George Zimmerman im Jahr 2013 vor Gericht.

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Gedenken an Trayvon Martin.

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Es ist fast acht Jahre her, dass George Zimmerman in einem Wohngebiet in Sanford in Florida den 17-jährigen Trayvon Martin erschossen hat. Einen unbewaffneten Schwarzen, der seinen Vater besuchte und der ihm, dem freiwilligen Nachbarschaftswächter, wegen seiner Hautfarbe und des Kapuzenpullis, den er trug, verdächtig erschien. Zimmerman behauptete, an jenem 26. Februar 2012 aus Notwehr gehandelt zu haben, da er bei einem Gerangel mit dem Teenager um sein Leben gefürchtet habe. Am Ende einer Gerichtsverhandlung, die überall in den USA aufs Intensivste verfolgt wurde, sprach ihn eine Geschworenenjury frei. Nun strengt er selber einen Gerichtsprozess an.

Zum einen verklagt er Angela Corey, die federführende Staatsanwältin des Verfahrens, mit dem Argument, ihre Anklage habe sich auf die Aussagen einer falschen Zeugin gestützt. Zum anderen wirft er Benjamin Crump, dem Rechtsbeistand der Eltern Martins, vor, ihn verleumdet zu haben.

"Reines PR-Spektakel"

Das mit der Zeugin beruht im Wesentlichen auf einem Streifen Joel Gilberts, eines Dokumentarfilmers mit einem ausgeprägten Hang zum Verschwörungstheoretischen. Gilbert hatte einmal behauptet, der wahre Vater Barack Obamas sei Frank Marshall Davis, ein afroamerikanischer Kommunist, der die Weltsicht des Präsidenten Barack Obama entscheidend geprägt habe. In "The Trayvon Hoax" stellt er die These auf, Martins echte Freundin sei mit Blick auf den Prozess gegen eine falsche ausgetauscht worden. Anstelle von Brittany Diamond Eugene, die angeblich nicht aussagen wollte, sei deren Halbschwester Rachel Jeantel vor Gericht aufgetreten, angeblich von der Staatsanwaltschaft instruiert, um Zimmerman zu belasten. "Ein reines PR-Spektakel", sagt ein Onkel Martins, Ronald Fulton, über die Klage, die in seinen Augen nur dazu dient, Reklame für einen absurden Kinofilm zu machen.

Benjamin Crump wiederum hat in einem im Oktober erschienenen Buch schärfste Kritik an den Polizeikräften des Landes geübt. "Open Season", der Titel, steht in diesem Fall für Jagdsaison. Crump wirft weißen Beamten vor, im 21. Jahrhundert das fortzusetzen, was einst in den rassistischen Südstaaten an der Tagesordnung war: Schwarze zu misshandeln, zu vergewaltigen, sie zu lynchen. In den Gerichtssälen würden die Täter dann reingewaschen, schreibt er und spricht von einem "legalisierten Genozid an Menschen mit dunkler Haut".

Sprecher der Waffenlobby

Letzteres ist schon auf dem Einband zu lesen, weshalb Zimmerman den Juristen des Rufmords bezichtigt. Jeder wisse, sagt sein Anwalt Larry Klayman, dass Crump die Eltern Martins vertreten habe. Daher könne der Buchtitel nur so verstanden werden, dass er auf Zimmerman anspiele. Damit, so Klayman, erwecke Crump den grundfalschen Eindruck, als marschiere Zimmerman in vorderster Linie eines völkermörderischen Feldzugs. Rund 100 Millionen Dollar Schadensersatz verlangt der Kläger von den Verklagten. Klayman, dies kurz zum Hintergrund, hat in den Neunzigern "Judicial Watch" gegründet, ein Netzwerk rechter Aktivisten, von dem er sich 2003 trennte. Eine weitere Verschwörungstheorie ausschmückend, forderte er den Präsidenten Obama vor Jahren auf, er möge "den Koran aus der Hand legen" und "mit erhobenen Händen herauskommen".

Es ist, jenseits juristischer Spitzfindigkeiten, nicht das erste Mal, dass Zimmerman rechtsaußen von sich reden macht. Der Sohn eines Armee-Sergeants und einer Migrantin aus Peru versteht sich nicht nur als Sprecher der Waffenlobby. Er mischt auch politisch mit, indem er Feindbilder entwirft. Beides bündelte sich im Wahljahr 2016, als er der Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton vorwarf, sich einer "Anti-Flinten-Rhetorik" zu bedienen. Damals versteigerte er die Pistole, mit der er Martin erschoss. "Dies ist ein Stück amerikanischer Geschichte", warb er. "Si vis pacem, para bellum", schrieb er dazu: Wer den Frieden wolle, müsse den Krieg vorbereiten.

"Muslimfreie Zone"

Zuvor hatte sich Zimmerman mit einem Waffenladen zusammengetan, der sich zur "muslimfreien Zone" erklärt hatte und daraufhin verklagt wurde. In dem Geschäft, nicht weit von Orlando, verkaufte er Zeichnungen der Konföderierten-Flagge, mit der die abtrünnigen Südstaatler in den Bürgerkrieg gegen den Norden gezogen waren. Dann wieder suchte er den Clinch mit Jay-Z, dem Rapper, der half, eine Doku-Serie über den Fall Trayvon Martin zu drehen. Einer der Produzenten, wetterte Zimmerman, sei ohne Vorwarnung bei seinen Angehörigen erschienen, um sie zu Interviews zu nötigen. Wer sich mit seinen Eltern anlege, der werde den Alligatoren zum Fraß vorgeworfen. Er wisse schon umzugehen mit Leuten, die ihm blöd kämen. "Ich weiß es seit Februar 2012." (Von Frank Herrmann aus Washington, 6.12.2019)