Kimmich scheiterte an Gladbach-Tormann Sommer.

Foto: EPA/SASCHA STEINBACH

Nach dem Spiel der enttäuschte Blick zu den Fans.

Foto: REUTERS/Ralph Orlowski

Mönchengladbach – Die Dusche nach dem Spiel konnte Joshua Kimmichs kochendes Gemüt nur geringfügig abkühlen. "Das ärgert mich unendlich, ich könnte durchdrehen", sagte der deutsche Nationalspieler unmittelbar nach dem Abpfiff im Borussia-Park, den Fußball-Rekordmeister Bayern München mit der zweiten Niederlage in Folge im Gepäck verließ.

Eine eiskalte Dusche gab es zuvor für das gesamte Starensemble. Ein Elfmeterpfiff, eine Gelb-Rote-Karte für Javi Martinez und ein cooler Ramy Bensebaini – fertig war das späte 1:2 (0:0) bei Borussia Mönchengladbach und die Sieben-Punkte-Lücke auf den Tabellenführer aus Gladbach.

Zahlen sprechen Bände

Nach 14 Spielen und durch die Siege der Konkurrenten liegt der Serienmeister nur auf dem siebten Platz – so schlecht stand der Klub zu diesem Zeitpunkt seit Einführung der Drei-Punkte-Regel 1995 noch nie da. Die bislang eingefahrenen 24 Punkte sind der schlechteste Wert seit der Saison 2010/11 (damals 23). "Wir müssen schauen, dass wir in der Bundesliga jetzt noch neun Punkte holen, sonst schaut es schattig aus", sagte Thomas Müller und brachte die Eiszeitstimmung beim FC Bayern auf den Punkt.

Erinnerungen an die Vorsaison werden wach, als die Bayern zwischenzeitlich neun Punkte Rückstand auf die Tabellenspitze hatten. Am Ende stand das Double, doch so einfach ist es diesmal wohl nicht. "Jetzt ist es eine andere Situation, weil noch mehr Mannschaften oben dabei sind", warnte Kapitän Manuel Neuer. "Wer das jetzt noch nicht begriffen hat, ist komplett auf dem falschen Weg. Und wer glaubt, dass es wieder so wird wie letzte Saison, der ist fehl am Platz", appellierte Kimmich an seine Kollegen.

Manko Chancenverwertung

Die Sorgenfalten bei den Stars sind nach der bereits vierten Saisonniederlage – so viele wie in der kompletten Vorsaison – jedenfalls nochmals tiefer geworden. Das Grundübel war einmal mehr die eklatant schwache Chancenverwertung, aus 41 Torschüssen gegen Bayer Leverkusen (1:2) und in Gladbach sprangen ganze zwei Törchen heraus. Meisterlich ist die Effizienz des FC Bayern derzeit nicht. Seit drei Spielen geht der eigentliche Torgarant Robert Lewandowski leer aus, zwei gute Chancen (13./16.) vergab er auch am Niederrhein.

"Es ist schon ein negativer Lauf, aber es gibt immer Gründe, wenn man die Chancen nicht reinmacht", betonte Kimmich. Auch im Borussia-Park hätte die Partie zur Halbzeit für die Bayern eigentlich entschieden sein müssen. "Der Zauber wäre gewesen, wenn wir 4:0 geführt hätten, weil wir die Chancen einfach hatten. Das wäre Bayern-like gewesen", meinte Neuer.

Zu früh zurückgeschaltet

Paradoxerweise stellten die Münchner am Niederrhein ausgerechnet nach dem scheinbar erlösenden Führungstreffer durch Ivan Perisic (49.) das Fußballspielen ein. "Nach dem 1:0 haben wir das Spielen vergessen. In der zweiten Halbzeit haben wir den Ball zu wenig laufen lassen", analysierte Trainer und Niko-Kovac-Nachfolger Hansi Flick, der nach einem Traumstart mit vier Siegen in vier Spielen und 16:0 Toren jetzt vom grauen Fußball-Alltag eingeholt wird. Inzwischen rangiert der ruhmreiche FC Bayern außerhalb der Europacupplätze.

Vor den abschließenden drei Ligaspielen in der Hinrunde gegen Werder Bremen, beim SC Freiburg und gegen den VfL Wolfsburg zählen bei den Münchnern nur noch Siege. "Wir müssen in die Erfolgsspur zurück", forderte Sportdirektor Hasan Salihamidzic. (sid, 8.12.2019)