Auch die Polizei wird künftig öfter auf Live-Virtual-Reality-Bilder von Drohnen zurückgreifen.

Foto: REUTERS/Heino Kalis

Lange Zeit galt der Grundsatz, dass die militärische Forschung auch die größten Fortschritte im zivilen Leben bringt. Das Internet ist nur ein solches Beispiel. Mittlerweile scheinen sich die Vorzeichen aber ein wenig geändert zu haben, und die zivile Industrie entwickelt immer öfter auch Technologien, die militärisch genutzt werden können – oder zumindest bestärken die beiden Bereiche einander längst. Wenn künftig von zu Hause aus 360-Grad-Livebilder der gesamten Welt erhältlich sind, ist das nämlich auch ein Verdienst der überschaubaren Drohnenracing-Community, einsetzbar in zahlreichen Bereichen.

Drohnenrennen sind in ihrer Geschwindigkeit faszinierend. Mit freiem Auge beinahe nicht zu erkennen, sind die Drohnen so schon gar nicht erst zu lenken. Piloten nutzen deshalb Virtual-Reality-Brillen, mit denen sie per On-Board-Kamera die Rennstrecke sehen und das Fluggerät manövrieren können. Die hohe Datenmenge bei der Übertragung der Bilder stellte die Rennfahrer und Ingenieure lange Zeit vor große Herausforderungen – tatsächlich wurden sie aber in den vergangenen Jahren von verpixelten Schwarz-Weiß-Bildern zu immer hochauflösenderen Farbbildern hin verbessert. Wenig überraschend fanden auch die Armeen dieser Welt diese Technik bald sehr interessant.

Immer mehr Firmen lassen das Liveerlebnis per Headset Wirklichkeit werden.
DJI

Militär und Co

Die israelische Armee setzt etwa seit Mai 2019 auf die Technologie von Xtend, einem lokalen Start-up. Soldaten können mithilfe der Technik im Gazastreifen gefährliche Munition und feindliche Kämpfer identifizieren, wie es heißt, ohne sich dabei selbst direkter Gefahr auszusetzen. Aufgrund der großen Distanz werden die 130-Grad-Bilder noch in recht schwacher Auflösung gesendet. Schon bald möchte Xtend, dessen Gründer selbst aus dem Drohnenracing und der Luftfahrtindustrie kommen, aber ein volles 360-Grad-Bild senden können und dies allen Nutzern, nicht nur dem Militär, zur Verfügung stellen. Helfen sollen dabei der langsame Fortschritt des schnelleren 5G-Mobilfunknetzes sowie immer leichter zu bedienende und günstigere Drohnen. Das Modell von Xtend kann beispielsweise bis zu 300 km/h schnell fliegen.

Ganz allgemein sind Drohnen im militärischen Bereich aber weiterhin auf dem Vormarsch. Die Militärs von 95 Staaten setzen mittlerweile Drohnen ein, wie ein neuer Bericht des Zentrums für Drohnenstudien zeigt. Österreich gilt mit der Firma Schiebel gar als viertgrößter Zuliefererstaat, wenngleich es sich beim Camcopter S-100 um die niedrigste Kategorie von Drohnen, nämlich Aufklärungsdrohnen, handelt.

Umweltkatastrophen und Medizin

Neben dem Militär und der Unterhaltungsindustrie sehen die verschiedenen Start-ups, die am Live-Virtual-Reality-Erlebnis forschen, vielseitige Einsatzmöglichkeiten für ihre Technologie – vor allem zu Schulungs- und Assistenzzwecken. So sollen sich etwa geschulte Fachleute bei Naturkatastrophen per Drohnenflug schnell und risikolos ein Bild von der Lage vor Ort machen können. Auch Polizei und Feuerwehr sollen so schnell ein erstes Bild von Gefahrensituationen bekommen – "Digitale Teleportation" nennt die Industrie ihr neuestes Ziel, sprich die Möglichkeit, durch ein breit aufgestelltes Netzwerk binnen Minuten überall in die reale Welt eintauchen zu können.

Auch Fernweh könnte so aber besser kuriert werden. Im Gegensatz zu den bisherigen Möglichkeiten von Virtual Reality würde das Liveerlebnis nämlich die Authentizität der Erfahrung um ein Vielfaches steigern. Schwierigkeiten sind aber vor allem in der Regulierung der Flugrouten der Drohnen zu erwarten. Immer mehr Städte fordern Sicherheitsgarantien von den Drohnenherstellern ein und verbieten etwa Flüge, sobald sie sich außerhalb der Sichtweite, in der Nähe sensibler Infrastruktur oder generell in dicht besiedelten Gebieten befinden.

Live Virtual Reality ist aber nicht nur auf das Gebiet von Drohnen begrenzt. Liveübertragungen von Handwerksarbeiten oder gar Operationen sollen immer öfter zum Standardrepertoire in Ausbildungen zählen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Übertragungen von OPs kämpfen Firmen derzeit aber noch um die Zulassung von Sonden, die etwa aus dem Inneren von Blutgefäßen Livebilder senden, welche dann per Virtual-Reality-Brille auf einem anderen Kontinent miterlebt werden können. Dadurch können die besten Experten auf dem Feld ihr Know-how weitergeben und Anweisungen erteilen, während andere zuschauen und lernen. Die dutzenden Anwendungsmöglichkeiten machen Live Virtual Reality aber jedenfalls zu einem lukrativen Geschäft. (faso, 27.12.2019)