Die Spatzen pfeifen es schon länger von den Dächern: Der Puffärmel hat sich wieder einmal breitgemacht. Das Comeback des aufgeblasenen Ärmels kommt nicht von ungefähr. Er ist der beste Gefährte in herausfordernden Zeiten. In Österreich müsste er es zum Verkaufsschlager bringen, denn: Der Puffärmel ist ein Meister der süßlich-subtilen Kommunikation. Niemand fährt auf so charmante Art und Weise die Schultern aus. Und niemand ruft so unaufdringlich: Platz da!

Platz da! Aufgeblasene Ärmel in der Winterkollektion von Louis Vuitton
Foto: Louis Vuitton

Damit kann der Puffärmel, der nie so recht ernst genommen worden ist, ohne weiteres zum Kleidungsstück der Stunde erklärt werden. Viel zu lange galt er als aufgebauschter Mädchentraum: Wir erinnern uns an Prinzessin Dianas Hochzeitskleid aus Seidentaft oder an die sommersprossige Anne Shirley, bekannt geworden als "Anne of Green Gables". Sie wurde von ihrem Adoptivvater mit einem puffärmeligen himmelblauen Kleid beschenkt. Seit einiger Zeit führen uns Mode-Influencerinnen vor, dass sich Instagram-Bilder wunderbar mit übergroßen Ärmeln ausfüllen lassen.

1981, großärmeliges Drama in Seidentaft: Elizabeth und David Emanuels Hochzeitskleid für Prinzessin Diana.
Foto: AP Photo
Sullivan Entertainment

Zugegeben: Während Frauen in breitschultrigen Oversize-Sakkos klare Kante zeigen, kommen die Kleider und die Blusen mit den aufgepumpten Ärmeln ziemlich verspielt daher. Doch der Schein trügt: Tatsächlich nimmt der Puffärmel mindestens so viel Raum ein wie das Schulterpolster.

Puffärmel bei & Other Stories
Foto: & Other Stories

Diese Qualität gilt es sich vor Augen zu führen – und dann gleich mit dem Vorurteil aufzuräumen, dass der Puffärmel nicht mehr als ein aufgeblasenes Stück Stoff ist. (feld, 5.12.2019)