Zwei US-amerikanische Start-ups bitten nämlich darum, auf der Toilette zu fotografieren.

Foto: AP Fotograf: Jae C. Hong

Fast jeder Zweite nutzt sein Smartphone auf der Toilette. Das ergab eine Umfrage aus dem Jahr 2016. Gesund ist das mit Hinblick auf Krankheitserreger nicht unbedingt, warnen Wissenschafter. Wer trotzdem nicht auf das Smartphone am stillen Ort verzichten will, kann jetzt aber wenigstens etwas für die Wissenschaft tun. Zwei US-amerikanische Start-ups bitten nämlich darum, auf der Toilette zu fotografieren. Und zwar direkt in die Schüssel. Nach dem Stuhlgang. Kein Scherz.

Der Probiotika-Hersteller Seed und die Softwarefirma Auggi wollen eine Datenbank schaffen, die "full of shit" ist, und damit eine künstliche Intelligenz (KI) trainieren. Sie soll menschliche Ausscheidungen analysieren und klassifizieren können.

Auggi benutzt ähnliche Algorithmen für , wie sie auch bei selbstfahrenden Autos eingesetzt werden. "Aber anstatt dem Algorithmus zu zeigen, was ein Auto, ein Haus oder eine Straßenlaterne ist, trainieren wir ihn, verschiedene Arten von Stuhl zu erkennen", sagt David Hachuel, Mitbegründer von Auggi und CEO, dem STANDARD.

Mitmachen kann jeder. Auf der Website muss man nur die E-Mail-Adresse preisgeben und ob man morgens oder abends groß auf die Toilette geht. Das Foto kann man anschließend direkt hochladen, ohne dass es am Handy gespeichert wird und später in der Smartphone-Galerie für Irritationen sorgt.

Irgendwann könne der Algorithmus dann selbst die Konsistenz von Stuhl bewerten und als App etwa Ernährungstipps geben oder Krankheiten erkennen.
Foto: Seed/Auggi

Die Fotos werden komplett anonym verarbeitet, betont Hachuel. Die E-Mail-Adresse verbleibt bei Seed, die Fotos werden ohne Metadaten zu Auggi weitergeleitet.

Dort sitzen mehrere Gastroenterologen, welche die Fotos klassifizieren, vor allem nach dem Bristol Stool Chart, einem Indikator für die Konsistenz des Stuhls. Stufe eins bedeutet Verstopfung, Stufe sieben Durchfall. Die so getaggten Fotos verwendet der Algorithmus anschließend, um Muster in den Fotos zu erkennen.

Irgendwann könne der Algorithmus dann selbst die Konsistenz von Stuhl bewerten und als App etwa Ernährungstipps geben (mehr Ballaststoffe!) oder Krankheiten erkennen. Auch Medizinern, etwa in Krankenhäusern, könnte das KI-Modell Arbeit abnehmen, weshalb es für wissenschaftliche Zwecke frei verwendbar sein wird.

Datenschatz in der Toilette

Seed und Auggi hoffen jedenfalls auf 100.000 Fotos. Bisher hätten bereits Menschen aus 60 Ländern teilgenommen. Für viele Menschen mit chronischen Magen-Darm-Erkrankungen wie Morbus Crohn gehört das tägliche Stuhlfoto bereits zum Alltag, sagt Ara Katz, Mitbegründerin von Seed. "Zuletzt hat uns jemand 7000 Fotos geschickt – eine eigene private Datenbank quasi."

Katz geht es bei der Kampagne #GiveAShit nicht nur darum, das KI-Modell zu entwickeln. Er möchte dazu beitragen, dass sich Menschen mehr mit ihrem Körper beschäftigen. "Wir möchen den Datenschatz, den wir jeden Tag wegspülen, entstigmatisieren." (Philip Pramer, 7.12.2019)