Foto: APA/HANS PUNZ

Wien – Die Casinos Austria AG (Casag) hat sich dem Strafverfahren rund ums Thema Postenschacher nun als Opfer angeschlossen. Das hat das Unternehmen jüngst wissen lassen. Ausgelöst durch die Bestellung von Peter Sidlo zum Finanzvorstand führt die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) ja Ermittlungen; auch gegen Aufsichtsratsmitglieder der Casag. Die Beschuldigten bestreiten die Vorwürfe, und es gilt die Unschuldsvermutung.

Geht es nach den vom Aufsichtsrat unter Walter Rothensteiner beauftragten Prüfern, hat aber jedenfalls der Casag-Aufsichtsrat keine Fehler gemacht. Juristen der Kanzlei Schima Mayer Starlinger und Forensiker der KPMG haben die kostspielige vorzeitige Auflösung der Verträge der Altvorstände sowie die Bestellung Sidlos geprüft. Alles rechtmäßig gelaufen, sagen sie.

Bettina Glatz-Kremsner hat einen neuen Vertrag bekommen.
Foto: APA/HANS PUNZ

Geldregen

Recht viel Geld bekamen bzw. bekommen aber nicht nur, wie berichtet, die Exvorstandsmitglieder Dietmar Hoscher (SPÖ) und Alexander Labak. Auch Bettina Glatz-Kremsner (ÖVP), die von der Finanzvorständin zur Vorstandsvorsitzenden (CEO) des Konzerns befördert wurde, hat rund 1,6 Millionen Euro bekommen.

Der Grund dafür: Glatz-Kremsner (57), die seit fast 30 Jahren im Unternehmen tätig ist und 2010 in den Casag-Vorstand kam, hat einen neuen Vertrag bekommen. Einen, der ihr weniger einträgt als der davor.

Beim Poker um die Casinos-Vorstandsverträge kam es zu hohen Einsätzen.
Foto: Reuters

Glatz-Kremsner – sie war von Juli 2017 bis zu ihrem Karrieresprung zur Casag-Chefin Vizeparteiobfrau der ÖVP – verdient nun in Summe rund 25 Prozent weniger, als sie das als Finanzchefin tat. Hatte sie 2018 noch rund 400.000 Euro brutto im Jahr als Fixum und einen Bonus, der ein Vielfaches vom Fixum betrug, so ist der Bonus nun mit 100 Prozent gedeckelt. Laut neuem CEO-Vertrag stehen ihr 700.000 Euro im Jahr brutto zu.

Laut einem Casag-Sprecher erspart sich das Unternehmen (berechnet auf die dreijährige Laufzeit des CEO-Vertrags) durch den "billigeren Vertrag" in Summe 1,6 Millionen Euro, also rund eine halbe Million Euro im Jahr. Man habe das als "bewussten Akt in schwierigen Zeiten, die die Casag gerade durchlebt", gemacht, so der Sprecher. Zudem gebe es jetzt, nach dem Abgang Sidlos, auch nur noch zwei Vorstandsmitglieder.

Gesetzliche Abfertigung

Die 1,6 Millionen Euro schwere Abfertigung sei die, die Glatz-Kremsner als langjähriger (ehemaliger) Angestellter des Kasinokonzerns gesetzlich zustehe.

Bei der internen Prüfung ist herausgekommen, dass Glatz-Kremsner zuletzt eher die gewesen sei, die das Vorstandsteam zusammengehalten habe. Das erschloss sich laut Prüfbericht aus den Interviews, die mit Managern und Aufsichtsrats- sowie Betriebsratsmitgliedern geführt wurden. Der 2017 zum CEO gekürte Labak wurde darin, wie berichtet, als sehr schwierig beschrieben.

2018 hätten 14 von 16 Abteilungsleitern eine Art Petition gestartet, wonach sie mit ihm nicht arbeiten könnten. Besonders schlimm sei es ums Verhältnis zwischen ihm und dem Betriebsrat gestanden. Aufsichtsratschef Rothensteiner habe von diesem ein "Dossier" bekommen, in dem Labak massivst kritisiert wurde.

Trotzdem: Grund für eine vorzeitige Abberufung (die billiger gekommen wäre als die gewählte, die rund 2,5 Mio. Euro kostet) habe es nicht gegeben. Zwar seien schon einige Verfehlungen zusammengekommen und Labak habe sich Sachverhalten genähert, die als Abberufungsgründe anerkannt sind. Aber: "Krasse Verfehlungen" habe er sich doch nicht zuschulden kommen lassen. Die Trennung sei klüger gewesen, als Labak bis Ende 2019 als "lame duck" im Vorstand zu behalten. (Renate Graber, 21.12.2019)