Das Forscherteam stattet einen Blauwal mit einem Sensor aus, der über seine Wanderungen und sein Fressverhalten Bescheid geben wird.
Foto: Credit Elliott Hazen, NOAA

Blauwale sind mit fast 200 Tonnen die schwersten Tiere, die je auf unserem Planeten lebten. Die bis zu 33 Meter langen Tiere halten nicht weiter überraschend auch noch einige andere Rekorde. So besitzen diese Meeresgiganten ein Herz, das im Extremfall bis zu eine Tonne schwer sein dürfte, wie Meeresbiologen um den international führenden Walexperten Jeremy Goldbogen (Stanford University) schätzen.

Um mehr über die Pumpleistung dieses riesigen Organs herausfinden, statteten die Forscher einen Blauwalbullen mit einem mobilen EKG-Gerät aus, das einige überraschende Daten lieferte. So hatten die Wissenschafter vermutet, dass ein Blauwalherz meist rund 15 Mal pro Minute schlagen dürfte. Das Wal-EKG lieferte aber ganz andere Daten, wie Goldbogen und seine Kollegen Anfang des Monats im Fachblatt "PNAS" berichteten.

Zwei Herzschläge pro Minute

Die Herzfrequenz lag bei Tauchgängen meist stark darunter und reduzierte sich auf vier bis acht Mal pro Minute. Im Extremfall schlug es auch nur zwei Mal. Beim Auftauchen pumpte es dagegen 25 bis 37 Mal pro Minute, um das beim Tauchgang entstandene Sauerstoffdefizit im Blut wieder rasch auszugleichen.

Insgesamt liege die Leistung des Blauwalherzens nahe am Limit, resümieren die Forscher, die sich in einer noch aktuelleren Studie mit den natürlichen Größenlimits von Blauwalen und anderen Walarten befassten.

Bei ihrer Suche nach den Grenzen des Walwachstums konzentrierten sie sich vor allem auf die Energiebalance der Tiere. Diese wiederum besteht im Wesentlichen darin, dass die Energie, die durch die Nahrungsaufnahme gewonnen wird, in einem Gleichgewicht mit jener Energie steht, die für das Fressen und alle anderen lebenserhaltenden Tätigkeiten benötigt wird.

Analysen des Fressverhaltens

Wie Goldbogen erklärt, sei Energie eine Schlüsselwährung für alles Leben. "Wir wollten daher wissen, wie ihr Gewinn im Vergleich zum Verbrauch bei der Futtersuche von Walen mit unterschiedlichen Körpergrößen und Ernährungsstrategien ist." Um diese Frage zu beantworten, stattete sein Team 300 Wale mit Sensoren aus, um einerseits ihre Bewegungen von Grönland bis zur Antarktis zu überwachen und um andererseits ihr Fressverhalten zu analysieren.

Grundsätzlich fanden die Forscher – nicht weiter überraschend – erhebliche Unterschiede zwischen den Bartenwalen (zu denen etwa die Blauwale zählen) und den Zahnwalen, deren größter Vertreter der Pottwal mit über 20 Metern ist. Während die einen sich vor allem von kleinen Meeresbewohnern wie Krill ernähren, den sie mittels der Barten aus dem Meerwasser herausfiltern, machen die anderen Jagd auf größere Beute: die Pottwale etwa auf Riesentintenfische, die über zehn Meter groß werden können.

Pottwale sind mit rund 20 Meter Länge die größten Tiere des Planeten, die Zähne besitzen und auf andere große Tiere Jagd machen.
Foto: Getty Images / Jonathan Bird

Wie die im Fachjournal "Science" publizierten Daten zeigen, gewinnen Blau-, Buckel- und andere Bartenwale beim "Krillfiltern" fast immer mehr Energie, als sie bei ihren Beutetauchgängen verbrauchen. Die Jagd der Zahnwale dagegen ist sehr energieaufwendig.

Grenzen des Walwachstums

Würden Pottwale noch größer werden, wären ihre Energiekosten zu hoch, um überleben zu können. Zudem gebe es gar nicht genug große Tintenfische, um genug Pottwalfutter bereitzustellen. Für Bartenwale gibt es dagegen zu bestimmten Jahreszeiten Krill und anderes Plankton im Überfluss. Die auf diese Weise aufgebauten Fettreserven werden dann aber bei den langen Wanderungen durch die Ozeane aufgebraucht.

Die Studie in einer englischsprachigen Grafik zusammengefasst: Blauwale können vor allem deshalb so groß werden, weil sie ihren Futterbedarf stillen können, ohne besonders viel Energie darauf zu verwenden. Zahnwale wie der Pottwal müssen jagen, was sehr energieintensiv ist.
Foto: Alex Boersma, 2019

Wale haben, so folgern die Forscher, die energetischen Grenzen des Wachstums ausgereizt. Das dürfte sie zugleich auch besonders verwundbar machen, wenn es – etwa durch den Klimawandel oder durch Überfischung – zu einer Reduktion des Nahrungsangebots kommt. (tasch, 13.12.2019)