Razer-Gründer und CEO Min-Liang Tan soll laut ehemaligen Mitarbeitern bei dem Unternehmen eine "Angstkultur" eingeführt haben.

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14 ehemalige Mitarbeiter erheben schwere Vorwürfe gegen Min-Liang Tan, den CEO von Razer. Gegenüber Kotaku wurden mehrere Fälle geschildert, bei denen der Chef des kalifornischen Konzerns entweder sein Team angeschrien oder mit Gegenständen beworfen haben soll. "Razer wirkt wie ein cooler Arbeitsplatz. Im Grunde kämpft man aber jeden Tag darum, nicht herausgeworfen zu werden", erzählt ein ehemaliger Mitarbeiter. Manche sprechen gar von einer "Diktatur" unter Tan.

24 Stunden erreichbar

Allgemein soll sich bei Razer eine "Angstkultur" entwickelt haben, bei der jeder Mitarbeiter unter ständiger Angst lebte, am nächsten Tag gekündigt zu werden. Um Deadlines einzuhalten, arbeiteten manche die ganze Nacht, um ja nicht Tans Wut abzubekommen. Zudem musste man 24 Stunden lang erreichbar sein. Viele Mitarbeiter blieben trotzdem, da der CEO ihnen im Falle eines Börsengangs große Boni versprach.

"Kann mal laut werden"

Mit den Vorwürfen konfrontiert, ließ Razer ausrichten, dass "ein Großteil der Belegschaft zufrieden und engagiert sei und es unausweichlich ist, dass eine kleine Anzahl eben nicht allzu glücklich mit dem Job ist". Zudem soll sich das US-Unternehmen in den vergangenen Jahren hinsichtlich der HR-Regeln ordentlich weiterentwickelt haben. Tan selbst sagte gegenüber Kotaku, dass ihm die Qualität der Arbeit sehr wichtig sei. "Sollte ein Produkt nicht meinen Standards entsprechen, kann ich auch einmal laut werden".

Drohungen nicht ernst gemeint

Gegenstände auf Mitarbeiter soll der Mann aber keine geworfen haben. "Ich habe Prototypen auf den Boden oder gegen die Wand geworfen, wenn ich nicht damit zufrieden war", klärt Tan auf. Gewaltandrohungen waren außerdem nicht ernst gemeint und von der HR-Abteilung soll er keine Beschwerden gegen ihn vernommen haben. Der CEO erzählt zuletzt, dass sie seit Jahren an internen Verbesserungen inklusive Trainings arbeiten. Feedback der Mitarbeiter würde "sehr positiv" ausfallen.

Zu Überstunden aufgefordert

In dem Bericht ist auch die Rede davon, dass Tan seine Mitarbeiter dazu aufgefordert haben soll, etliche unbezahlte Überstunden zu machen. Gleichzeitig wurde ihnen Boni in Aussicht gestellt, sollten sie länger in der Firma bleiben. 60 bis 100 Stunden pro Woche sollen so zusammengekommen sein. Auch in Urlauben wurden Mitarbeiter kontaktiert, dass sie doch bitte in die Firma kommen sollen. Die Schilderungen der ehemaligen Mitarbeiter werden von Razer ebenso verneint.

Enttäuschender Börsengang für Mitarbeiter

Der Börsengang des Unternehmens im Jahr 2017 soll für viele Mitarbeiter ebenso enttäuschend abgelaufen sein. Viele hatten sich teils jahrelang geplagt, um dann eine nicht gerade überwältigende Zahlung zu erhalten. "Wir haben nicht bekommen, was uns versprochen wurde. Mit dem Geld ging sich ein billiger Gebrauchtwagen aus", schildern zwei ehemalige Mitarbeiter. Tan selbst soll mittlerweile ein Vermögen von 1,6 Milliarden Dollar aufweisen.

Was Razer alles herstellt

Razer zählt zu einem der bekanntesten Hersteller von Spiele-Peripherie. Der US-Konzern aus Kalifornien bietet Mäuse, Tastaturen und Headsets, die teilweise intensiv beworben werden. Razer ist mittlerweile auch ins Smartphone-Geschäft eingestiegen. Das Razer Phone erhielt von Rezensenten viel Lob. Seit kurzem bietet das Unternehmen auch einen Toaster – natürlich mit RGB-Beleuchtung. (red, 6.12.2019)