Die Grüne Wirtschaft will die Wirtschaftskammer Österreich zu nachhaltig-ökologischem Wirtschaften auch im eigenen Haus anhalten. Dazu gehöre die Umstellung der Standorte auf zertifizierten Ökostrom.

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Während die Regierungsverhandlungen zwischen Türkis und Grün hinter verschlossenen Türen Fahrt aufnehmen, tritt am Donnerstag das höchste Gremium der Wirtschaftskammer (WKO), das Wirtschaftsparlament, zusammen. Diesen Tag wollen die Grünen für einen Lackmustest nutzen.

"Wir wollen wissen, inwieweit es der Mehrheitsfraktion mit Bekundungen zur Ökologisierung ernst ist", sagte Sabine Jungwirth, Fraktionsführerin der Grünen Wirtschaft, dem STANDARD. Die Mehrheitsfraktion ist der VP-Wirtschaftsbund, der 2015 auf 66,6 Prozent der Stimmen kam.

Meist abgeblitzt

"Wir haben gefühlt hundert Anträge eingebracht, die mehr Nachhaltigkeit zum Inhalt hatten", sagte Jungwirth. In der Regel sei man damit abgeblitzt – mit schwer nachvollziehbaren Begründungen, warum das nicht gehe.

In der Zwischenzeit habe sich das Stimmungsbild aber verändert. Das Bewusstsein in breiten Teilen der Gesellschaft und auch in der Wirtschaft sei gestiegen, dass nicht länger zugewartet werden dürfe mit Maßnahmen gegen die Erderhitzung, sagte Jungwirth. Und nicht zu vergessen: ÖVP und Grüne verhandeln ein Koalitionspapier, durch das sich das Thema Klimaschutz, wenn es denn zum Handschlag kommt, durchziehen dürfte. "Wir sind mit unserem Verhandlungsteam gut abgestimmt", räumte Jungwirth ein.

CO2-neutral bis 2025

Der Antrag, den die Grüne Wirtschaft im 116-köpfigen Wirtschaftsparlament einbringen wird, umfasst zum einen den Wirkungsbereich der WKO. Dort soll eine ökologisch-nachhaltige Arbeitsweise Einzug halten mit dem Ziel, dass die von Präsident Harald Mahrer geführte Kammer bis 2025 vollständig CO2-neutral arbeitet. Erreicht werden soll dies unter anderem durch Umstellung der Stromversorgung an den Kammerstandorten auf zertifizierten Ökostrom, Umstellung des Fuhrparks auf klimaschonende Fahrzeuge und Veranlagung von WKO-Geld in Green-Finance-Produkten.

Nach außen soll sich die WKO unter anderem für eine CO2-Bepreisung und die Einführung eines Ökobonus einsetzen.

Wirtschaftsbund mit eigenem Antrag

Diese und andere Forderungen schlagen sich freilich mit Anträgen, die Wirtschaftsbund und Freiheitliche Wirtschaft getrennt voneinander zum Thema Klimaschutz einbringen wollen.

(Günther Strobl, 28.11.2019)