Zhu Hailun steht hinter jenen "Umerziehungslagern", in denen ein System der Gewalt und Zwangsarbeit herrscht.

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Er soll die uigurische Sprache so gut beherrschen, dass er sogar seine Übersetzer korrigiert. Zhu Hailun gilt als Architekt der „Umerziehungslager“ in der chinesischen Unruheprovinz Xinjiang. Das legen zumindest die „China Cables“ nahe – ein 403 Seiten starkes Dokument, das vergangene Woche der New York Times und dem International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) zugespielt wurde. Die Dokumente belegen die Internierung von einer Million Uiguren in Camps in Chinas Westprovinz, wo ein System der Gewalt und Zwangsarbeit herrscht.

Zhu wurde 1958 in Jiangsu, einer Provinz im Osten, nahe Schanghai, geboren. Als 17-Jähriger wurde er – wie viele seiner Generation – im Zuge der Kulturrevolution in den Siebzigern zwangsumgesiedelt. Er lebte einige Jahre im Bezirk Kargilik in der Provinz Xinjiang, nahe der pakistanischen Grenze. 1980 trat Zhu der kommunistischen Partei bei und machte dort Karriere.

Schnell war er dafür berüchtigt, rigoros gegen Verdächtige vorzugehen und deren Häuser bevorzugt nachts durchsuchen zu lassen. Muslimische Bauern, die andere Pflanzen anbauten als vorgeschrieben, beschimpfte er mit „Euer Gott ist Müll“. Sich selbst soll er als „Retter“ gesehen haben, der die uigurische Kultur modernisiere.

Stellvertretender Parteisekretär

Zhus Stunde schlug nach den großen Unruhen von 2009. Er wurde zum stellvertretenden Parteisekretär von Ürümqi, der Hauptstadt Xinjiangs, befördert. Ein ungewöhnlicher Zug, denn zu dieser Zeit ließ Peking vor allem Beamte aus anderen Provinzen nach Xinjiang einfliegen. Doch Zhus Ruf, Ordnung herstellen zu können, beeindruckte die Kader in Peking. Unter seinem Kommando kam es immer wieder zu Razzien; es wurden auch zehntausende Überwachungskameras installiert.

Als es 2014 wieder zu einem Terroranschlag kam, entsandte Peking einen neuen Parteisekretär: Chen Quanguo. Zhu wurde Chens rechte Hand und stieg zum Chef des Sicherheitsapparats auf. Er schuf ein digitales Überwachungssystem, das Handys nach verdächtigen Inhalten scannt und Uiguren, die ins Ausland reisen, zu verdächtigen Personen erklärt. Kurz nach Chens Ankunft entstanden zudem die ersten Lager, in denen zunächst tausende Menschen zwangsinterniert wurden.

Heute sollen eine Million Menschen dort einsitzen. Zhu ist im Vorjahr in Pension gegangen, wie es die Regeln der Kommunistischen Partei vorsehen. (Philipp Mattheis, 27.11.2019)