Die Nachricht passt einfach zu gut in die segens- und müll reiche Weihnachtszeit, um sie nicht auch noch in einem Einserkastl zu verkünden: Die Ausmistexpertin Marie Kondo – das ist die, die weltweit ihre Jüngerinnen und Jünger dazu bringt, ihr Hab und Gut wegzuwerfen und Glücksgefühle dabei zu entwickeln – hat nun einen Internetshop. Dort kann man um teures Geld gleichermaßen ästhetisch anspruchsvolles wie nutzloses Zeug erstehen. Das Ziel des von Frau Kondo weltweit profitabel propagierten Aufräumens sei es ja – so heißt es auf der Homepage des Unternehmens – Platz für "sinnstiftende Objekte" zu schaffen, "die Freude bringen".

Ausmistexpertin Marie Kondo.
Foto: AP Photo/Seth Wenig

Und wenn man später noch einmal Freude haben will, haut man die sinnstiftenden Objekte eben wieder weg, worauf man sich, um erneut Glück zu evozieren, neues Klumpert kauft etc. Das steht allerdings so nicht auf der Homepage.

Aber angesichts des hiesigen saisonalen Einkaufsdeliriums sollte man sowieso vor der eigenen Tür kehren, nicht vor der einer japanischen Ausmisterin. Unser Jesu-Geburt-Müllfestival läuft langsam, aber sicher aus dem Ruder. Unter einem Adventkalenderberg in einem der Konsumtempel lebendig begraben zu werden wird früher oder später zur gängigen Todesart im Dezember werden. Und so zu sterben ist noch bitterer, wenn der fatale Adventkalender, wie heutzutage üblich, mit Wellnesstees und Ballaststoffkeksen bestückt ist. (Gudrun Harrer, 3.12.2019)