Hoscher pokerte hoch – und gewann.

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Alles rechtmäßig gelaufen im Aufsichtsrat der Casinos Austria bei Bestellung von Peter Sidlo und vorzeitiger Abberufung der Vorstandsmitglieder Alexander Labak und Dietmar Hoscher. Das sagen die Prüfer, die das im Auftrag des Aufsichtsrats im "Projekt Alea" (lat.: Würfel, Würfelspiel) analysiert und ihre Erkenntnisse in einem rund 170-seitigen Bericht zusammengefasst haben. Von Untreue im Kontrollgremium unter Walter Rothensteiner – diesen Verdacht prüft die Justiz bei den millionenschweren Vertragsauflösungen – keine Spur.

Die Entscheidung 2018, sich von Labak und Hoscher zu verabschieden, sei nötig gewesen, weil der Vorstand "als Team nicht einwandfrei funktioniert" habe. Labak wird als extrem schwieriger Chef beschrieben, Hoscher habe der Aufsichtsrat mehrheitlich nicht zugetraut, das Unternehmen in die Zukunft zu führen. Mit der Bestellung Sidlos hätten diese Beschlüsse nichts zu tun gehabt, zumal der Aufsichtsrat damals noch nichts von der späteren Kandidatur Sidlos gewusst habe.

Persilschein

Was die "finanzielle Behandlung" von Hoscher und Labak betrifft, gestehen die Prüfer aus der Kanzlei Schima, Mayer, Starlinger und der KPMG schon zu, dass diese "großzügig" ausgefallen sei. Aber: Beide hätten vertragsgemäß Anspruch darauf, der Aufsichtsrat habe nichts zusätzlich gezahlt, um Labak und Hoscher "zum Gehen zu motivieren". Labak kam im Juni 2017 und sollte bis Ende 2019 bleiben, Hoscher arbeitet seit 1998 in der Casag, seit 2007 im Vorstand.

Walter Rothensteiner hat als Aufsichtsratspräsident großzügige Vertragsauflösungen unterschrieben.
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Sein Vertrag sah vor, dass er danach bis Juni 2022 bleiben kann, als Generalbevollmächtigter quasi zu Vorstandsbezahlung. Labak bekommt laut Auflösungsvereinbarung rund 2,4 Millionen Euro, muss dafür aber bis Ende 2020 ein Konkurrenzverbot einhalten. Detail am Rande: Rund 682.000 Euro entfallen auf den "restlichen Bonus" 2019. Dass Labak den nicht aliquot bis April, sondern fürs gesamte Jahr bekommt, nennen die Prüfer "etwas großzügig" vom Aufsichtsrat, liege aber in seinem Ermessensspielraum.

Pension winkt

Die Trennung vom früheren SPÖ-Nationalrat Hoscher kostet mehr. Er sei zu einem "für ein Vorstandsmitglied doch erstaunlichem Ausmaß" bestrebt, seine eigenen Ansprüche zu sichern bzw. zu maximieren, wollen die Prüfer bemerkt haben. Am 19. April unterschrieben er und Rothensteiner die Beendigungsvereinbarung. Demgemäß verließ Hoscher per 1. Mai den Vorstand, sein Vorstandsgehalt bezieht er bis Ende 2019 weiter. Dann bekommt er eine Abfertigung (ein Vorstandsjahresbezug) – und einen neuen Vertrag bis Juni 2022. Arbeiten muss er nicht, er wird dienstfrei gestellt um brutto rund 538.300 Euro im Jahr plus 50.000 Euro (einmal im Jahr) als Entgelt für den Generalbevollmächtigten.

Hoscher kann jeder Erwerbstätigkeit nachgehen, Einschränkungen gibt es nur in der Glücksspiel- und Wettbranche. Ab 2. Juni 2022 steht dem dann 60-Jährigen seine Vorstandspension zu – beziehungsweise seiner Witwe oder seinen Kindern. Für die Berechnung des Pensionsbezugs werden auch die Monate von Mai bis Dezember 2019 als "Vorstandstätigkeit" gewertet.

Kostspielige Scheidung

Die aus dem Trennungsvertrag anfallenden Zahlungen an Hoscher betragen – ohne Abfertigung (jenseits der halben Million) und ohne 2019er-Bonus (bei Labak mit 682.000 Euro bemessen, abseits eines Akontos von 117.000 Euro) – rund 3,5 Millionen. In Summe also deutlich mehr als vier Millionen. Hoschers Anwalt will zu alldem nichts sagen.

Eine kostspielige Scheidung also, bei der der Aufsichtsrat in den Augen der Prüfer keine Fehler gemacht hat. Obwohl: Bei den 108 ausbezahlten Urlaubstagen (à circa 6.000 Euro) hätte man "vielleicht etwas härter verhandeln können" mit Hoschers Berater.

Und wie ist das mit Hoschers hochdotierter Dienstfreistellung von Jänner 2020 bis Juni 2022? Diese Regelung ist laut Prüfern nicht nur vertretbar, sondern sogar "geboten". Den entsprechenden "Altvertrag aus der Ära Leo Wallner" habe der Aufsichtsrat "nun einmal so vorgefunden". (Wallner war von 1994 bis 2007 Casag-Chef, Rothensteiner ist seit 23 Jahren Aufsichtsratschef, Anm.) Und kein verantwortungsvoller Aufsichtsrat setze einem neuen Vorstand einen Altvorstand als Berater vor die Nase, der gern noch im Unternehmen geblieben wäre. So eine Lösung hätte nur "zu neuem Unfrieden" geführt. (Renate Graber, 16.12.2019)