Nach dem Tod der vier mutmaßlichen Täter strömten hunderte Menschen am Tatort zusammen, um die Polizisten zu feiern.

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Neu-Delhi – Nach der brutalen Vergewaltigung und Ermordung einer jungen Tierärztin sind die mutmaßliche Täter bei der Nachstellung des Verbrechens von der Polizei erschossen worden. Beamte hätten in der Nacht auf Freitag mit den Verdächtigen den Tatort begehen wollen. Dabei hätten die Männer plötzlich versucht, die Waffen der Beamten zu ergreifen und zu fliehen, teilte Polizeisprecher Prakash Reddy mit. Bei der anschließenden Schießerei seien sie getötet worden.

Die Familie des Opfers begrüßte den Tod der Männer, Frauenaktivistinnen dagegen kritisierten das Verhalten der Polizei. Der Tod der 27-jährigen Veterinärin hatte landesweit wütende Proteste ausgelöst. Den Ermittlungen zufolge war die junge Frau im November in einem Vorort von Hyderabad von den vier Verdächtigen vergewaltigt, anschließend mit Benzin übergossen und verbrannt worden. Sie hatte kurz zuvor noch ihre Schwester per Handy alarmiert.

Wütende Proteste

Die Tat hatte landesweit wütende Proteste ausgelöst, Demonstranten forderten eine rasche und harte Verurteilung der vier Verdächtigen sowie mehr Rechte für Frauen. Am vergangenen Samstag hielt die Polizei in Hyderabad nur mit Mühe eine aufgebrachte Menge davon ab, die Wache zu stürmen, in der die vier Männer festgehalten wurden.

Nach dem Tod der vier mutmaßlichen Täter riegelte die Polizei das Gelände ab. Hunderte Menschen strömten zusammen, um die Polizisten zu feiern. Einige zündeten zur Feier Feuerwerkskörper an, die Beamten wurden mit Blütenblättern bestreut. Auch aus anderen Landesteilen wurde von Freudenfeiern berichtet. Die Schwester der Ermordeten erklärte ebenfalls, der Tod der Verdächtigen freue sie.

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Polizei in der Kritik

Die Anwältin Vrinda Grover hingegen bezeichnete das Vorgehen der Polizei als "absolut inakzeptabel". Gewalttaten müssten "Aufklärung und Strafverfolgung" nach sich ziehen, sagte Grover, keine "Morde". Menschenrechtsaktivisten werfen Polizei und Behörden immer wieder vor, mit außergerichtlichen Tötungen Gerichtsverfahren zu verhindern – oftmals, um die Aufarbeitung von eigenen Versäumnissen und Fehlverhalten zu verhindern.

Auch im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh steht die Polizei derzeit unter Kritik, weil sie einen mutmaßlichen Vergewaltiger auf Kaution freigelassen hat. Am Donnerstag wurde bekannt, dass der Mann gemeinsam mit einem weiteren Verdächtigen und drei anderen Männern das Vergewaltigungsopfer auf dem Weg zu ihrer Zeugenaussage angegriffen und in Brand gesteckt hatte. Der andere mutmaßliche Vergewaltiger sei vor dem Brandangriff auf der Flucht gewesen. Die fünf Männer wurden inzwischen festgenommen. Die Frau befindet sich in kritischem Zustand.

Die hohe Zahl an Vergewaltigungen und Ermordungen von Mädchen und Frauen sorgt in Indien regelmäßig für Entsetzen. Nach den amtlichen Statistiken wurden im Jahr 2017 insgesamt 33.000 Vergewaltigungen gemeldet, darunter mehr als 10.000 Vergewaltigungen von Minderjährigen. Nach Angaben von Experten verzichten jedoch viele Opfer auf eine Anzeige. (db, APA, AFP, 6.12.2019)