Rund 40 Aktivisten stürmten in das Regierungsgebäude von Premier Muscat.

Foto: Reuters/MARK ZAMMIT CORDINA

Der Unmut in Valletta ist groß.

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Menschen trauern um die ermordete Journalistin Daphne Caruana Galizia.

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Valletta – In Malta haben Demonstranten den Amtssitz von Ministerpräsident Joseph Muscat gestürmt und den Regierungschef im Zusammenhang mit den Ermittlungen zum Mord an der Journalistin Daphne Caruana Galizia zum sofortigen Rücktritt aufgefordert.

Etwa 40 Aktivisten mit Trommeln, Pfeifen, Fahnen und Megafonen überrumpelten die Sicherheitskräfte am Montagvormittag, drangen über einen Seiteneingang in das Gebäude in der Hauptstadt Valletta ein und blockierten den Zugang. Muscat ist zwar nicht direkt in den Fall verwickelt, der Kreise bis in die Regierung gezogen hat, er hat aber Konsequenzen gezogen und seinen Rücktritt nach der Wahl eines Nachfolgers seiner Labour-Partei für Mitte Jänner angekündigt.

Die Investigativ-Journalistin war durch eine Autobombe im Oktober 2017 getötet worden. Sie hatte an einem Bericht über Korruption gearbeitet und die Existenz einer verborgenen Offshore-Firma aufgedeckt. Unter anderem Muscats Ex-Stabschef Keith Schembri soll in den Fall verwickelt oder zumindest ein Mitwisser gewesen sein. Er ist deswegen zurückgetreten, weist aber alle Vorwürfe zurück.

Zu wenig Unterstützung von EU

Andrew Caruana Galizia verwies kürzlich darauf, dass seine Mutter bereits vor ihrer Ermordung mit Vertretern der EU in Kontakt gewesen sei, aber kein nennenswertes Backing erhalten habe, obwohl sie zu dieser Zeit bereits massiven Drohungen und einer Desinformationskampagne gegen ihre Person ausgesetzt gewesen sei. Auch nach ihrer Ermordung habe es kaum Unterstützung gegeben, die Aufklärung des Mordes voranzutreiben.

Eine Wende habe der Fall erst vor ein paar Wochen erhalten, weil ein Taxifahrer und mutmaßlicher Mittelsmann gegen Zusicherung von Straffreiheit Informationen zu einem Geschäftsmann geliefert habe, der nunmehr als Drahtzieher des Mordes verdächtigt wird. Der beschuldigte Unternehmer Yorgen Fenech erklärte seinerseits am Donnerstag, er habe regelmäßige Hinweise zum Stand der Ermittlungen vom früheren Stabschef der Regierung, Keith Schembri, erhalten. (APA, 9.12.2019)