Wer eine Immobilie sucht, stößt mitunter auf ein Objekt, das es noch nicht gibt und und das auch gar nie gebaut werden wird.

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Ein leerstehendes Gebäude gibt es schon, in dem sich ein Projekt mit kleinen Wohnungen, Büros für Einpersonenunternehmen oder vielleicht ein Selfstorage umsetzen lassen würde – an Ideen fehlt es der Immobilienrendite AG meist nicht. Klingt eigentlich alles sehr gut – aber eine Frage stellt sich noch, bevor der Entwickler an die Sache rangeht: Gibt es eine Nachfrage am Standort?

Um eine Antwort darauf zu bekommen, hat sich die Immobilienrendite AG eine Strategie überlegt. Sie veröffentlicht fiktive Inserate und wartet ab. Erst wenn viele sich melden, wird das Gebäude gekauft und die Interessenten werden für das fertige Projekt vorgemerkt. "Kommen wenige, vielleicht drei Anfragen in einem Monat", sagt Markus Kitz-Augenhammer, Co-Vorstand des Unternehmens, lasse man es bleiben. Die Interessenten kommen folglich nicht zum Zug und müssen weitersuchen.

Doch ist diese Art der Vorvermarktung in der Immobilienbranche verbreitet? Und kann es passieren, dass man bei der Immobiliensuche auf ein Inserat stößt, dessen Objekt weder gebaut noch in Planung ist? "Ich würde das nicht machen, weil es einen falschen Anschein erweckt", sagt Sandra Bauernfeind, Wohnimmobilienexpertin bei EHL. Die meisten Unternehmen würden sich zu diesen Fragen von Experten beraten lassen.

Ländliche Lagen

So sieht das auch David Breitwieser von Optin Immobilien, der seine Kunden diesbezüglich berät: "Wir kennen uns am Markt aus und werden häufig gefragt, wo es eine bestimmte Nachfrage gibt", sagt er. Die Methoden der Immobilienrendite AG hält er für möglicherweise sinnvoll, wenn es um Lagen geht, zu denen es keine Expertise gibt – wenn jemand beispielsweise herausfinden wolle, ob ein Bauprojekte im ländlichen Waldviertel sich rentiere.

In der Branche scheint die Praxis, Immobilieninserate schon zu schalten, bevor überhaupt feststeht, ob ein Projekt gekauft oder entwickelt wird, nicht sehr weit verbreitet zu sein. "Ich habe das noch nicht gehört oder den Auftrag gehabt, das zu tun", berichtet Alexander Bosak von der Immobilienmarketingagentur Bosak und die Wölfe. Mache ein Bauträger eine gute Recherche, sollte er es nicht nötig haben, Scheininserate zu schalten. Hier gebe es genug Daten und Know-how in der Branche, um das abzudecken. "Und irgendwie ist das den Immobiliensuchenden gegenüber auch unsportlich", so Bosak weiter.

Bedarf festmachen

Neben dem Feststellen der Nachfrage können Immobilieninserate auch dafür benutzt werden, den konkreten Bedarf zu eruieren. So werden etwa eine 40- und eine 60-Quadratmeter-Wohnung inseriert, und je nachdem, welche begehrter ist, mehr Einheiten in dieser Größe errichtet.

Doch auch hier kennt Bosak Wege, die eher auf Erfahrungswerte anstatt auf aktuelle Bedürfnisse von Immobiliensuchenden zurückgreifen. Seit eineinhalb Jahren arbeitet Bosak mit der Bauträgerdatenbank namens Exploreal, in der sich genau ablesen lässt, um welche Preise und in welchen Größen sich Wohnungen in einer bestimmten Lage verkaufen lassen. "Bei einem konkreten Projekt konnte ich etwa sehen, dass dort die 90-Quadratmeter-Wohnungen übrig geblieben sind."

Mit solchen Hilfsmitteln lasse sich ein Projekt optimieren, so Bosak. Im Idealfall passiere das alles aber schon in der Planungsphase, um durch spätere Umplanungen die Baukosten nicht zu erhöhen. "Normalerweise sind Bauträger hier aber vorausschauend genug", so der Marketingexperte. (Bernadette Redl, 29.11.2019)