Greta Thunberg am Mittwoch in Madrid.

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Madrid – Nach einer Protestaktion vor dem Plenarsaal ist diversen NGOs dem Vernehmen nach vorerst der Zutritt zu der Uno-Klimakonferenz in Madrid verwehrt worden. Wie DER STANDARD in Erfahrung bringen konnte, ging ein Protest von einigen hundert Jugendlichen und Indigenen der Aktion voraus. Daraufhin wurden die jungen Aktivisten von Securities des Geländes verwiesen. Umweltorganisationen sollen sich in Solidarität angeschlossen haben – und wurden anschließend nicht mehr in das Kongressgelände hineingelassen.

"Die Unterdrückung von zivilgesellschaftlichen Protest in Zeiten einer Klimakrise ist undemokratisch und absolut untragbar", kritisierte Adam Pawloff von Greenpeace Österreich, der in Madrid vor Ort ist.

Kritik von Thunberg

Zuvor stand Greta Thunberg ein weiteres Mal im Zentrum der Weltklimakonferenz. Nachdem die schwedische Aktivistin bisher zusammen mit Wissenschaftern und anderen Aktivisten aufgetreten war, wandte sie sich diesmal direkt an die anwesenden Regierungsvertreter. "Das muss aufhören", sagte die 16-Jährige auf der großen Bühne in der Messehalle. Gemeint ist damit der weitere globale Anstieg der Treibhausgasemissionen.

Die gesamte Rede von Greta Thunberg (ab Minute 23:14).

Für die Konferenz in Madrid hatte Thunberg keine persönlichen Worte vorbereitet, wie sie zu Beginn ihrer Rede klarstellte. Sie werde nicht von brennenden Häusern sprechen oder davon, dass sich Erwachsene schämen müssten. Denn nur diese Phrasen würden bei den Menschen hängenbleiben. Stattdessen wiederholte Thunberg die Worte zahlreicher Wissenschafter, denn diese Fakten sollten hängenbleiben, so die 16-Jährige. "Innerhalb von acht Jahren wird das globale Kohlenstoffbudget aufgebraucht sein", sagte Thunberg und zählte Auswirkungen der Klimakrise auf das globale Ökosystem auf. "Diese Zahl ist nicht die Meinung oder Ansicht von irgendjemandem – das ist das Ergebnis der Wissenschaft."

Thunberg erntete für ihre Rede viel Applaus.
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"Wie kann man diese Zahlen hören und nicht panisch werden?", fragte Thunberg das Publikum. "Wie kann man das hören und nicht wütend werden? Wie kann man das kommunizieren, ohne alarmierend zu klingen?"

Umgehen tatsächlicher Maßnahmen

Die junge Schwedin machte kein Hehl daraus, was sie von der Klimakonferenz hält: "Staaten finden schlaue Wege, um tatsächliche Maßnahmen zu umgehen." Als Beispiel nannte Thunberg die Möglichkeit der Doppelanrechnung von Emissionsreduktionsmaßnahmen. Das sei nicht der Ausweg aus der Klimakrise. "Die Klimakonferenz wurde zur Gelegenheit für Staaten, Schlupflöcher auszuverhandeln."

Die größte Gefahr sei nicht die Untätigkeit, sondern "wenn Politiker und Konzernchefs so tun, als würden sie etwas unternehmen, aber nichts passiert außer geschickte Berechnungsmethoden und viel PR". Nach wie vor agiere die Weltgemeinschaft nicht so, als würde ein Notfall herrschen. Thunberg verglich die Klimakrise mit einem Auto, das auf ein Kind zurast. Die logische Reaktion wäre, das Kind zu retten. Das geschehe beim Klima jedoch nicht. "Ohne Druck der Öffentlichkeit können Regierungschefs mit mehr oder weniger allem davonkommen."

Junge Österreicher üben Kritik an Konferenz

Ähnlich ernüchternde Worte fanden vier jünge Österreicherinnen und Österreicher, die auch zur Konferenz angereist sind. "Ich sehe jetzt das ganze Ausmaß", sagte etwa die Studentin Ariane Wrumnig – und meint das keineswegs positiv. Man fühle sich wie auf einer Reisemesse, erzählte sie APA. Es gibt eine Filiale der US-Schnellrestaurantkette Burger King, beim Catering gar Wasser vom bei Umweltschützern eher unbeliebten Konzern Nestlé. In einem Pavillon hat sie in der "Green Zone" Stände von Energieunternehmen erblickt, "die gar nicht grün sind. Das sind Dinge, die einen zweifeln lassen, wofür das alles veranstaltet wird".

Etliche junge Menschen protestierten am Mittwoch bei der Konferenz.
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Auch die 17-jährige Salzburger Schülerin und Fridays-for-Future-Aktivistin Anika Dafert zeigte sich nach einer Woche Konferenz eher ernüchtert. Sie konnte einige der Verhandlungen auf Beamtenebene mitverfolgen. Sehr detailreich seien die Diskussionen gewesen – und weitestgehend unverständlich., obwohl sie sich so viel mit dem Thema Klima beschäftige. Manchmal käme es fast so rüber, dass dahinter Absicht stecke, "damit wir nicht sehen, was eigentlich nicht passiert", stellte Dafert fest.

Trotz dieser Erfahrungen gibt sie die Hoffnung nicht auf: "Es ist für mich kein Mindset, dass eh alles wurscht ist", erläuterte sie. Von einem EU-Parlamentarier habe sie zudem gehört, dass "der Druck auf die Politiker groß ist, auch wenn man das nicht direkt merkt".

"Haben Auswirkungen unterschätzt"

Spaniens Umweltministerin Teresa Ribera fand demnach in ihrer Eröffnungsrede klare Worte: "Wir stehen vor einem Notfall und sollten so handeln." Das sei bisher nicht passiert, kritisierte die Ministerin. "Es gibt keinen Zweifel an der Wissenschaft und keinen Zweifel daran, was wir tun müssen." Nationalstaaten könnten sich nicht länger hinter der internationalen Gemeinschaft verstecken, um eigene Versäumnisse zu entschuldigen, sagte Ribera. Aber: "Alles, was wir gemacht haben, ist, die Auswirkungen zu unterschätzen."

Spaniens Umweltministerin Teresa Ribera sprach von einem "Notfall".

Ribera stellte – ohne Namen zu nennen – fest: "Wir sollten keine Art des Rückzugs aus dem Pariser Abkommen akzeptieren." Gemeint war damit wohl US-Präsident Donald Trump, der bereits angekündigt hat, dass die USA aus dem Abkommen aussteigen werden. Aber auch Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro liebäugelt mit einem Rückzieher. (Nora Laufer, 11.12.2019)