Marco Odermatt holte seinen ersten Sieg im Weltcup und somit auch den ersten Saisonsieg für die Schweiz.

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Das neue Siegergesicht.

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Das Podest.

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Beaver Creek/Colorado – Marco Odermatt hat am Freitag für eine Premiere im Ski-Weltcup gesorgt. Der 22-jährige Schweizer gewann den selektiven Super-G auf der "Birds of Prey" in Beaver Creek und feierte damit seinen ersten Weltcupsieg. Er setzte sich in 1:10,90 Minuten eine Zehntelsekunde vor dem Norweger Aleksander Aamodt Kilde und 0,14 vor Matthias Mayer, der vergangene Woche in Lake Louise zugeschlagen hatte, durch.

Sölden-Sieger Alexis Pinturault (FRA) verpasste das Podest als Vierter um 23 Hundertstel. Nicht ganz nach Wunsch lief es für Vincent Kriechmayr (0,74) als Siebentem und Hannes Reichelt (0,91) als Neuntem. Max Franz (2,06) hatte mit Rückenproblemen zu kämpfen und musste sich mit Platz 30 begnügen.

Odermatt ging bei strahlendem Sonnenschein mit Startnummer zwei ins Rennen und hatte Mühe, bei der Schlüsselstelle nach rund 26 Fahrsekunden nicht einzufädeln. Er erwischte aber offensichtlich das richtige Maß zwischen Attacke und Zurückhaltung. An besagter Stelle hatte zuvor der mit Startnummer eins ins Rennen gegangene Franzose Adrien Theaux die Kurve nicht mehr gekratzt. Kilde lag zwischenzeitlich auf Siegkurs, vergab aber seine Chance in Zielnähe, als er bei einem der letzten Tore einige Meter abgetragen wurde.

Odermatt 2018 in Davos höchst erfolgreich

"Ich bin voll am Limit gefahren, es wäre definitiv nicht mehr gegangen. In einzelnen Passagen war ich über dem Limit. Es war ein wilder Ritt", sagte der strahlende Sieger, der nicht damit gerechnet habe, dass diese Fahrt gut genug für den Sieg sein könnte. "Vorerst war ich einfach mal froh, unten angekommen zu sein. Gehofft hatte ich, dass es zu ein paar Weltcup-Punkten reichen könnte."

Odermatt, der für den ersten Schweizer Saisonsieg sorgte, gilt als die größte Zukunftsaktie der Eidgenossen, 2018 hat er bei den Junioren-Weltmeisterschaften in Davos gleich fünf Goldmedaillen (Abfahrt, Super-G, Riesentorlauf, Kombination, Mannschaft) geholt. Im Weltcup stand er bislang erst zweimal am Podest, als Dritter beim Riesentorlauf in Kranjska Gora 2019 und als Zweiter des RTL beim Saisonfinale in Soldeu. In Lake Louise holte er als Siebenter im Super G sein bis Freitag bestes Weltcupergebnis in dieser Disziplin.

Mayer weiter Gesamtweltcupführender

Mayer hatte nach seinem Sturz im Riesenslalomtraining am Dienstag keine größeren Beschwerden mehr, er zeigte sich verwundert, dass der Schweizer trotz eines gröberen Schnitzers nicht zu biegen war. Der zweifache Olympiasieger aus Kärnten lag zwischenzeitlich nahezu gleichauf mit dem Sieger, büßte im Finish noch etwas ein. Mit Platz drei hat er aber die Führung in der Disziplinenwertung und im Gesamtweltcup verteidigt.

Speedtrainer Sepp Brunner analysierte mit gemischten Gefühlen. Mit Mayers Leistung war er natürlich sehr zufrieden: "Großes Kompliment nach dem Sturz." Mit den anderen ging er ziemlich hart ins Gericht: "Viel zu brav gefahren." So könne man nicht gewinnen.

Mit dem Sieg des Schweizers endete die imposante Serie von fünf Super-G-Siegen für den ÖSV in Beaver Creek en suite. 2018 triumphierte Franz, 2017 stand Kriechmayr ganz oben, 2016 fielen die Rennen aus, 2015 setzte sich Marcel Hirscher durch, 2014 gewann Reichelt, der 2015 in Colorado auch zum Weltmeister in der Disziplin avancierte.

Am Samstag geht es in Colorado mit einer Abfahrt weiter. Am Sonntag steht noch ein Riesentorlauf auf dem Programm. (Thomas Hirner, 6.12.2019)

Ergebnisse des Weltcup-Super-G der Herren am Freitag in Beaver Creek:

1. Marco Odermatt (SUI) 1:10,90
2. Aleksander Aamodt Kilde (NOR) +0,10
3. Matthias Mayer (AUT) +0,14
4. Alexis Pinturault (FRA) +0,37
5. Mauro Caviezel (SUI) +0,64
6. Travis Ganong (USA) +0,69
7. Vincent Kriechmayr (AUT) +0,74
8. Adrian Smiseth Sejersted (NOR) +0,86
9. Hannes Reichelt (AUT) +0,91
10. Mattia Casse (ITA) +0,93
11. Kjetil Jansrud (NOR) +1,09
12. Thomas Tumler (SUI) +1,17
13. Dominik Paris (ITA) +1,18
14. Andreas Sander (GER) +1,28
15. Beat Feuz (SUI) +1,30
16. Miha Hrobat (SLO) +1,52
17. Nils Allegre (FRA) +1,64
18. Ryan Cochran-Siegle (USA) +1,82
. Rasmus Windingstad (NOR) +1,82
20. Klemen Kosi (SLO) +1,84
21. James Crawford (CAN) +1,86
. Gilles Roulin (SUI) +1,86
. Pawel Trichischew (RUS) +1,86
24. Steven Nyman (USA) +1,87
25. Gino Caviezel (SUI) +1,91
26. Martin Cater (SLO) +1,92
27. Thomas Dreßen (GER) +1,96
28. Ted Ligety (USA) +2,00
29. Matteo Marsaglia (ITA) +2,02
30. Max Franz (AUT) +2,06

Weiter:
38. Daniel Danklmaier (AUT) +2,33
42. Christoph Krenn (AUT) +2,50
53. Christopher Neumayer (AUT) +3,05
54. Stefan Babinsky (AUT) +3,12
57. Christian Walder (AUT) +3,41

Ausgeschieden u.a.: Emanuele Buzzi (ITA), Brice Roger (FRA), Josef Ferstl (GER), Adrien Theaux (FRA)

Weltcup-Gesamtwertung nach 5 Rennen:

1. Matthias Mayer (AUT) 221
2. Dominik Paris (ITA) 180
3. Marco Odermatt (SUI) 170
4. Aleksander Aamodt Kilde (NOR) 152
5. Alexis Pinturault (FRA) 150
6. Mauro Caviezel (SUI) 145
7. Vincent Kriechmayr (AUT) 132
8. Thomas Dreßen (GER) 130
9. Henrik Kristoffersen (NOR) 113
10. Beat Feuz (SUI) 92
11. Travis Ganong (USA) 88
. Kjetil Jansrud (NOR) 88
13. Mathieu Faivre (FRA) 80
. Clement Noel (FRA) 80
15. Carlo Janka (SUI) 73

Super-G (2):

1. Matthias Mayer (AUT) 160
2. Marco Odermatt (SUI) 136
3. Aleksander Aamodt Kilde (NOR) 120
4. Mauro Caviezel (SUI) 105
5. Dominik Paris (ITA) 100
6. Vincent Kriechmayr (AUT) 96
7. Mattia Casse (ITA) 71
8. Travis Ganong (USA) 62
9. Kjetil Jansrud (NOR) 56
10. Alexis Pinturault (FRA) 50
11. Hannes Reichelt (AUT) 41
12. Adrian Smiseth Sejersted (NOR) 35
13. Thomas Tumler (SUI) 33
14. Andreas Sander (GER) 32
15. Beat Feuz (SUI) 32

Mannschaft (5):

1. Schweiz 761
2. Österreich 596
3. Norwegen 518
4. Frankreich 464
5. Italien 378
6. USA 285
7. Deutschland 254
8. Slowenien 127
9. Schweden 99
10. Kanada 72
11. Kroatien 45
12. Russland 17