Blackrock ist der weltgrößte Vermögensverwalter. Grüne und nachhaltige Aktivitäten spiegeln sich im Verhalten des Investors aber noch zu wenig wider, kritisieren Umweltorganisationen.

Foto: Reuters / Lucas Jackson

Der Druck auf die Finanzindustrie wächst, damit diese einen spürbaren Beitrag zur Klimarettung leistet. Die Branche selbst setzt dafür vor allem auf nachhaltige Produkte, bei denen Investitionen in bestimmte Themen – etwa die Ölindustrie oder ethische Themen wie Kinderarbeit oder Waffenherstellung – ausgeschlossen werden.

Dennoch fließt viel Geld der Finanzindustrie in CO2-intensive Branchen. Das zeigt eine Analyse der Londoner Initiative Influencemap. Der zufolge nutzen die 15 weltgrößten Vermögensverwalter ihre immense Marktmacht bisher kaum für klimafreundliche Investitionen – allem Druck von Umweltinitiativen oder Bewegungen wie Fridays for Future zum Trotz. Eine Mehrheit der Finanzunternehmen legt nach wie vor Milliardensummen in der Öl-, Gas- oder Autoindustrie an. Insgesamt verfügen die 15 analysierten Unternehmen über Kapitalanlagen in der Höhe von 37 Billionen US-Dollar (33,64 Billionen Euro), was etwa einem Fünftel des globalen Kapitalmarkts entspricht.

Druck auf Branche wächst

Zu den wenigen in dem Bericht positiv hervorgehobenen Ausnahmen zählt der Münchner Allianz-Konzern, zusammen mit der Schweizer Bank UBS und der britischen Legal & General. Diese drei Unternehmen nehmen demnach engagiert Einfluss auf ihre Kunden, damit diese ihre Geschäftsmodelle an die Pariser Klimaziele zur Begrenzung der Erderwärmung anpassen. Auch für diese drei gilt aber laut Influencemap, dass sie – gemessen an den Pariser Zielen – überproportional in vier CO2-trächtigen Branchen investiert sind: Öl- und Gasförderung, Kohlebergwerke, Autohersteller und Kraftwerke.

Kurz nach der Veröffentlichung des Berichts gab der französische Versicherungskonzern Axa bekannt, dass er bis 2030 in Europa und bis 2040 weltweit aus jeglichen Geschäften mit der Kohlebranche aussteigen will. Darüber hinaus erklärten Axa und drei weitere große Finanzunternehmen ihren Beitritt zur Net Zero Asset Owner Alliance, einem von der Allianz initiierten Zusammenschluss großer internationaler Investoren unter dem Dach der Vereinten Nationen. Die derzeit sechzehn Net-Zero-Unternehmen streben bis 2050 klimaneutrale Portfolios an, nach Angaben der Allianz geht es dabei um eine Gesamtsumme von 3,9 Billionen Dollar.

Umweltschützer, NGOs und Klimaaktivisten setzen die Finanzbranche seit Jahren unter Druck, ihre Investmentstrategie zu ändern und aus Branchen mit hohem CO2-Ausstoß auszusteigen. Dazu gehört auch die deutsche NGO Urgewald. Sie erstellt mit 30 Partner-NGOs seit 2017 die "Global Coal Exit List". Die Daten für 2019 zeigen, dass 400 der 746 Unternehmen auf der Liste noch immer planen, ihre klimaschädlichen Kohleaktivitäten auszuweiten. "Es ist höchste Zeit, der Industrie das Geld dafür zu entziehen, sagt Heffa Schücking, Geschäftsführerin von Urgewald.

Noch mehr Kohlekraftwerke

Während die globale Kohlekraftwerkspipeline laut Urgewald in den vergangenen drei Jahren um mehr als 50 Prozent geschrumpft ist, sind immer noch in 60 Ländern der Welt neue Kohlekraftwerke geplant oder im Bau. Wenn sie alle fertiggestellt werden, würden die Projekte die globale Kohlekraftwerksflotte um mehr als 579 GW erhöhen, was einem Anstieg von fast 29 Prozent entspricht, rechnet die deutsche NGO vor.

Ein Problem ist, dass mehr als die Hälfte der am Bau beteiligten Unternehmen nicht ursprünglich aus diesem Geschäftsfeld stammen und daher von vielen Kohleausschlussregeln der Finanzinstitutionen nicht erfasst werden. Ein Beispiel ist der Hongkonger Textilproduzent Texhong, der den Bau eines 2100-MW-Kohlekraftwerks in Vietnam plant.

Die Zahl der Versicherer hingegen, die die Absicherung von Kohle eingeschränkt haben, hat sich seit Beginn dieses Jahres verdoppelt. Inzwischen haben 17 der weltgrößten Versicherer Kohlegeschäfte reduziert. Sie kontrollieren rund 46 Prozent des Rückversichungs- und knapp zehn Prozent des Direktversicherungsmarktes. Das zeigt die dritte Klimaanalyse zur Versicherungsindustrie des globalen NGO-Netzwerks Unfriend Coal.

Der Druck auf die Finanzindustrie in Europa wächst aber zusehends. Die EU-Kommission arbeitet am "Green Deal", mit dem Banken und Kapitalgesellschaften stärker in die Pflicht genommen werden sollen. Erste Details dazu werden kommendes Jahr erwartet.

Weit weniger aktiv in Sachen Klimaschutz sind laut Influencemap mächtige US-Unternehmen wie Blackrock oder die Investmentbank Goldman Sachs. Blackrock ist mit sechs Billionen Dollar Kapitalanlagen immerhin größter Vermögensverwalter der Welt. (Bettina Pfluger, 7.12.2019)