Mikaela Shiffrin hat schon in allen Disziplinen Siege eingefahren, der Slalom aber ist ihr Lieblingsfach. Bei den vergangenen vier Weltmeisterschaften holte sie jeweils Gold. Insgesamt hat sie bereits 42 Siege – zwei mehr als Ingemar Stenmark – im Stangenwald erzielt.

Foto: AP/Charles Krupa

Cheese!

Foto: APA/AFP/GETTY IMAGES/TOM PENNING

Sei es offenen Auges oder nicht: Ingemar Stenmark, der 86 Erfolge feierte, und Lindsey Vonn (82 Siege) harren der Shiffrin-Aufholjagd.

Foto: AP/ Jean-Christophe Bott

Killington (Vermont) – Mikaela Shiffrin hat ein sonniges Gemüt, selten wirkt sie genervt. In einer Videobotschaft auf Twitter gibt die US-Amerikanerin nach ihrem in Killington fixierten 62. Weltcupsieg, mit dem sie Annemarie Moser-Pröll einholte, allerdings zu verstehen, dass sie genug von den immer wiederkehrenden Fragen zu einem Thema hat. "Wenn mich jemand zum Rekordebrechen befragt", titelt sie ihren Eintrag und gibt mit aufgesetzten Kopfhörern und hochgezogenen Augenbrauen unmissverständlich zu verstehen, nicht hören zu wollen, was da gefragt wird.

Hirscher, Vonn, Stenmark

Doch das Thema wird das Nervenkostüm der 24-jährigen Ausnahmeathletin noch länger strapazieren, hat sie nach Abschütteln von Österreichs erfolgreichster Skifahrerin nun den erfolgreichsten vor sich: Marcel Hirscher mit 67 Siegen. Dann nimmt sie Kurs auf ihre Landsfrau Lindsey Vonn (82), bevor nur noch einer vor ihr liegt: Schwedens Rekordler Ingemar Stenmark (86).

Shiffrin gibt sich Mühe, trotz ihrer Erfolge nicht abzuheben, sie will ihre herausragenden Leistungen nüchtern betrachtet sehen. Ihre Rekorde will sie "als ein Symbol" für ihre Karriere, ihre Arbeit und die des gesamten Teams verstanden wissen, es geht ihr darum, "jeden Tag das Beste zu geben". Sie wird nicht müde zu betonen, dass Vergleiche mit Stenmark, Vonn und Moser-Pröll nicht wirklich angebracht seien. Einmal geschaffte Rekorde sollen Bestand haben und nicht in Vergessenheit geraten. "Sie alle waren meine Inspiration, und ich habe nie geglaubt, jemals in solche Sphären zu kommen", sagt Shiffrin, die ihrem schwedischen Idol huldigte, indem sie das nach ihrem vierten Slalomsieg in Levi erhaltene Rentier Ingemar taufte.

Demonstration in Killington

Wozu sie fähig ist, hat sie am Sonntag in Vermont an der US-Ostküste wieder einmal eindrucksvoll demonstriert, als sie bei äußerst anspruchsvollen Verhältnissen mit scheinbarer Leichtigkeit 2,29 Sekunden Vorsprung auf die zweitplatzierte Slowakin Petra Vlhova oder etwa 3,73 auf die sechstgereihte Katharina Liensberger herausfuhr. Das Gros der besten Slalomathletinnen versuchte hingegen meist vergeblich, mit den messerscharfen Kanten ausreichend Halt im steilen Eis zu finden, und hatte Mühe, überhaupt im Kurs zu bleiben. Die schwer Geschlagenen könnten es durchaus als Affront werten, dass Shiffrin hernach sagen sollte, dass die Bedingungen für sie perfekt gewesen sind – auch wenn sie derart ans Limit gegangen sei, dass sie dachte rauszufliegen. Für den Betrachter absolvierte sie – spurtreu wie ein Schienenfahrzeug – ein nahezu perfektes Rennen. Im Slalom feierte sie ihren schon 42. Erfolg, da ist der große Ingemar (40) schon eine Zeitlang die Nummer zwei.

FIS Alpine

Luft nach oben

Einer, der Shiffrins Fähigkeiten früh erkannte, ist Kilian Albrecht. Der Manager und Ex-Skifahrer aus Vorarlberg betreut Shiffrin seit ihrem Teenager-Alter. Planbar sei eine derart erfolgreiche Karriere nicht, vieles müsse zusammenpassen. "Sie arbeitet hart, trainiert viel und ist sehr, sehr professionell", sagt Albrecht. Er weiß, dass Shiffrin auf gutem Weg zu neuen Rekorden ist. Er weiß aber auch, dass ihr Erfolg darauf beruht, sich nicht danach zu orientieren. Bestmarken sind daher nicht das primäre Ziel, es gehe vielmehr um die Verbesserung der Schwünge. Albrechts Diagnose zum Leidwesen der Konkurrenz: "Sie ist noch nicht am Limit."Shiffrin hat vier Podestplatzierungen in den bisherigen vier Rennen geschafft, nun peilt sie Starts bei den Speedrennen nächstes Wochenende in Lake Louise an. Seit einem Jahr ist sie nach ihrem ersten Super-G-Sieg in allen Disziplinen erfolgreich. (Thomas Hirner, 2.12.2019)

Gemischtes Ranking meiste Weltcupsiege Ski alpin Damen und Herren:

1. Ingemar Stenmark (SWE) 86 Siege
2. Lindsey Vonn (USA) 82
3. Marcel Hirscher (AUT) 67
4. Mikaela Shiffrin (USA) 62 *
4. Annemarie Moser-Pröll (AUT) 62
6. Vreni Schneider (SUI) 55
7. Hermann Maier (AUT) 54
8. Alberto Tomba (ITA) 50
9. Renate Götschl (AUT) 46
10. Marc Girardelli (LUX) 46

Meiste Weltcupsiege im Slalom (Damen und Herren):

1. Mikaela Shiffrin (USA) 42
2. Ingemar Stenmark (SWE) 40
3. Marlies Schild (AUT) 35
4. Alberto Tomba (ITA) 35
5. Vreni Schneider (SUI) 34
6. Marcel Hirscher (AUT) 32
7. Erika Hess (SUI) 21
8. Janica Kostelic (CRO) 20
9. Anja Pärson (SWE) 18
10. Marc Giradelli (LIE) 16