Ein Krampus.

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Auf sozialen Medien wird aktuell massiv ein Video geteilt, das eigentlich einen Krampusumzug im Südtiroler Sterzing zeigt. Darauf zu sehen ist auch, wie eine Gruppe von Menschen vor mehreren Krampussen flieht, die diese verfolgen und auf sie einschlagen. Der Clip, der eine gewaltvolle Eskalation zu zeigen scheint, wird nun auf sozialen Medien missbraucht, um Stimmung gegen Flüchtlinge zu machen – und das sogar in den USA.

User teilen den Clip und beschreiben ihn beispielsweise so: "In Südtirol versuchten Asylanten den Krampus-Umzug zu stören. Da haben sie die Rechnung aber ohne die wehrhaften Einwohner gemacht. Traurig, was die EU aus den Ländern macht."

Hass

Weitere Nutzer reagieren in den Kommentaren zu den Clips mit hasserfüllten Meldungen wie: "Das ist die einzige Sprache, die die verstehen", "Sehr gut, so muss es sein" und "Genauso müsste man tagtäglich reagieren".

Wie die Faktenchecker bei Mimikama recherchiert haben, handelt es sich bei den Beteiligten keineswegs um Einwohner, die auf Flüchtlinge einschlagen – sondern um ein traditionelles "Tuifltreiben". Eine der Personen, die in dem Video verprügelt werden, meldete sich auf Facebook zu Wort und erklärt, dass sie der Mann mit der blauen Jacke ist, der getreten wird.

Auf Prügel freuen "wie kleine Kinder auf Weihnachten"

Er finde das Video nicht schlimm: "Ich bin mit meinen Freunden, wie jedes Jahr, schon frühmorgens losgezogen, um die Teufel zu suchen", schreibt er. Dabei sei man darauf aus, Prügel zu beziehen – und freue sich "wie kleine Kinder auf Weihnachten darauf". "Für Außenstehende mag das vielleicht brutal sein, was da im Video zu sehen ist, aber für uns ist das ganz normal", so die Erklärung.

Veranstalter melden sich

Auch die "Tuifl Sterzing" meldeten sich mit einer Pressemitteilung zu Wort und erklären, dass es sich um eine gemeldete offizielle Veranstaltung handelt, wie sie in Südtirol verbreitet ist. Die Tradition, die auch in Österreich beliebt ist, beinhalte auch ein "Tuifltreiben", bei dem sogenannte Tratzer absichtlich Schläge provozieren. Lediglich der Fußtritt sei "nicht akzeptabel" und stehe nicht mit der Tradition in Verbindung. Man distanziere sich vehement von jeder Form des Rassismus. Die in dem Video abgebildeten Personen hätten zudem sowieso keinen Migrationshintergrund. (red, 16.12.2019)