Ein Babyboomer auf großer Fahrt. Kein Klimawandel in Sicht.

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Bringen wir es hinter uns: Die längst wieder im Verschwinden begriffene Phrase „Okay, Boomer“ gelangte Ende Oktober dank eines Artikels in der New York Times zu globaler Bekanntheit. Sie löste sehr schnell den „Silberrücken“ und den „alten weißen Mann“ ab und steht abwertend für Vertreter der Babyboomer-Generation, die alles immer falsch gemacht haben, aber immer alles besser wissen. Das ist allerdings ein wenig irreführend.

Zwischen Frühpension und letzter Ruhe

Mit Boomer sind ja vor allem Männer gemeint, die heute altersmäßig irgendwo in der Mitte zwischen ÖBB-Frühpension, Nordic Walking und Aussegnungshalle ihr Dasein fristen. Zum letzten Hemd fehlen also noch 20, 30 Jahre. Bevor es so weit ist, wollen die je nach Standpunkt alten oder in ihren „besten Jahren“ befindlichen Boomer in ihrer Verbohrtheit aber noch die jungen Menschen mit ins Verderben ziehen. Wir sprechen vom Leugnen des Klimawandels, schiarchen Worten bezüglich Minderheiten oder der Ablehnung technischer Errungenschaften wie Instagram.

Wohin es führt, wenn man zettbe keinen Führerschein für elektronische Kommunikation besitzt, sieht man derzeit gut am Beispiel der für uns Senioren nur schwer handhabbaren Technologie von Messenger, SMS oder Whatsapp sowie Taschentelefon und dem Thema Casinos Austria.

Schon eine kleine Bodenwelle beim Autofahren kann hier für ein kommunikatives Desaster sorgen! Dieses kann man dann im ohnehin nur von Zombies benutzten Facebook nicht einmal noch mit einem Aluhut geradebiegen.

Ein Plädoyer für "Oida Depp"

Ich habe jetzt bei den Töchtern nachgefragt, wie es sich aktuell mit dem Wort Boomer verhält. Die Antwort ist eindeutig: Lieber Herr Vater, du peinlicher alter Mann, lass die Sprache der Weltjugend unbedingt in Ruhe! Und keine Ausnahmen wie „Chill deine Basis“ oder „Okay cool“! Ihr seid einfach nur zum Fremdschämen.

Wenn wir alte Zauseln diese Ausdrücke verwenden, sind sie längst wieder out. Kurz gesagt: Der Boomer ist tot. Mir ist es sowieso lieber, wenn man weiter „oida Depp“ zu mir sagt. Dann kenne ich mich nämlich aus. Ach ja. Liebe Kaulquappen, der Generationenvertrag gilt übrigens immer noch: Ich zahle euch die Ausbildung. Ihr zahlt mir die Rente. Bam, Oida. (Christian Schachinger, 27.11.2019)