Wenn das aus US-amerikanischer Sicht verschlafene Wien zuletzt in amerikanischen Medienberichten vorkam, konnte das eigentlich nur zwei Gründe haben: gute Nachrichten für die Welt des Marathonsports oder schlechte Nachrichten für die Welt des Donald Trump.

"Gegen meinen Willen und Wunsch", zitiert die "NYT" Firtasch, sei er "in diesen internen Streit in den USA hineingezogen worden".
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Jener Bericht, den die "New York Times" ("NYT") am Montagvormittag Wiener Zeit veröffentlichte, fällt in die zweite Kategorie. Er behandelt die Ermittlungen gegen den US-Präsidenten und gegen dessen persönlichen Anwalt Rudy Giuliani. Zu Letzterem hat sich nämlich erstmals der ukrainische Oligarch Dimitri Firtasch öffentlich geäußert – und mit seinen Angaben im Wesentlichen jene Verdachtsmomente bestätigt, über die schon bisher spekuliert worden war.

"Gegen meinen Willen und Wunsch", zitiert die "NYT" Firtasch, sei er "in diesen internen Streit in den USA hineingezogen worden". Der "interne Streit" – damit ist der Vorwurf an Trump gemeint, er habe von der Ukraine belastendes Material über seinen möglichen demokratischen Konkurrenten Joe Biden erpressen wollen. Jener Vorwurf also, der derzeit auch Gegenstand des laufenden Amtsenthebungsverfahrens des Repräsentantenhauses gegen den US-Präsidenten ist. Einen Nebenstrang dieser Affäre, der bisher allerdings nicht Teil von Ermittlungen ist, bildet dabei eine geplante Wien-Reise Giulianis Mitte Oktober, die der Trump-Anwalt damals kurzfristig absagen musste.

Mysteriöse Wien-Reisen

Grund für die kurzfristige Planänderung war damals die Verhaftung seiner beiden Geschäftspartner Lev Parnas und Igor Fruman tags zuvor, die, ebenfalls mit Tickets nach Wien ausgestattet, bereits am Washingtoner Flughafen festgenommen worden waren. Beiden werden Verstöße gegen Wahlkampffinanzierungsgesetze vorgeworfen. Zumindest Parnas war auch für Firtasch als Übersetzer tätig – was zur Vermutung führte, Giuliani habe in Wien Firtasch treffen wollen.

Rudy Giuliani (li.) mit Lev Parnas im vergangenen September im Trump International Hotel in Washington.
Foto: REUTERS/Aram Roston

Das bestätigt Firtasch nun nicht; aber er sagt, Parnas und Fruman hätten angeboten, ihm im Umgang mit dem US-Justizministerium zu helfen, sofern er zwei Trump-nahe Anwälte einstelle. Das Justizministerium versucht seit einigen Jahren, die Auslieferung Firtaschs zu erreichen, ihm wird Bestechung vorgeworfen.

1,2 Millionen US-Dollar überwiesen

Dass er tatsächlich Informationen über Biden habe, stellt Firtasch in dem Interview in Abrede. Allerdings hat er das Anwaltsteam – Victoria Toensing und Joe diGenova – tatsächlich eingestellt. Laut "New York Times" habe er ihnen insgesamt 1,2 Millionen US-Dollar für ihre Dienste überwiesen. Und tatsächlich, so der Bericht, hätten Toensing und diGenova im späten August bei Justizminister William Barr vorgesprochen, um in Sachen Firtasch zu intervenieren. Allerdings, so heißt es, ohne Erfolg.

Neben Firtasch soll Giuliani übrigens noch einem weiteren ukrainischen Oligarchen, gegen den das FBI angeblich ermittelt, einen ähnlichen Deal angeboten haben. Ihor Kolomojskyj, einer der reichsten Ukrainer und prominentester Unterstützer Präsident Wolodymyr Selenskyjs, sagte der "New York Times", Parnas und Fruman seien auch bei ihm vorstellig geworden. Ihren Versuch, "Hilfe" im Gegenzug für ein Gespräch mit Selenskyj anzubieten, habe er aber abgelehnt, sagt er. (mesc, 25.11.2019)