Die Kinder zu erziehen, aber auch den Haushalt zu schupfen: Das sind echte Herausforderungen, sagt unsere Gesprächspartnerin.

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"Außer abfälligen Bemerkungen bekommt man nichts, wenn man zu Hause bei den Kindern ist. Die Leute sagen: Was ist das nicht für ein Luxus! Willst du dich nicht selbst verwirklichen? Oder: Was machst du denn den ganzen Tag zu Hause? Das finde ich wirklich schade.

Über die Generationen hat sich das sehr stark verändert. Meine Großmutter war ebenfalls Hausfrau, sie wurde aber nie komisch angeschaut. Meine Mutter wiederum ist relativ früh nach meiner Geburt arbeiten gegangen, also das andere Extrem. Ich war dann eben bei meiner Großmutter, das war kein Problem.

Wir haben leider keine Großeltern, die auf unsere Kinder aufpassen könnten. Meine Mutter ist gestorben, als meine Tochter fünf Monate alt war, mein Vater ist vor Jahren weggezogen. Die Eltern meines Mannes wohnen in Kärnten, circa vier Autostunden von uns entfernt. Manchmal passt zwar eine Nachbarin für ein oder zwei Stunden auf, aber das ist nichts Regelmäßiges. Einen Babysitter habe ich schon einige Male gesucht, aber das Angebot war alles andere als gut. Auf eine bezahlte Anzeige haben sich 15 Personen gemeldet – davon sind zwei erst gar nicht gekommen und der Rest konnte kein Deutsch. Auch die Kinderbetreuungsmöglichkeiten in unserem Wohnort, einem Vorort von Wien, sind sehr schlecht. Für kleinere Kinder gibt es kaum etwas, und das, was es gibt, ist sehr teuer.

Für die Kinder viele Vorteile

Es war also gewissermaßen notwendig, dass jemand daheimbleibt. Dass ich diejenige sein werde, war gleich klar. Obwohl mein Mann auch gerne bei den Kindern geblieben wäre, er verdient jedoch deutlich mehr. Er ist in der Pharmabranche, ich habe Medienmanagement studiert und dann drei Jahre gearbeitet, zuerst in einer Presseabteilung, dann in einer Agentur. Als unsere Tochter zur Welt kam, habe ich nach der Karenz gekündigt, um noch länger daheimzubleiben. Das war vor sieben Jahren. Vor drei Jahren kam dann unser Sohn zur Welt.

Der einzige Grund, warum wir uns das leisten können: Ich habe geerbt, als meine Mutter gestorben ist. Wir haben ein Minus von 300 bis 500 Euro pro Monat, das wir durch das Erbe ausgleichen können. Wir bezahlen auch nichts für unsere Wohnung, denn es ist eine Eigentumswohnung, die mir meine Mutter hinterlassen hat.

Für die Kinder hat es, glaube ich, sehr viele Vorteile, dass ich bei ihnen zu Hause bin. Zum Beispiel werden meines Wissens nach normalerweise alltägliche Probleme oder Verhaltensauffälligkeiten erst relativ spät entdeckt. Das ist nicht verwunderlich, wenn das Kind bis 17 Uhr im Hort ist. Bei uns kann das nicht passieren. Ich hole meine Kinder zu Mittag ab, im Auto besprechen wir, wie der Vormittag war.

Eine echte Herausforderung

Ich bin da, sie wissen, dass sie mit jedem Problem zu mir kommen können: Das ist etwas, das ich ihnen gerne geben wollte. Meine Kinder sitzen nicht jeden Tag vor dem Fernseher. Ich bastle und male viel mit ihnen, gehe viel mit ihnen raus. Es gibt sicher auch genug arbeitende Mütter, die das schaffen, aber im Arbeitsalltag fehlt halt oft die Zeit. Ich kenne einige arbeitende Mütter, denen es sehr Leid tut, dass sie nicht mehr Zeit für ihre Familie haben.

Gemein finde ich, dass man als Vollzeitmutter fast überhaupt keine Unterstützung vom Staat bekommt. Ich bekomme etwas mehr als 350 Euro Kinderbeihilfe, das ist alles. Kinderbetreuung wird nicht als Arbeit angesehen. Obwohl sie mindestens genauso anspruchsvoll ist. Kürzlich hat mich etwa mein Sohn in der Nacht gebraucht, weil er wach war, meine Tochter hatte Schnupfen. Ich habe nur zwei Stunden geschlafen. Man könnte sagen, ich habe einen Nachtdienst geschoben.

Die Kinder zu erziehen, aber auch den Haushalt zu schupfen, das sind echte Herausforderungen. Ich finde, dass zumindest ein geringfügiges Gehalt angebracht wäre. Das Argument, dass die Frauen dann alle zu Hause bleiben und nicht mehr arbeiten gehen würden, kann ich nicht nachvollziehen. Da werde ich richtig zornig, wenn ich das höre.

Organisationstalent und eine Heidengeduld

Denn so schön es auch bei meinen Kindern ist, nach den sieben Jahren würde ich wirklich gerne wieder arbeiten, wenn auch nur ein paar Stunden in der Woche. Meine Tochter ist nun in der Schule, nächstes Jahr geht mein Sohn in den Kindergarten. Dann hätte ich Zeit für einen Job. Ich fürchte allerdings, dass die Suche nicht gerade leicht werden wird, weil mir die Arbeitserfahrung fehlt. Statt mir nehmen sie wahrscheinlich lieber einen Jungen, der die gleiche Erfahrung hat und billiger ist.

Schade, denn ich bin überzeugt, dass Frauen, die bei den Kindern sind, die den Haushalt schmeißen, sehr wohl einiges lernen. Sie lernen vielleicht nicht, einen Text zu schreiben – dafür haben sie Organisationstalent, eine Heidengeduld und Nerven aus Stahl. Sie können gut Konflikte lösen. Das sind doch alles Kompetenzen, die auch in der Privatwirtschaft gefragt sind. Außerdem erfordert es auch viel Empathie, sich in die Kinder hineinzuversetzen.

Was noch notwendig wäre: dass die Unternehmen mehr machen, damit Familie und Job besser vereinbar sind. Es bräuchte Kinderzimmer und eine eigene Betreuungsperson, damit die Kinder nicht so früh in die Krippe müssen und die Frauen trotzdem ins Büro können. Es gibt schließlich genügend Jobs, bei denen es nichts ausmachen würde, wenn daneben für drei Stunden ein Kind sitzt und spielt. Auch die Möglichkeiten für Homeoffice müssten ausgebaut werden.

Man erntet böse Blicke

Aber nicht nur Arbeitgeber, überhaupt müsste die Gesellschaft toleranter werden, was Kinder betrifft. Wenn zum Beispiel ein Kind im Bus zu weinen anfängt, erntet man gleich böse Blicke. Ab dem Moment, wo man erzählt, dass man schwanger ist, wissen alle alles besser. Am allerbesten jene, die keine Kinder haben. Warum lässt man Eltern nicht einfach tun, was sie für richtig halten?

Hin und wieder bin ich verzweifelt, weil mir das Arbeiten abgeht. Mein Mann wiederum wäre gerne mehr daheim. Für ihn ist es schon eine Belastung, Alleinverdiener zu sein. Er macht sich Sorgen, wie sich das alles finanziell ausgehen soll. Zum Streitthema zwischen uns wird unsere Aufteilung glücklicherweise nie. Jeder hätte einfach gerne ein bisschen mehr von beidem."(Gesprächsprotokoll: Lisa Breit, 9.12.2019)