Tygart nimmt auch Nike in die Verantwortung.

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Der Chef der US-Anti-Doping-Agentur (USADA) hat im Fall des mittlerweile aufgelösten Nike Oregon Projects erneut schwere Vorwürfe gegen den amerikanischen Sportartikelhersteller erhoben. Nike mit Chef Mark Parker an der Spitze habe genau gewusst, was bei dem Projekt unter Leitung des mittlerweile gesperrten Startrainers Alberto Salazar vorgegangen sei.

"Athleten wurden misshandelt im Nike Oregon Project, um zu siegen. Das hat keinen Wert, es ist widerlich", sagte Travis Tygart der "Sport Bild". Nike, das die Leichtathletik als dominanter Sponsor "im Würgegriff hat", solle zudem endlich zugeben, "dass unfassbare Fehler gemacht wurden" und sich bei den betroffenen Athleten entschuldigen.

Längere Sperren

Zugleich forderte Tygart eine längere Sperre gegen Salazar (61). Salazar und der mit dem Project kooperierende Arzt Jeffrey Brown hatten unlängst beim Internationalen Sportgerichtshof (CAS) Einspruch gegen ihre Strafen eingelegt. "Wir fanden, dass sie bereits beim ersten Urteil längere Strafen verdient gehabt hätten. Also werden wir jetzt dafür plädieren. Wir wollten ursprünglich lebenslange Sperren – so ungeheuerlich waren ihre Taten. Wir werden weiter ermitteln und sicher noch Beweise liefern", sagte Tygart. Sobald ein Urteil gefällt werde, würden noch weitere Athleten, die vorher Angst hatten, reden.

Salazar und Brown waren am 1. Oktober von einem amerikanischen Schiedsgericht wegen Verstößen gegen die Anti-Doping-Regeln für vier Jahre gesperrt worden. Zuvor hatte die USADA vier Jahre lang gegen den früheren Marathonläufer Salazar ermittelt. Die Vorwürfe beziehen sich auf die Zeit von 2010 bis 2014. Der Fall hatte für großes Aufsehen gesorgt, da im Nike Oregon Project in der Nähe von Portland/USA zahlreiche erfolgreiche Läufer wie der vierfache britische Olympiasieger Mo Farah trainiert hatten. (APA, 27.11.2019)