Der Große Aletschgletscher in der Schweiz könnte bis Ende des Jahrhunderts verschwinden, wenn sich die Klimapolitik nicht grundlegend ändert.

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Am besten schnitt beim Climate Change Performance Index Schweden ab, das Heimatland von Aktivistin Greta Thunberg.

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Madrid – Die Ankunft der Spitzenpolitiker beim Weltklimagipfel in Madrid wurde von einigen unerfreulichen Nachrichten begleitet. Wie jedes Jahr veröffentlichten die Umweltorganisationen Germanwatch, New Climate Institute und Climate Action Network Europe den Climate Change Performance Index (CCPI). Wieder einmal blieben die ersten drei Plätze unbesetzt – kein Staat sei beim Klimaschutz vorbildlich genug, hieß es seitens der Organisationen.

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Das Schlusslicht in dem Ranking bilden die Vereinigten Staaten. Zwar haben die USA bereits angekündigt, dass sie aus dem Pariser Klimaabkommen austreten werden – heuer sitzen sie allerdings noch an den Verhandlungstischen in Madrid. Neben Schweden, schnitten auch Dänemark, Marokko und Großbritannien einigermaßen gut ab. China erreichte Platz 30.

Auf Platz eins landete die Heimat der Klimaaktivistin Greta Thunberg, Schweden. Österreich rutschte indes um zwei Plätze auf Rang 38 ab – und befindet sich damit im hinteren Mittelfeld. Die Republik erhielt gerade einmal 44,7 der möglichen hundert Punkte. Besonders schlecht schnitt Österreich im Bereich der Klimapolitik ab – in diesem Ranking erzielte die Republik gerade einmal 35,8 Punkte.

An der Bewertung, die seit 2005 veröffentlicht wird, beteiligten sich rund 350 Energie- und Klimaexperten. Treibhausgasemissionen fließen mit 40 Prozent in die Bewertung ein – wobei sich der Großteil davon auf den Pro-Kopf-Ausstoß bezieht. Erneuerbare Energie, Klimapolitik und Energieverbrauch machen jeweils 20 Prozent aus.

Umweltministerium hält Bewertung für unausgewogen

Bei der österreichischen Delegation auf der Weltklimakonferenz, die seit Montag von Umweltministerin Maria Patek geleitet wird, hat man für die Ergebnisse der Erhebung wenig Verständnis: "Wir halten diese Bewertung für nicht ganz fair und ausgewogen", sagte Helmut Hojesky, Abteilungsleiter im Ministerium.

Die Studie basiere im Wesentlichen auf Einschätzungen von NGOs in den Mitgliedsstaaten. "Die einzelnen Elemente sind unterschiedlich gewichtet", so Hojesky. Der Anteil erneuerbarer Energien beispielsweise – wo Österreich sehr gut unterwegs sei – fließe kaum in die Bewertung ein. "Was uns immer wehtut, ist, dass Länder mit Atomkraft durchaus besser bewertet werden", sagte der Klimaexperte. Diese wolle man in Österreich auch in Zukunft meiden.

Auch Patek selbst wollte die Kritik nicht so stehen lassen und sprach von der Vorreiterrolle, die Österreich im Umweltschutz einnehme. Die Ministerin verwies auf den Raus-aus-dem-Öl-Bonus, den Ausstieg aus Kohlekraft im Jahr 2020 und das Plastiksackerlverbot. "Ich weiß, es ist immer zu wenig, aber wir sind hier wirklich auf einem sehr, sehr guten Weg", so die Ministerin.

EU im Mittlfeld

Die Europäische Union als Ganzes befindet sich in dem Ranking im Mittelfeld. Greenwatch betonte in der Vergangenheit mehrfach, dass die Union in den Verhandlungen in Madrid eine Vorreiterrolle einnehmen müsse. "Was wir jetzt erwarten, ist, dass die EU den angekündigten Prozess, mit dem die Klimaziele für 2030 erhöht werden sollen, auch wirklich startet und bis Mitte 2020 abschließt", sagte Germanwatch-Chef Christoph Bals zum STANDARD. Die NGO fordert, dass die Klimaziele deutlich nachgeschärft werden.

CO2-Emissionen in Österreich gestiegen

Kritik an Österreichs Klimapolitik gab es unter anderem von Greenpeace. "Zum Schämen" sei diese, kritisierte Greenpeace-Klimaexperte Adam Pawloff, der auch an der Bewertung beteiligt war. "Aus nichts wird eben auch nichts. Seit Jahren steigen die klimaschädlichen Emissionen, seit Jahren rührt die Politik keinen Finger." Die NGO appelliert an die Übergangsregierung, den nationalen Energie- und Klimaplan rasch anzupassen.

Greenpeace gab außerdem zu bedenken, dass die durchschnittlichen Emissionen in der EU seit 1990 um rund 22 Prozent gesunken, in Österreich im gleichen Zeitraum allerdings um fünf Prozent gestiegen seien.

Kritik kam auch vom WWF, der monierte, dass Österreich seine Klimaschutzpolitik über Jahre vernachlässigt habe. Das Ranking illustriere "ein katastrophales Politikversagen", so Klima- und Energiesprecher Karl Schellmann. (lauf, 10.12.2019)