Der Irak kommt nicht zur Ruhe. Bei erneuten Protesten gegen die Regierung sind am Donnerstag nach Angaben von Rettungskräften mindestens 28 Menschen getötet und dutzende verletzt worden.

Sicherheitskräfte schossen demnach am Vormittag in der Stadt Nassiriya im Süden des Landes auf Demonstranten, die sich an einer Brücke versammeln wollten. Dabei starben mindestens 24 Menschen. Vier weitere seien in der Hauptstadt Bagdad getötet worden, als Sicherheitskräfte mit scharfer Munition auf Demonstranten nahe einer Brücke am Tigris schossen.

Viele Opfer wurden auf der Brücke in Nassiriya erschossen.
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In Najaf war am Mittwoch bei Protesten das iranische Konsulat gestürmt und in Brand gesetzt worden. "Sieg für den Irak" und "Iran raus", riefen die Demonstranten.

Die Behörden setzten nach Angaben des Militärs inzwischen sogenannte Krisenzentren von Militär und Zivilverwaltung in den Provinzen ein, um die Unruhen unter Kontrolle zu bringen. Regierungschef und Oberbefehlshaber Abdel Mahdi berief am Donnerstag mehrere Militärkommandanten in einen Krisenstab ein, um in den südlichen Provinzen des Landes "Sicherheit und Ordnung wiederherzustellen", wie die Militärführung mitteilte. Sie hätten den Auftrag, den dortigen Gouverneuren zur Seite zu stehen und die Sicherheitskräfte und Soldaten vor Ort zu "kontrollieren".

Tausende demonstrieren gegen den iranischen Einfluss im Irak.
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Seit Beginn der Proteste Anfang Oktober wurden nach Zählung der Nachrichtenagentur AFP mehr als 360 Menschen getötet und 15.000 verletzt. Die Behörden veröffentlichen schon seit Wochen keine aktuellen Opferzahlen mehr. Die Demonstranten fordern eine komplett neue Regierung unter Ausschluss der etablierten Parteien, da sie die gesamte politische Elite für Korruption, Klientelismus und staatliche Misswirtschaft verantwortlich machen.

Mehr als 360 Tote

Die Proteste in Bagdad und anderen Städten hatten Anfang Oktober begonnen und waren zwischenzeitlich abgeklungen. Mittlerweile sind es die größten seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Saddam Hussein im Jahr 2003. Der Unmut der Bevölkerung richtet sich gegen die politische Elite, Misswirtschaft, Korruption und hohe Arbeitslosigkeit. Insgesamt wurden dabei nach Zählung der Agentur AFP bislang weit mehr als 360 Menschen getötet. Den Sicherheitskräften wurde in einem Regierungsbericht übermäßige Gewaltanwendung vorgeworfen. (red, APA, Reuters, 28.11.2019)