Ausgerechnet in Japan, wo im internationalen Vergleich die meisten Überstunden von Arbeitnehmern geleistet werden, ließ der Softwareriese Microsoft mit einem Experiment aufhorchen: Einen Monat lang wurden die 2.300 Mitarbeiter bereits am Donnerstag ins Wochenende geschickt. Ihr Gehalt blieb unverändert. Und es zeigte sich, dass im Vergleich zum gleichen Monat des Vorjahres die Produktivität der Mitarbeiter während des Versuchszeitraums um knapp 40 Prozent gestiegen ist.

Dieses Experiment ist aber nur ein weiterer Beleg dafür, dass sich mehr Freizeit auf vielen Ebenen positiv auf Mitarbeiter und Unternehmen auswirken kann. Neuseeländischen Forschern zufolge sind Beschäftigte mit einer Viertagewoche nicht nur produktiver, sondern insgesamt glücklicher und weniger gestresst als bei einer Fünftagewoche. Zwar haben auch in Österreich einige wenige Firmen eine Viertagewoche eingeführt, hauptsächlich werde sie in Österreich aber im Zusammenhang mit flexibleren Arbeitszeiten und der Möglichkeit einer längeren Tagesarbeitszeit diskutiert. Die Viertagewoche wird so als Ausgleich zum Zwölfstundentag gesehen.

Zusätzliche Zeit zur Erholung kann man sicher gut brauchen, sie fördert das Wohlbefinden und steigert auch die Produktivität. Dennoch wird sie in Österreich selten gewählt.
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In einzelnen Branchen gibt es aber auch in Österreich die Möglichkeit, mehr Freizeit in Anspruch zu nehmen. Vorreiter war die Elektro- und Elektronikindustrie. Bereits 2013 wurde für Mitarbeiter der Branche die sogenannte Freizeitoption im Kollektivvertrag geregelt. Seither gibt es für sie die Möglichkeit, zwischen der jährlichen Gehaltserhöhung oder zusätzlichen freien Tagen zu wählen. Derzeit machen rund sechs Prozent der Beschäftigten, die dem Kollektivvertrag der Elektro- und Elektronikindustrie unterliegen, von der Freizeitoption Gebrauch. Laut Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie (FEEI) werde diese Option von allen Altersgruppen, egal ob Arbeiter oder Angestellte und unabhängig vom Einkommen, gleichermaßen genutzt.

Neben der Elektro- und Elektronikindustrie gibt es die Freizeitoption, laut ÖGB, derzeit in den Kollektivverträgen der Süßwarenindustrie, der Futtermittelindustrie, der Molkereien und Käsereien sowie der Metallindustrie. Über den neuen Kollektivvertrag für das Metallgewerbe, in dem es auch eine Freizeitoption gibt, wird aktuell gerade verhandelt. Rechnet man die Beschäftigten im Metallgewerbe mit ein, so sind von den rund 3,7 Millionen unselbstständig Beschäftigten in Österreich laut ÖGB gut 400.000 Personen in einer jener Branchen beschäftigt, die im Kollektivvertrag die Freizeitoption verankert haben.

Je höher der Abschluss, desto mehr freie Tage

Das Prinzip ist relativ einfach, anstelle einer Ist-Erhöhung beim Lohn oder Gehalt wird zusätzliche Freizeit gewährt. Das Ausmaß der zusätzlichen freien Tage ist dabei an die Erhöhung gekoppelt – je höher der Abschluss, umso mehr Tage können zusätzlich freigenommen werden. Als Faustregel gilt: Eine Erhöhung von zwei Prozent kann mit knapp einer Woche Freizeit ausgetauscht werden.

Der Grund, weshalb diese Freizeitoption nicht häufiger gewählt werde, liegt für Arbeitsrechtsexpertin Jana Eichmeyer hauptsächlich am hohen Administrationsaufwand. "Das beginnt damit, dass in Betrieben, wo es einen Betriebsrat gibt, das Modell zwingend eine Betriebsvereinbarung voraussetzt. Erst dann können die Mitarbeiter individuell ihre zusätzliche Freizeit beantragen." Das Zustandekommen einer dementsprechenden Betriebsvereinbarung sei aber manchmal nicht einfach. Aktuell werde etwa noch immer über Betriebsvereinbarungen bezüglich Datenschutzes oder Arbeitszeit allgemein gestritten. Ist die Situationen sehr verfahren, gibt es bei der Freizeitoption oft auch kein Entgegenkommen. Nur dort, wo kein Betriebsrat besteht, können Unternehmen und Mitarbeiter direkt verhandeln. Darüber hinaus müssen für die Erfassung dieser zusätzlichen Arbeitszeitguthaben eigene Zeitkonten geführt werden.

Um der Freizeitoption zum Durchbruch zu verhelfen, fordern die Gewerkschaften, sie mit einem Rechtsanspruch zu versehen, da Arbeitgeber die Freizeitoption zu oft verweigern würden. Für Eichmeyer zeigt sich hier auch: Österreich ist ein Land der Urlaubshorter. Die Mitarbeiter verbrauchen oft ihren normalen Urlaubsanspruch nicht und tragen Urlaubsguthaben mit. Möglicherweise sei daher der Bedarf nach zusätzlicher Freizeit doch nicht so groß. (Gudrun Ostermann, 29.11.2019)