Michael Bloomberg wirft seinen Hut in den Ring.

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Joe Biden wirkt trotz Führung in vielen Umfragen zunehmend ratlos – das merken auch die Wähler.

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Pete Buttigieg, momentan Umfragekaiser in Iowa.

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Es ist eine eigenwillige Kandidatur. New Yorks Ex-Bürgermeister Michael Bloomberg, einst Republikaner, später Unabhängiger, nun Demokrat, will US-Präsident werden. Er ist nach der Verlautbarung seiner Kandidatur am Sonntag der 19. im Rennen um die demokratische Präsidentschaftsbewerbung.

Ungewöhnlich an der Kandidatur ist der späte Zeitpunkt – aber auch die Art, wie der Finanz- und Medienmilliardär das Rennen doch noch für sich entscheiden will. Er will nach Angaben seines Teams die ersten vier Vorwahlen in Iowa, New Hampshire, Nevada und South Carolina (zwischen 3. und 29. Februar) links liegen lassen. Erst am Super Tuesday, dem 3. März, wenn 14 Bundesstaaten abstimmen, will er auftrumpfen. Dafür will er allein in der ersten Woche 30 Millionen Dollar für TV-Werbung aufwenden.

Ungewöhnliche, aber womöglich trotzdem durchdachte Strategie?

Während das alles als noch ungewöhnliche, aber womöglich trotzdem durchdachte Strategie gesehen werden kann, scheint vielen die Begründung seiner Kandidatur nicht vollkommen schlüssig: Er sei wegen der Schwäche des zentristischen Umfragespitzenreiters, Ex-Vizepräsident Joe Biden, besorgt, heißt es. Und: Der Milliardär Bloomberg wolle unbedingt einen Vorwahlsieg der beiden linksstehenden Kandidaten, Elizabeth Warren und Bernie Sanders, verhindern.

Aus diesem Begehr heraus hätten auch wichtige Spender der demokratischen Partei agiert, als sie ihn bekniet hätten, doch noch anzutreten. Aber, so fragen viele, wenn Bloomberg nun ins Rennen einsteigt – kostet das dann nicht erst recht dem politisch ähnlich positionierten Biden Stimmen? Und: Gewinnen dann, wegen der Zersplitterung im Zen trum, nicht erst recht die Linken?

Auch Spenden fehlen

Dies fällt insbesondere ins Gewicht, weil Bloombergs Kandidatur für Biden auch zu einem sehr ungünstigen Moment kommt. In den Bundesstaaten Iowa und New Hampshire, wo im Februar die ersten Vorentscheidungen fallen, ist dieser zuletzt deutlich zurückgefallen. Dort führt nun der ebenfalls gemäßigte Bürgermeister von South Bend, Indiana, Pete Buttigieg, die Umfragen an – und auch er verzeichnet seinen Höhenflug zum Teil auf Kosten Bidens. Auch war kürzlich bekannt geworden, dass es für Biden finanziell eng werden könnte. Er nahm für das wichtige vierte Quartal 2019 nur 8,9 Millionen Dollar ein – klar weniger als seine Konkurrenten Warren, Sanders, Buttigieg und Senatorin Kamala Harris.

Die fehlende Begeisterung spiegelt sich, so eine Reportage der New York Times vom Montag, auch im Kampagnenteam Bidens in Iowa wider. Das Blatt zitiert am Montag mehrere Mitarbeiter lokaler Wahlbüros, die sich wegen der teils ungeschickten Auftritte ihres 77 Jahre alten Kandidaten um die Wahlbeteiligung bei den entscheidenden Versammlungen am 3. Februar sorgen. Viele mögliche Wählerinnen und Wähler würden zwar angeben, Biden am ehesten zu bevorzugen – ob sie dann aber tatsächlich zum Caucus gehen würden, sei ungewiss.

Vor diesem Hintergrund schießen auch die Spekulationen rund um Bloomberg ins Kraut. Nate Silver, Chefredakteur der Umfrageplattform Fivethirtyeight, gibt sich überzeugt, dass Bloomberg gar nicht wirklich an einem Sieg bei den Vorwahlen interessiert sei. Er hoffe lediglich auf Chaos, ein unentschlossenes Elektorat und darauf, dass bis zum demokratischen Wahlparteitag im Sommer niemand eine Mehrheit der Delegierten hinter sich bringen könne. Dort, so die Vermutung, könnte Bloomberg dann als Kompromisskandidat auftreten – jene Rolle, die eigentlich Biden seit Beginn seiner Kandidatur anstrebt. (Manuel Escher, 25.11.2019)