Ein Flüchtling steht in der Zeltstadt neben dem Lager Moria im Regen.

Foto: REUTERS / Giorgos Moutafis

Lesbos – Die Lage im Flüchtlingslager Moria auf der Insel Lesbos ist besorgniserregend. Zu diesem Schluss kommt ein jüngst publizierter Bericht des griechischen Flüchtlingsrats (ESP). Vor allem die Gesundheitsversorgung sei prekär, heißt es in der Studie. Auf Lesbos kamen von Jahresbeginn bis Ende Oktober 2019 mehr als 19.000 Flüchtlinge an, die meisten davon im August (3.380) und September (4.856).

Mehrheitlich handelte es sich um Familien (63 Prozent) und Kinder (33 Prozent). Sie kamen überwiegend aus Afghanistan (71 Prozent), Syrien (13 Prozent) und der Demokratischen Republik Kongo (vier Prozent). Das seien Länder, die "durch weitverbreitete Konflikte, Gewalt und/oder systematische Menschenrechtsverletzungen" gekennzeichnet seien, stellte der Flüchtlingsrat unter Berufung auf Daten des Uno-Flüchtlingshochkommissariats fest.

Stark unterbesetzt

Zum Zeitpunkt des Besuchs einer Kommission des griechischen Flüchtlingsrates in Moria lebten in dem für knapp 2.900 Personen konzipierten Lager rund 14.000 Personen. Für sie standen insgesamt acht Psychologen, vier Sozialarbeiter, vier Hebammen, drei Ärzte (jeweils ein Kinderarzt, Urologe und Chirurg) und sieben Krankenschwestern zur Verfügung. Tausende warteten noch auf dringend notwendige psychosoziale Betreuung. Depressionssymptome und Selbstmordgefährdung waren vor allem unter jungen Leuten im Lager weit verbreitet, hieß es im Bericht des Flüchtlingsrats.

Aber auch die Verwaltung sei stark unterbesetzt. So gebe es gerade einmal einen Koordinator, um die Aufnahmen zu regeln, und fünf Dolmetscher für Farsi, Arabisch und Urdu. (19.12.2019)