Nach Protesten für Netanjahu am Dienstag folgten am Samstag Proteste gegen Netanjahu.

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Tel Aviv/Jerusalem/Ramallah – Mehrere Tausend Israelis haben wegen einer Korruptionsanklage gegen den rechtskonservativen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu demonstriert. Die Kundgebung in Tel Aviv am Samstagabend stand unter dem Motto "Tritt zurück. Israel ist wichtiger" und war von der Bewegung für Qualitätsregierung organisiert worden.

Laut der Nachrichtenseite ynet kamen rund 5.000 Teilnehmer. Auf Schildern stand demnach unter anderem "Starke Demokratie, starkes Israel".

Historische Anklage

Das Justizministerium hatte vergangene Woche mitgeteilt, der 70-jährige Netanjahu solle wegen Betrugs und Untreue sowie Bestechlichkeit angeklagt werden. Es ist das erste Mal in der Geschichte Israels, dass ein amtierender Ministerpräsident angeklagt wird. Netanjahu sprach von einem Putschversuch und kritisierte Israels Justiz aufs Schärfste.

Oppositionspolitiker warfen dem Regierungschef vor, er treibe das Land in einen Bruderkrieg. Am Dienstagabend hatten mehrere Tausend Israelis bei einer Demonstration ihre Solidarität mit Netanjahu bekundet.

Die Anklage in drei Fällen kommt inmitten einer schweren politischen Krise in Israel. Schon zweimal wurde in diesem Jahr ein neues Parlament gewählt, es gelang jedoch wegen einer Pattsituation zwischen dem rechts-religiösen Lager und dem Mitte-Links-Lager keine Regierungsbildung. Eine letzte Frist, innerhalb derer eine dritte Neuwahl binnen eines Jahres noch abgewendet werden könnte, endet in rund eineinhalb Wochen.

Vorfall im Westjordanland

Im besetzten Westjordanland kam es unterdessen zu einem Vorfall mit tödlichem Ende. Israelische Soldaten haben laut Armee auf drei Palästinenser gefeuert, die Brandflaschen auf ein israelisches Auto geworfen haben. Ein Palästinenser sei bei dem Vorfall am Samstag in der Nähe von Hebron getötet worden, teilte das Gesundheitsministerium in Ramallah unter Berufung auf das israelische Verbindungsbüro mit.

Der palästinensische Rettungsdienst wurde nach eigenen Angaben von der Armee daran gehindert, sich dem Einsatzort zu nähern. Die Armee nahm eigenen Angaben zufolge die beiden anderen Palästinenser fest. (APA/dpa, 30.11.2019)