Am Amazon-Standort in Robbinsville, New Jersey, herrschte am Cyber Monday Hochbetrieb, während in New York gegen die angeblich schlechten Arbeitsbedingungen für Amazon-Beschäftigte demonstriert wurde.
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Los Angeles – Die Jagd nach Schnäppchen im Internet hat US-Onlinehändlern am sogenannten "Cyber Monday" einen Rekordumsatz beschert. Statt ins Einkaufszentrum zu fahren, gaben Kunden in den USA Schätzungen der Marktforscher von Adobe Analytics zufolge am Montag nach Thanksgiving Online-Bestellungen über 9,2 Milliarden Dollar (8,4 Mrd. Euro) auf.

Das waren rund 17 Prozent mehr als im Vorjahr. Erstmals seien allein 3 Mrd. Dollar für Smartphones ausgegeben worden, prognostizierten die Experten. Die größten Preisabschläge gab es Adobe zufolge auf Fernseher und Computer. Internethändler hätten heuer zudem mit Gratis-Lieferungen und vorgezogenen Werbeaktionen gepunktet.

72 Milliarden im November

Der US-Einzelhandelsverband geht davon, dass rund 69 Millionen Amerikaner das Internet am Montag nach Rabatten durchforstet haben. Auch in den Wochen davor heizten die Händler die Kauflaune bereits mit Werbeangeboten an. Weil die wichtige Einkaufszeit vor Weihnachten in diesem Jahr wegen des späten Thanksgivingtermins etwas kürzer ausfällt, versuchten sie Ware schon im Vorfeld loszuschlagen. Nach Schätzungen der Marktforscher von Adobe, die 80 der 100 größten US-Einzelhändler unter die Lupe nehmen, gaben die Amerikaner im November bei Online-Käufen rund 72 Milliarden Dollar aus.

Dabei profitierten große Firmen mit ihrem breiteren Angebot und Investitionen etwa in Smartphone-Apps stärker als kleinere Anbieter vom Cyber Monday. Marktführer Amazon und Rivalen wie Walmart und Target hatten bereits im Vorfeld beim Lieferservice aufgerüstet. Auch die Abholung von im Internet bestellter Ware in den Läden lief den Beratern von Spieckerman Retail zufolge besser ab. Zu den Kassenschlagern zählte Adobe zufolge Spielzeug rund um den Film "Frozen 2", die "L.O.L surprise dolls"-Plastikpüppchen und Nintendos Spielkonsole Switch.

Demonstration in New York

Doch trotz der Rekordzahlen lief für US-Branchenprimus Amazon nicht alles reibungslos. Vor dem Penthouse von Amazon-Chef Jeff Bezos in der Fifth Avenue in New York zogen am Montag Demonstranten vorbei und protestierten mit Plakaten gegen die Arbeitsbedingungen – auf einem war zu lesen, "Wir sind Menschen, keine Roboter". Eine Amazon-Sprecherin wies die Kritik zurück und sprach von "Fehlinformationen" über Amazon durch Gewerkschaften und von Wettbewerbern finanzierten Gruppen.

Zudem verblassen die Rekordzahlen aus den USA angesichts der in China erzielten Internetverkäufe am wichtigsten Online-Shopping-Tag in der Volksrepublik. Am sogenannten "Singles Day", dem 11. November, hatte allein der chinesische Amazon-Rivale Alibaba 38,4 Milliarden Dollar umgesetzt und damit mehr als viermal so viel wie die gesamten US-Online-Verkäufe am "Cyber Monday".