Black Friday ist in den USA entstanden.

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In den USA ist der große Ansturm auf die Kaufhäuser am sogenannten Black Friday ausgeblieben. Denn die Schnäppchenjagd verlagert sich zunehmend ins Internet. Außerdem haben viele Verbraucher mit ihren Weihnachtseinkäufen schon früher begonnen. Das zeigten am Freitag Stichprobenbesuche in Geschäften im ganzen Land.

Zwar belebten sich die Geschäfte im Tagesverlauf nach schleppendem Start allmählich. Aber das früher übliche Gedränge von Kundenmassen im Kaufrausch war nirgendwo zu beobachten. "Wir haben mehr Schnäppchen in den Filialen. Daher kommen die Leute eher dorthin als im Internet zu suchen", sagte Mariah Berry, Lehrlingsausbilderin bei der Modekette Chicago Uniqlo. "Das einzige Problem heute ist: Wir haben nicht erwartet, wie lahm das Geschäft laufen würde."

Thanksgiving

Die heiße Phase des Weihnachtsgeschäfts wird in der weltgrößten Volkswirtschaft traditionell am Freitag nach dem Erntedank-Feiertag (Thanksgiving) eingeläutet. In diesem Jahr fiel der Black Friday auf ein späteres Datum als im vergangenen Jahr. Das hat zur Folge, dass es diesmal sechs Einkaufstage weniger bis Weihnachten gibt.

Daher wurden viele Besorgungen vorgezogen. Mehr als die Hälfte der Konsumenten hat damit bereits in der ersten Novemberwoche begonnen, wie eine Umfrage des Branchenverbandes NRF ergab. "Viele Händler haben ihre Werbeaktionen gestartet, sobald Halloween vorbei war", sagte Expertin Lauren Bitar von der Analysefirma RetailNext.

Hinzu kommt der Siegeszug des Online-Handels. Branchengrößen wie Walmart, Target, Costco und Best Buy haben ihre Internetpräsenz und ihr Liefergeschäft ausgebaut. Nach Schätzung der Firma Adobe Analytics, die Einkäufe bei 80 der führenden 100 US-Internethändler erfasst, schossen die Erlöse am Black Friday um 20,5 Prozent auf 7,5 Milliarden Dollar (6,8 Mrd. Euro) in die Höhe. Tags zuvor an Thanksgiving gab es ein Plus im US-Internetgeschäft von 17 Prozent auf 4,1 Milliarden Dollar, wie Berechnungen des Softwarekonzerns Salesforce ergaben.

Schnäppchenjagd

Folgen des Zollstreits der USA mit China waren in den Kaufhäusern zunächst nicht erkennbar. Viele Händler verzichteten darauf, eventuelle höhere Kosten an die Verbraucher weiterzureichen. "Es gab auf jeden Fall Sorgen um die Preise wegen der Nachrichten zum Handelskrieg, aber ich habe bisher keine Auswirkungen festgestellt", sagte der 28-jährige Jay Smith, der bei Macy's in Pentagon City (US-Staat Virginia) auf der Suche nach Kleidung und Spielzeug unterwegs war. Manche Kunden scheuen keine Mühen auf der Schnäppchenjagd. "Ich werde ins Einkaufszentrum gehen, mir die Preise anschauen und dann nach Hause gehen und prüfen, was es online kostet", sagte der 76-jährige Dick Doyle, der sich in Virginia in einem Geschäft der Sportartikelkette Modell's Sporting Goods befand. (APA/Reuters, 30.11.2019)