Die Deutsche Telekom sieht es gar nicht gerne, wenn andere Unternehmen einen Magenta-artigen Farbton verwenden.

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Viele Firmen sind nicht zimperlich, wenn es um die Verteidigung ihrer Markennamen geht. Immer wieder werden Fälle bekannt, in denen die Anwälte von Unternehmen ausgerückt sind, um behauptete und mitunter schwer nachvollziehbare Markenrechtsverletzungen anzumahnen. So ging Apple etwa schon gegen das ehemalige Bonner Café Apfelkind vor, biss sich an diesem aber die Zähne aus. Und auch am Logo eines deutschen Fahrradwanderwegs, der "Apfel-Route" in Nordrhein-Westfalen, störte sich der Konzern.

Vielfach unbemerkt ist hingegen das Vorgehen der Deutschen Telekom, des Mutterkonzerns von T-Mobile bzw. Magenta. Den gleichnamigen Farbton, konkret RAL 4010, konnte man schon 1995 patentieren. Seitdem wird man immer wieder bei Unternehmen vorstellig, die ähnliche Farbtöne verwenden.

Der in Pink gehaltene Zusatz "Mobile" sorgte für Ärger bei "Engadget".
Foto: Engadget

T-Mobile drohte Techlog

Das erste bekanntere Verfahren der letzten Jahre war jenes von T-Mobile gegen den Techblog "Engadget". Ende März 2008 forderte man eine Farbänderung für den Zusatzbegriff "Mobile", den die Seite damals bei ihrem eigenständigen Blog für Mobilgeräte verwendete. Zuerst reagierte "Engadget" am 1. April damit, alle seine Seiten in Magenta einzufärben und das "t" in seinem Namen im "Telekom-Stil" zu gestalten. Nach diesem "Aprilscherz" allerdings kehrte man zum ursprünglichen Design zurück und änderte auch den Farbton im Logo des Mobile Blogs.

Im selben Jahr wurde man auch beim niederländischen Verrechnungssoftware-Hersteller Compello wegen pinker Streifen im Logo vorstellig. Dort hielt man das Farbpatent zuerst für einen schlechten Scherz, musste aber schließlich mehr als 150.000 Euro investieren, um die Firmenfarben zu ändern. Der Fall wurde damals sogar von der "New York Times" aufgegriffen. Auch gegen den Netzbetreiber Telia zog man 2008 zu Felde – allerdings erfolglos.

Dem US-Konkurrenten Aio Wireless ließ man die dunkelpinke Grundierung verbieten.
Foto: Aio Wireless

Anderer Mobilfunker musste Farbe ändern

Im Jahr 2013 machte Aio Wireless, ein US-Mobilfunker und eine Tochter von AT&T, Bekanntschaft mit der Rechtsabteilung der Deutschen Telekom. Man störte sich am Logo des Unternehmens, das "von allen Farben im Universum ausgerechnet Magenta" gewählt hatte. AT&T warf man vor, Aio als direkten Angriff auf T-Mobile ins Leben gerufen zu haben.

Die Beschuldigten wehrten sich. Es handle sich nicht um den gleichen Farbton, erklärte man gegenüber "The Verge". "T-Mobile sollte einen Kunstkurs besuchen." Das half allerdings nicht. Ein Jahr später gab ein Bundesgericht den Klägern recht, und Aio wurde verboten, den bisherigen Farbton Pantone 676C ("Zwetschke") zu nutzen.

Der Smartwatchhersteller Oxy fürchtete einen teuren Prozess und gab klein bei.
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Böser Brief an Smartwatch-Hersteller

2015 erhielt der ehemalige Smartwatchhersteller Oxy böse Post von den Telekom-Anwälten. Dieser hatte sein Logo, eine dunkelgraue "Oxy"-Aufschrift auf pinkem Hintergrund, in Großbritannien zwecks Markenschutzes angemeldet, woran sich die Rechtsvertreter stießen. Bei Oxy herrschte Unverständnis, zumal der Farbton des Hintergrundes nicht ident mit jenem des Telekom-"T" war und man zudem nicht einmal in der gleichen Branche tätig war.

Oxy entschied sich schließlich dazu, den eigenen Markenauftritt zu ändern, um auf der sicheren Seite zu sein. Denn man hätte nicht die Ressourcen gehabt, sich auf einen Rechtsstreit mit der Deutschen Telekom einzulassen. Über 25.000 Bilddateien und andere Elemente mussten dafür bearbeitet werden.

Datajar wehrte sich erfolgreich und konnte sein Logo behalten.
Foto: Datajar

Kein Erfolg gegen britische Softwarefirma

Im vergangenen Jahr sorgte der Kommunikationskonzern dann für Verwunderung beim britischen Unternehmen Datajar, der Verwaltungslösungen für Apple-Geräte in Unternehmen anbietet. Das "Jar" im Schriftzug der Firma verstoße gegen das Telekom-Patent, so der Vorwurf der Telekom. Auch hier waren die Empfänger im negativen Sinne verblüfft. "Wir verkaufen keine Hardware, wir sind kein Telekomkonzern. Nur weil wir in der IT sind, wollen sie, dass wir die Farbe nicht mehr verwenden", gab man sich im Gespräch mit "The Register" erstaunt.

Auch hier wurde die Farbe nicht kopiert, sondern ein etwas anderer Farbton verwendet. In diesem Fall kam die Telekom mit ihrem Ansinnen daher auch nicht durch, und Datajar konnte sein Logo behalten.

In Europa verwendet Lemonade derzeit nicht diesen Farbton, will aber das "Magenta"-Patent der Deutschen Telekom zu Fall bringen.
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Insurtech-Start-up will Farbpatent zu Fall bringen

Das jüngste "Opfer" der Deutschen Telekom ist das Versicherungs-Tech-Start-up Lemonade, das seine Dienste nach Deutschland ausweitet. Das Logo besteht aus einem geschwungenen "L" auf rosa Hintergrund, was prompt für Post des "T"-Konzerns sorgte. Der bekam vor Gericht auch recht, weswegen die Firma ihren Markenauftritt in Europa auf einen "klassischen" Rot-Ton umbaute.

Ausgestanden ist die Angelegenheit allerdings noch nicht. Lemonade hat sich an das deutsche und europäische Patentamt gewandt und fordert eine Rücknahme des Telekom-Patents auf den Magenta-Farbton. Dies begründet man unter anderem damit, dass es sich dabei um einen Grundton handelsüblicher Druckerpatronen handle. Die Klärung des Falles dürfte noch Monate dauern.

"Pink-out": Browsererweiterung als Protestmaßnahme

Im Netz regt sich Widerstand gegen das Vorgehen der Deutschen Telekom. Ein Nutzer, der unter dem Namen Itamar Kestenbaum firmiert, hat eine Erweiterung für den Chrome-Browser namens "Pink-out" entwickelt. Sie verspricht "Schutz vor Patenttrollen", in dem sie bei Aktivierung das Telekom-Magenta und sehr ähnliche Farbtöne durch Grautönen ersetzt. Sie kann kostenfrei im Chrome Web Store heruntergeladen werden. (gpi, 5.12.2019)