Durch eine weitere Verknappung der Ölförderung will man sich gegen einen Preisverfall wappnen.

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Wien – Bei der Opec und befreundeten Produzentenländern wie Russland, Kasachstan oder Mexiko (Opec+) geht die Angst um, die Ölpreise könnten wegen der prognostizierten schwächeren Ölnachfrage kommendes Jahr in den Keller rasseln. Dem wollen sie bei ihrer noch bis Freitag dauernden Konferenz in Wien einen Riegel vorschieben – durch eine weitere Verknappung der Ölförderung.

Im Gespräch war nicht nur eine Fortschreibung der vor einem Jahr vereinbarten Produktionskürzung um 1,2 Millionen Fass am Tag (je 159 Liter), die zu zwei Dritteln von den 14 Opec-Mitgliedern und zu einem Drittel von zehn weiteren Produzentenländern geschultert werden. Noch vor Sitzungsbeginn am Donnerstag wurde eine zusätzliche Kürzung um mindestens 400.000 Fass am Tag ins Spiel gebracht, darunter vom Irak, einem Gründungsmitglied der Opec.

Mehr Öl gefördert, als zugesichert

Es war aber gerade der Irak, der in den vergangenen Monaten deutlich mehr Öl produziert hat als vereinbart. Auch Nigeria gehörte zu den Ländern im Ölkartell, die sich nicht an vereinbarte Vorgaben gehalten haben. Dafür hat sich Saudi-Arabien kräftiger zurückgenommen. Von den verbündeten Ländern hat vor allem Russland mehr Öl aus dem Boden geholt als zugesichert, was die Ölpreise zuletzt ebenfalls unter Druck brachte. Nun wird allenthalben wieder Förderdisziplin eingemahnt.

2020 könnten steigende Produktionszahlen in den USA, die mithilfe der umstrittenen Fracking-Technologie erst vor kurzem zum weltgrößten Ölproduzenten aufgestiegen sind, sowie in anderen Nicht-Opec-Ländern wie Brasilien und Norwegen die Ölschwemme noch verstärken.

Kommt hinzu, dass die Ölnachfrage wegen des Konjunkturrückgangs in weiten Teilen der Welt und einer noch immer möglichen Eskalation im Handelskonflikt zwischen den USA und China voraussichtlich stärker zurückgeht. Nach einer Schätzung der Internationalen Energieagentur in Paris fördert die Opec derzeit um rund 1,7 Millionen Fass am Tag mehr, als in der ersten Hälfte 2020 tatsächlich benötigt wird.

Förderkürzung läuft aus

Die mit der Zehnergruppe außerhalb der Opec vor einem Jahr vereinbarte und einmal verlängerte Förderkürzung läuft mit März aus. Gerungen wurde am Donnerstag nicht nur um die Menge an Öl, die zur Stützung der Preise aus dem Markt genommen werden soll, sondern auch darum, wie lange. Marktbeobachter erwarteten, dass die Opec+ eine Vereinbarung bis Ende 2020 treffen wird. Alles andere wäre enttäuschend, hieß es.

Die Aktionen der Opec haben bei US-Präsident Donald Trump immer wieder für Ärger gesorgt. Er forderte wiederholt, dass Saudi-Arabien, das den Ton in der Opec angibt, den Ölpreis senkt, wenn es will, dass Washington Riad militärische Unterstützung gegen den Erzrivalen Iran leistet, der ebenfalls ein Opec-Gründungsmitglied ist. Pikanterie am Rande: Mit Aramco steht kommende Woche der weltgrößte Ölkonzern und das wichtigste Unternehmen Saudi-Arabiens vor einem Börsengang. Ein höherer Ölpreis wäre da wohl zweckdienlich. (stro, 6.12.2019)