Die unternehmerische Fachhochschule MCI platzt aus allen Nähten. Doch der Neubau verzögert sich weiter und wird zum Politikum.

Foto: MCI - Spiluttini

Innsbruck – Der Fokus liegt nun auf der Zukunft. Unter diesem Motto versucht das Land Tirol die Wogen rund um die Causa Neubau des Management Center Innsbruck (MCI) zu glätten. Die Fachhochschule leidet unter chronischem Platzmangel, derzeit wird verteilt auf fünf Standorte unterrichtet. Eigentlich hatte man 2016 nach einem Architekturwettbewerb bereits ein Siegerprojekt für den Neubau gekürt. Doch am Dienstag endete die Zusammenarbeit zwischen Land Tirol und dem siegreichen Architekturbüro mit einem Vergleich vor dem Innsbrucker Landesgericht.

Nun steht das Projekt MCI-Neubau wieder ganz am Anfang. Doch anstatt eines Architekturwettbewerbs soll ein sogenanntes wettbewerbliches Dialogverfahren die langersehnte Baulösung bringen.

Die Architektenkammer und viele ihrer Tiroler Mitglieder sind erbost. Man sieht den ganzen Berufsstand in Gefahr. Die Causa sei ein Präzendenzfall, der für die Branche einen nachhaltigen Schaden bedeuten könnte.

Projekt plötzlich gestoppt

Was war passiert? Das Land Tirol hat das siegreiche, von einer internationalen Expertenjury gekürte Projekt 2018 plötzlich in der Planungsphase gestoppt, weil man eine massive Kostenüberschreitung befürchtete. Die dazu kolportierten Zahlen sind bis heute umstritten. Letztlich waren es drei Gutachten zum Thema Vergaberecht, die den zuständigen Landesrat Johannes Tratter, ÖVP, bewogen haben, die Reißleine zu ziehen. Diesen Gutachten zufolge habe die Gefahr bestanden, dass die Parameter des Projekts für eine Realisierung derart verändert werden müssten, dass unterlegene Wettbewerbsteilnehmer klagen und eine Neuausschreibung verlangen könnten.

Aufseiten der Architekten kann man diese Vorwürfe nicht nachvollziehen, wie Hannes Obermoser erklärt, der als Partner in die Planungsphase eingebunden war: "Der Kostenrahmen war von Beginn an falsch berechnet." Die vom Land ins Treffen geführte Sorge einer Neuausschreibung, wenn man nachträglich diesen Rahmen angepasst hätte, hält er für vorgeschoben. Obermoser vermutet vielmehr Eigeninteressen eines anderen Players hinter dem plötzlichen Projektstopp.

Kritik an Mehrfachrolle eines Juristen

Es geht um den Juristen Herbert Schöpf, der im Zuge der Causa eine Mehrfachrolle einnimmt. Er wurde anfangs vom Land mit dem Verhandlungsverfahren beauftragt. Im Zuge dessen sollte er den Vertrag mit dem siegreichen Architekturbüro aufsetzen. Diese Vertragserstellung habe sich ungewöhnlich schwierig gestaltet, so die Architekten.

Schöpf hat auch eines der besagten Gutachten erstellt, das zur Begründung des Projektstopps herangezogen wurde, und er hat in der Folge das Land vor Gericht gegen die Architekten vertreten. Nun hat der Jurist die Ausschreibung zur rechtlichen Betreuung des Dialogverfahrens gewonnen, das anstatt des gestoppten Projektes zum Neubau führen soll.

Neos fordern Untersuchung

Schöpf sieht darin keinen Widerspruch und verweist auf die offizielle Ausschreibung. Doch aus Architektenkreisen sowie vonseiten der Tiroler Neos ist man skeptisch. "Es hat bisher nur einen einzigen Profiteur im Chaos rund um den MCI-Neubau gegeben, und das ist Rechtsanwalt Schöpf", sagt Neos-Tirol-Chef Dominik Oberhofer, der sich für eine Rechnungshofprüfung oder einen Untersuchungsausschuss ausspricht.

Zusätzliche Verwirrung schafft der Kostenrahmen, den das Land für den Neubau im Dialogverfahren vorgibt. Er liegt trotz geringerer Quadratmeterzahl bei 130 Millionen Euro. Das ursprüngliche Projekt ist gestoppt worden, weil man eine Kostensteigerung auf genau diese Summe befürchtet hatte. Zudem sei ein Dialogverfahren für ein Vorhaben wie den MCI-Neubau ungeeignet, heißt es seitens der Architektenkammer. Letztlich seien die Kosten also gestiegen, aber das Projekt gemäß Neuausschreibung geschrumpft. (Steffen Arora, 12.12.2019)