Nach den Tätern, die den spektakulären Diebstahl im Grünen Gewölbe begangen haben, wird weiter auf Hochtouren gefahndet.

Foto: AP/Sebastian Kahnert

Dresden – Im Zusammenhang mit dem Juwelendiebstahl aus dem Grünen Gewölbe in Dresden hat die Polizei eine Belohnung von einer halben Million Euro ausgesetzt. Sie steht für Hinweise zur Verfügung, die zur Aufklärung der Tat, zur Ermittlung oder der Ergreifung der Täter sowie zum Auffinden der Beute führen, wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Donnerstag mitteilten.

"Wir werden nichts unversucht lassen, diesen Fall zu lösen", erklärten Landespolizeipräsident Horst Kretzschmar und der Leitende Oberstaatsanwalt Klaus Rövekamp. Die Ermittlungen liefen auf Hochtouren. Die Sonderkommission "Epaulette" wurde auf nunmehr 40 Beamte aufgestockt, die Abteilung Organisierte Kriminalität der Staatsanwaltschaft Dresden leitet ab sofort die Ermittlungen.

Tatortarbeit vor Abschluss

Unterdessen steht die Tatortarbeit im historischen Teil des Grünen Gewölbes vor dem Abschluss. "Es ist geplant, die Räume im Laufe des Freitagvormittags freizugeben", sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag. Zuvor berichtete das Onlineportal tag24. In dem Fall fehlt nach wie vor eine heiße Spur. Die Sonderkommission geht nach Angaben des Polizeisprechers inzwischen 342 Hinweisen aus der Bevölkerung nach, darunter in 49 Fällen von Bildern und Videos. "Der entscheidende Hinweis liegt nicht auf dem Tisch", sagte der Sprecher.

Für die gestohlenen Kunstwerke aus Brillanten und Diamanten gibt es aus Expertensicht wenig Hoffnung. Die Chance, dass sie auf dem Kunstmarkt auftauchen und das Museum sie unversehrt zurückbekommt, sind nach Einschätzung des Kunstdiebstahl-Experten Willi Korte eher gering. "Meine große Befürchtung ist, dass die Steine herausgebrochen und individuell verkauft werden", sagte er der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag. "Diamanten haben schon immer als Zahlungsmittel gegolten." Sie würden meist in Südamerika, Osteuropa oder Asien weitergereicht.

Experte hält Beute für verkäuflich

Korte hält auch die Beute aus dem Grünen Gewölbe für verkäuflich, im Unterschied zu den Museumsleuten. "Selbst wenn sie nur einen Bruchteil ihres realen Marktwerts erbringen von zehn bis 20 Prozent, rentiert sich das gemessen am Aufwand immer noch", sagte er. "Von der Investition her hielt sich das in Grenzen." Der Einbruch, bei dem am Montagmorgen rund zwei Dutzend wertvolle Schmuckstücke aus dem barocken Schatzkammermuseum im Residenzschloss gestohlen wurden, sei das Werk von Profis.

Selbst im Grünen Gewölbe war es zu leicht, sagte Korte mit Verweis auf Gitter, die durchgesägt werden können, Fenster, die sich öffnen lassen, Videoaufzeichnungen ohne Beleuchtung und Wachpersonal, das trotz Bewaffnung nicht sofort eingreift. "Im Zweifelsfall ist ein hochpreisiger Juwelier besser gesichert." Und bei diesen Händlern in den großen Städten seien die Schaufenster in der Nacht leer und die Auslagen weggeschlossen.

Kunstdiebstahl nimmt zu

Laut Korte hat Kunstdiebstahl in Europa erheblich zugenommen. "Das hat wohl etwas mit den exorbitanten Preisen zu tun, die Kunstwerke auf dem Markt erbringen", sagte er. Es sei immer noch eine lukrative Art des Verbrechens, da der Aufwand in der Regel relativ gering ist. "Die größte Herausforderung ist, die Beute abzusetzen." Korte befürchtet, dass es schon vorher Pläne für den Absatz der Dresdner Schmuckstücke gab. "Juwelen lassen sich gut zu Geld machen." Selbst wenn die großen Steine identifizierbar sind, bei der Menge der Beute bleibe auch bei erheblichem Abschlag immer noch etwas übrig. "Auch Einkaräter haben ihren Marktpreis." (APA, 28.11.2019)