Carolina Schmidt will eine der Stimmen von COP-25 sein.

Foto: AP Photo/Manu Fernandez

Dass für sie der Kampf gegen den Klimawandel mehr ist als trockene Theorie, hat Carolina Schmidt im heurigen Frühjahr unter Beweis gestellt. Um ihre Botschaft – das Wasser wird in Zukunft knapp – an den Mann zu bringen, stellte sich Chiles Umweltministerin höchstselbst vor laufender Kamera unter die Dusche. Drei Minuten, erklärt die studierte Marketing expertin in dem Youtube-Hit, müssen in Sachen Körperreinigung nämlich reichen – der Umwelt zuliebe.

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Nun betritt die 52 -Jährige ein weit größeres und mindestens ebenso rutschiges Parkett. Obwohl der Gipfel nach den Unruhen in ihrer Heimatstadt Santiago de Chile kurzerhand in die spanische Hauptstadt Madrid verlegt wurde, wird die Chilenin als Vor sitzende der Weltklimakonferenz COP 25 vor zehntausenden Delegierten einen effektiveren Schutz der Erdatmosphäre fordern. Ohne spürbare Einschnitte auch im Privatleben, davon ist Schmidt nicht erst seit ihrem Duschvideo überzeugt, sei das Klima nicht zu retten.

Dass die strenggläubige Katholikin keine Scheu kennt, für ihre Überzeugungen bisweilen auch manch einen vor den Kopf zu stoßen, belegt ein Blick auf ihr politisches Portfolio.

Konservative Kämpferin

So etwa 2010, als die frischgebackene Frauen-Staatssekretärin mit dem Appell an Chiles Jugend aufhorchen ließ, auf Sex vor der Ehe tunlichst zu verzichten. Zugleich machte sich die Mutter zweier Töchter und eines Sohns als streit bare Kämpferin gegen Gewalt an Frauen einen Namen und setzte dem herrschenden Machismo zum Trotz die gemeinsame Obsorge geschiedener Eltern für ihre Kinder durch.

Ihrem Mentor, dem umstrittenen konservativen Präsidenten Se bastián Piñera, ist die parteilose Ministerin bis heute verbunden, erst holte dieser sie nach seiner Wiederwahl 2018 ins Kabinett zurück, jüngst überstand sie auch die Regierungsumbildung, mit der Piñera den sozialen Unmut im Land zu beschwichtigen versuchte.

Schmidt, die einer Santiagoer Oberschichtsfamilie mit deutschen Wurzeln entstammt, besitzt aber auch außerhalb der politischen Sphäre einen gehörigen Zug zum Tor: Zwischen ihren beiden Amtszeiten betätigte sie sich bei einem konservativen Zeitungsverlag, arbeitete für Modeunternehmen und führte die Geschäfte eines Theaters. 2015 schließlich legte sie mit ihrer Familie ein Sabbatical-Jahr in Barcelona ein. Nun kehrt sie nach Spanien zurück. (Florian Niederndorfer, 5.12.2019)