Klarer Wahlsieg für Boris Johnsons Konservative.

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Triumph für Boris Johnson: Die Konservativen des britischen Premierministers haben bei der Unterhauswahl am Donnerstag die absolute Mandatsmehrheit errungen. Mit der Auszählung des Wahlkreises Worthing West erreichten die Tories am Freitag in der Früh das 326. Mandat, berichtete der Sender Sky News. 54 Wahlkreise waren zu diesem Zeitpunkt noch auszuzählen. Damit ist der Weg frei für den von Johnson angestrebten Ausstieg Großbritanniens aus der EU am 31. Jänner 2020.

Wahlsieger Johnson trat in den frühen Morgenstunden vor die Medien.
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Prognosen der BBC zufolge könnten die Tories 364 Mandate im Unterhaus erreichen. Das wäre die größte konservative Mandatsmehrheit seit dem letzten Wahlsieg der legendären Premierministerin Margaret Thatcher im Jahr 1987. Bei der Wahl 2017 hatten die Konservativen ihre knappe absolute Mehrheit eingebüßt und waren danach auf die Unterstützung der nordirischen Unionisten angewiesen.

Die oppositionelle Labour Party hielt bei 203 Mandaten, ein Verlust von 59 Mandaten. Oppositionsführer Jeremy Corbyn hat noch in der Wahlnacht seinen Rückzug angekündigt.

Labour-Chef Corbyn will die Partei nach dieser "enttäuschenden Nacht" nicht in die nächsten Wahlen führen.
Sky News
US-Präsident Donald Trump sieht einen "großen Sieg für Boris".

Konkrete Ergebnisse im Laufe des Abends standen im Einklang mit der Prognose, etwa als die "rote Mauer" zusammenbrach, jenes Bollwerk sozialdemokratisch bestimmter Sitze im Norden Englands, auf den sich die Sozialdemokraten bisher verlassen hatten. Viel war in der Wahlkampagne von Labour von diesen Bezirken die Rede gewesen. Sie haben teilweise seit 100 Jahren stets einen Vertreter der Arbeiterpartei nach London entsandt und 2016 mit großer Mehrheit für den EU-Austritt gestimmt. Wählern dort galt Boris Johnsons ganze Aufmerksamkeit. Um 1.20 Uhr Ortszeit wurde die Strategie bestätigt: Die Stadt in der Grafschaft Cumbria fiel ebenso an die Tories wie wenige Minuten später Darlington im englischen Nordosten.

Hinter den Erwartungen zurück blieb das Abschneiden der Liberaldemokraten: Die dezidiert proeuropäisch auftretende Partei verlor nach aktuellem Stand Freitag früh eines der bisher zwölf Mandate. Vorsitzende Jo Swinson verlor außerdem ihr Unterhausmandat in Dunbartonshire East an die Kandidatin der SNP. Die schottische Nationalpartei hielt Freitagfrüh bei 48 Mandaten und gewann damit 13 Mandate hinzu. Sie könnte ihren Höchststand von 2015 (56 der 59 schottischen Wahlkreise) erreichen.

Die aktuell ausgezählten Sitze im britischen Unterhaus.

Reaktion Johnsons

Für Johnson hat sich die erste Dezemberwahl seit 1923 bezahlt gemacht. Er hatte die Wählerinnen und Wähler mit der Begründung vorzeitig an die Urnen gerufen, das Parlament blockiere den geplanten EU-Austritt. Die Tories haben ihr gutes Ergebnis offenbar vor allem Wählern in England zu verdanken. Das Ergebnis sei ein "starkes Mandat für eine konservative Regierung den Brexit zu vollziehen.", sagte Johnson in einer ersten Reaktion. Die Wahl sei eine historische gewesen und gebe der Regierung nun die Möglichkeit den demokratischen Willen des Volkes zu respektieren.

Bei Labour wurden indes bereits die Messer gewetzt. Jeremy Corbyn stellte in den frühen Morgenstunden seinen Rücktritt in Aussicht und erklärte, bei keiner weiteren Wahl als Spitzenkandidat der Labour Partei antreten zu werden. Er sprach in der Nacht in seinem Wahlkreis im Londoner Stadtteil Islington von einer "sehr enttäuschenden Nacht". Mit seiner Kampagne habe Labour ein "Manifest der Hoffnung, Einigkeit und Solidarität" für jene die leistbares Wohnen, eine funktionierendes Gesundheitssystem und gut geförderte Schulen brauchen, präsentiert, so Corbyn. Der Brexit habe die Debatte aber so polarisiert, dass er alles überschattete und so zu dem vorliegenden Wahlergebnis beitrug. Den Parteivorsitz wolle er nur noch so lange behalten bis seine Nachfolge geklärt sei und ein Prozess der Reflektion über die Zukunft der Partei angestoßen sei.

Mehrere führende Labour-Mitglieder hatten zuvor bereits auf Twitter scharfe Kritik an ihm geübt und ihm den Rücktritt nahegelegt. "Das ist die Schuld eines Mannes. Seine Kampagne, sein Wahlprogramm, seine Führung", schrieb die langjährige Labour-Abgeordnete Siobhain McDonagh. Der Abgeordnete Gareth Snell, der sich auf eine Niederlage in der Labour-Hochburg Stoke-on-Trent Central einstellte, beantwortete die Frage, ob Corbyn gehen müsse, mit einem lapidaren "Ja".

Jeremy Corbyn hat nach den Wahlverlusten erklärt, dass er die Partei nicht in die nächsten Wahlen führen wird.
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Veteranen wie die langjährige Abgeordnete Margaret Hodge betonten: Es handelt sich um das komplette Versagen des Vorsitzenden und seiner Politik. Der frühere Labour-Innenminister Alan Johnson spricht vom schlimmsten Ergebnis seit den 1930er-Jahren. Bei Corbyn und seinen Momentum-Jüngern (das ist die Organisationsgruppe der Labour-Linken) handele es sich um eine Sekte. Ihr Einfluss solle aus der Partei verschwinden. Der enge Vertraute Corbyns, Finanzsprecher John McDonnell, sagte hingegen, es sei eine Brexit-Wahl gewesen, die von Labour angeschobenen Themen hätten keine Chance gehabt. (Sebastian Borger aus London, red, 13.12.2019)