Boris Johnson, Schafe.

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Der Erfolg ist ein Vogerl und das Glück ein Gigolo. Mit beiden muss man nur artgerecht umgehen können, dann läuft's prächtig. Im Grunde reicht es, ausfällig zu sein, zu lügen, tiefste Ressentiments zu reiten – es bringt ungeahnte Wählerströme. Ja, es sind klare Botschaften. Nur ist diese Klarheit jene Klarheit, die auch der Wolf den Schafen anbietet, wenn er ihnen mitteilt, er würde sie alle fressen. Es geht rein.

Unter anderem, weil die Sehnsucht der Schafe, vielleicht auch einmal ein Wolf zu werden, zu virulent ist. Man hat also ruhigsten Gewissens wasserstoffblonde Egomanen an die Macht gehievt, die sich mit der Wahrheit, aber auch mit sämtlichen anderen Töchtern der Zeit, wie Dialogfähigkeit oder Ethik, recht schwer tun. Schon reichen sich die beiden Atomic Blondes brüderlich im Geiste ihre Hände über den Atlantik, während Parteien links der Mitte sich selbst in ziemlich unbrüderlicher Art und Weise mit Selbstzerfleischung beschäftigen. Judäische Volksfront als Schlachtgemälde.

Hier tönt es zwar dahin in vielfältigem Chor, geradezu in einer Kakofonie, die ins kreative Chaos führen soll. Diskurs ist so wichtig wie anstrengend, vielstimmig, mehrschichtig. Sich gegenseitig Prügel vor die Füße zu werfen, weil die Auslegung des einen wahren Links-Seins sich wegen absoluten Anspruches auf Richtigkeit nicht mit dem anderen verträgt, wird aber vielleicht zum vorzeitigen Verstummen führen. (Julya Rabinowich, 16.12.2019)