Eine von vielen: Mit einer Fusion von PSA und FCA kämen rund ein Dutzend Automarken unter ein Dach.

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Um die milliardenteuren Investitionen stemmen zu können, die mit der Umstellung auf Elektromobilität und autonomes Fahren auf sie zukommen, haben die Konzernleitungen von Peugeot-PSA und Fiat Chrysler (FCA) am Dienstagabend den Schulterschluss beschlossen. In den nächsten zwölf bis 15 Monaten soll die Fusion vollzogen werden, "um die Chancen, die sich mit der nachhaltigen Mobilität eröffnen, erfolgreich zu nutzen", heißt es in dem gemeinsamen Kommuniqué.

Fiat Chrysler verkaufte im vergangenen Jahr 4,8 Millionen Fahrzeuge, der PSA-Konzern 3,9 Millionen. Gemeinsam werden die Unternehmen zum viertgrößten Automobilbauer der Welt aufsteigen – hinter Volkswagen, Toyota und dem französisch-japanischen Renault-Nissan-Verbund. Zusammen kamen die beiden Autobauer letztes Jahr auf einen Jahresumsatz von knapp 170 Milliarden Euro und einen jährlichen Betriebsgewinn von mehr als elf Milliarden Euro.

Die Idee der Fusion soll von FCA-Präsident John Elkann, einem Enkel des legendären früheren Fiat-Patrons Gianni Agnelli ausgegangen sein. Der Grund: Fiat Chrysler hatte unter dem verstorbenen Konzernchef Sergio Marchionne die Entwicklung in Richtung nachhaltiger Mobilität weitgehend verschlafen. Außerdem sind Umsatz und Gewinn im ersten Halbjahr 2019 eingebrochen, vor allem in Europa und ganz besonders in Italien herrscht Krisenstimmung.

Rettungsanker für Fiat

Allein hätte FCA die Investitionen in die E-Mobilität kaum gestemmt. Die Verschmelzung mit dem PSA-Konzern, der viel in neue Technologien investiert hat und über eine moderne Modellpalette verfügt, könnte für FCA somit zum Rettungsanker werden. Doch auch der PSA-Konzern profitiert: Die Franzosen können dank des gut ausgebauten Händlernetzes von Chrysler ihre bisher schwache Position im US-Markt stärken. Das fusionierte Unternehmen wird laut den Konzernspitzen 46 Prozent seines Umsatzes in Europa und 43 Prozent in Nordamerika erzielen.

Von der Fusion erhofft man sich Kostensenkungen in der Höhe von 3,7 Milliarden Euro – ohne Werkschließungen, wie beteuert wird. PSA-Chef Carlos Tavares gilt als harter Sanierer. Die Getriebe- und Motorenfabrik von Opel in Wien-Aspern bekam das schmerzlich zu spüren, als PSA Opel übernommen hat. Ein Drittel der 1200 Stellen in Aspern wurde gekappt.

200.000 Mitarbeier

Die beiden Autobauer beschäftigen je rund 200.000 Angestellte, die künftig – ähnlich den Regelungen im deutschen VW-Konzern – auch im Aufsichtsrat der Unternehmen vertreten sein sollen. Die Fusionskosten schätzen die Konzerne auf 2,8 Milliarden Euro. Ein Teil davon dürfte für großzügige Abfindungsangebote an Angestellte verwendet werden, deren Stellen nicht nachbesetzt werden. Betriebsbedingte Kündigungen können so vermieden werden. Unter dem Strich sollen die Synergieeffekte die Einmalkosten bereits im ersten Jahr übertreffen.

Nach der Fusion sollen die Partner im neuen Unternehmen über das gleiche Gewicht verfügen: 50 Prozent der Aktien sollen den PSA-Anteilseignern gehören, 50 Prozent den FCA-Aktionären. Konzernchef wird der bisherige CEO von Peugeot-PSA, der Portugiese Carlos Tavares; der bisherige FCA-Boss Mike Manley soll eine gehobene Managementrolle übernehmen. John Elkann, bisher Präsident des FCA-Aufsichtsrats, soll das Gremium auch im Gemeinschaftsunternehmen leiten.

Von Alfa bis Jeep

Die einzelnen Marken sollen erhalten bleiben. Der FCA-Konzern bringt Fiat, Alfa Romeo, Lancia, Maserati, Chrysler, Dodge und Jeep in die Ehe ein, PSA vereinigt Peugeot, Citroën und Opel unter seinem Dach. An PSA ist zudem die chinesische Dongfeng beteiligt, die wie die Gründerfamilie Peugeot und der französische Staat rund zwölf Prozent der PSA-Aktien hält. Der Anteil von Dongfeng soll deutlich verringert und jener der Peugeot-Familie etwas erhöht werden, damit die Peugeot-Erben auf den gleichen Anteil kommen wie die italienische Agnelli-Familie, die 14,5 Prozent der Anteile besitzen wird.

Die Fusion muss von den Aktionären der beiden Autobauer noch genehmigt werden. Auch die europäischen Wettbewerbsbehörden müssen noch zustimmen. Und schließlich braucht man noch einen neuen Namen für den neuen Autogiganten. Für Tavares eine "stimulierenden Aufgabe". ( Dominik Straub aus Rom, 19.12.2019)