBA-Spieler, der immerhin zwölf Jahre in der Liga überlebte. Doncic soll schon als Baby in seinen Basketball verliebt gewesen sein. Legenden werden erzählt. Seine ersten Trainer haben ihn schon nach einer Viertelstunde mit Burschen spielen lassen, die vier Jahre älter waren. An seinem Talent konnte man nicht vorbeisehen, sagte sein einstiger Coach Jernej Smolnikar: "Er sah Passwinkel, die sonst niemand sah, und hatte den Mut, schon früh mit dem Dreierwerfen zu beginnen. Auch wenn er die ersten Jahre lang nicht traf." Seine Mutter musste ihn in Ljubljana in der Dunkelheit vom Hof ins Haus zerren, damit er den Basketball zumindest für ein paar Stunden liegen ließ. Sein Vater trifft öffentlich kaum in Erscheinung.

NBA

Doncic verließ als 13-Jähriger seinen Heimatverein Olimpija Ljubljana in Richtung Nachwuchs von Real Madrid. In einer Dokumentation spricht seine Mutter darüber, wie schwer es für die Familie war, ihren noch so jungen Sohn in eine fremde Stadt ziehen zu lassen. Sein Profidebüt für die Königlichen gab er bereits mit 16, lernte dort von großen Mentoren, internationalen Topspielern wie Andres "Chapu" Nocioni, Sergio Lull oder Rudy Fernandez. In seinem letzten Spiel führte er den Klub zum Meistertitel in Spanien. Doncic hat mit Madrid auch die Euroleague gewonnen, einen Bewerb auf allerhöchstem taktischem Niveau. Dagegen ist die College-Meisterschaft in den USA Kinderbasketball. 2018 holte er mit Slowenien sensationell den EM-Titel. Doncic hat damit bereits alles erreicht, was es in Europa zu erreichen gibt, und stellt slowenische Legenden wie Goran Dragic oder Jurij Zdovc in den Schatten.

Die Skepsis

Trotzdem blieben Beobachter skeptisch. Luka Doncic sei ein Spieler, dem es an Kraft und Muskelmasse fehle. Aber Athletik ist bekanntlich nicht alles im Basketball. Doncic ist mit 2,01 Meter Körpergröße für einen Point Guard sehr groß (wobei das Spiel bald keine Positionen mehr kennt), spielt Pässe wie einst der größte Showtime-Player der NBA, Magic Johnson. Frage nicht, was passiert, wenn Doncic seinen Babyspeck abbaut. Mittlerweile schallt eine abgewandelte Ballade des großen Leonard Cohen in Dallas aus den Lautsprechern, statt "Hallelujah" heißt es nun "Halleluka". Beim Sieg gegen die Houston Rockets erreichte Doncic sein viertes Spiel am Stück mit mehr als 30 Punkten und mehr als zehn Assists, was vor ihm nur Oscar Robertson, Tiny Archibald, Michael Jordan und Russell Westbrook länger geschafft hatten.

Doncic wurde vergangene Saison zum Rookie of the Year gewählt. Die Wahl war alternativlos. Es gibt quasi keine europäischen Spieler, die ohne Anlaufzeit in der NBA einschlugen. Doncic tat es. Im NBA Draft 2018 wurde Doncic nur an Nummer drei gezogen, hinter DeAndre Ayton und Marvin Bagley (auweia). Den größten Fehler in ihrer Vereinsgeschichte haben die Atlanta Hawks gemacht, also sie noch am Abend des Drafts 2018 Luka Doncic zogen und für den 21-jährigen Trae Young eintauschten. Young ist ein sehr guter Spieler, aber er ist kein Jahrhunderttalent wie Doncic. Bad luck.

Die Dallas Mavericks haben neben Doncic noch Kristaps Porzingis, der Lette braucht noch Zeit nach seinem Kreuzbandriss im Vorjahr, um sein großes Potenzial wieder auszuschöpfen. Die Mavericks sind vielleicht nur einen Trade entfernt davon, schon in dieser Saison um den Titel mitzuspielen – womöglich durch einen Trade für Andre Iguodala aus Memphis?

Trainer Rick Carlisle, der über ein Jahrzehnt mit Dirk Nowitzki arbeitete, sagte jüngst über Doncic: "Besonderen Spielern wie ihm muss man vertrauen." Er würde ihn nach eigenen Angaben "gegen keinen Spieler dieser Liga tauschen". (Florian Vetter, 25.11.2019)