Der Starliner im kreiste im falschen Orbit.
Illustr.: Boeing

Washington – Am Freitag hätte erstmals die Raumkapsel Starliner des US-Unternehmens Boeing an der Internationalen Raumstation ISS andocken sollen – doch der Testflug scheiterte: Das Raumschiff erreichte nicht den anvisierten Orbit und damit auch nicht die ISS. Heute ist die Kapsel zur Erde zurückgekehrt.

Kurz vor der Landung stieß der Starliner sein Hitzeschild ab.
Foto: Nasa/Aubrey Gemignani

Wie die US-Raumfahrtbehörde Nasa mitteilte, landete die Kapsel Sonntagfrüh (Ortszeit) erfolgreich auf dem White Sands Space Harbor Runway, einem Testgelände zwischen Albuquerque und El Paso im US-Bundesstaat New Mexico. Von der Nasa veröffentlichte Bilder zeigten, wie die Kapsel von drei großen Fallschirmen abgebremst wurde und nach einem verlangsamten Flug sanft auf seinen großen Airbags aufsetzte. Die Langfassung der Liveübertragung kann man hier ansehen.

Die Kapsel landete auf großen Luftkissen.
Foto: Reuters/NASA/Bill Ingalls

Eine Atlas-V-Rakete mit dem von Boeing entwickelten Starliner an Bord war am Freitag vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida abgehoben. 25 Stunden später sollte die Raumkapsel an der Internationalen Raumstation ISS andocken.

Falscher Kurs wegen "Anomalie" an der Borduhr

Jedoch bereits kurz nach dem Start teilten Boeing und die Nasa mit, die Raumkapsel habe nicht den richtigen Kurs zur ISS eingeschlagen. Sie werde die Raumstation daher nicht erreichen. Nach Nasa-Angaben führte eine "Anomalie" an der Borduhr zu dem Problem.

Die beiden Projektpartner hatten am Samstag erklärt, dass vermutlich eine Uhr an Bord des Starliners nicht richtig eingestellt war, so dass zu früh mehr Treibstoff genutzt wurde. Damit seien wohl die automatischen Systeme an Bord zum Problem geworden. Eine menschliche Besatzung hätte möglicherweise mehr Optionen für einen regulär ablaufenden Flug erarbeiten können, hieß es am Samstag in einer telefonischen Pressekonferenz. Boeing und Nasa betonten, dass trotz der Probleme wichtige Erkenntnisse gewonnen würden. Viele Messungen seinen trotzdem möglich gewesen.

Boeing hatte die Raumkapsel für bemannte Raummissionen der Nasa entwickelt. An Bord des Starliner war bei dem Testflug nur ein Dummy, also eine mit Sensoren versehene Puppe, mit der die Flugbedingungen für echte Menschen getestet werden. Der gescheiterte Test ist ein Rückschlag für die Bemühungen der USA, bei bemannten Raumfahrtmissionen von russischen Sojus-Raketen unabhängig zu werden.

Im März dieses Jahres gelang der SpaceX-CrewDragon erstmals ein Andockmanöver eines kommerziellen Raumschiffes an der ISS.
Foto: Nasa

Testflug der CrewDragon von SpaceX verlief erfolgreich

Die Nasa hatte 2011 ihr eigenes Shuttle-Programm nach drei Jahrzehnten eingestellt. Später wurde ein Strategiewechsel eingeleitet: Statt selbst neue Raumtransporter zu entwickeln, wurde beschlossen, Privatunternehmen dafür anzuheuern. Boeing wie auch sein Konkurrent SpaceX erhielten in der Folge Milliardenbeträge, um bemannte Raumfähren zu entwickeln. SpaceX hatte im März mit seiner Raumfähre CrewDragon einen erfolgreichen Testflug zur ISS absolviert. An Bord war damals ebenfalls ein Dummy. (red, APA, 22.12.2019)