Der Large Hadron Collider ist eines der Vorzeigeprojekte des in der Schweiz angesiedelten Cern.

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Es wird ernst: Einige Monate nachdem das Europäische Kernforschungszentrum (Cern) seine Pläne zum Abgang von Microsoft-Software öffentlich gemacht hat, nimmt man die ersten konkreten Schritte vor. Das Malt (Microsoft Alternatives Project) genannte Unterfangen tritt damit in seine nächste Phase, wie "Prolinux" berichtet.

Übernahme

Zum Start wird dabei zunächst der Mailserver ausgewechselt. Wie aus der offiziellen Dokumentation der Maildienste des Cern hervorgeht, werden diese Aufgaben künftig komplett von freier Software abgewickelt. Der Einsatz von Microsoft Exchange ist damit also Geschichte. Abgelöst wird es durch Kopano, eine Open-Source-Groupware-Lösung, die auch gleich Kalender, Kontakte und andere Aufgaben abwickeln kann.

Dabei wird Kopano nicht nur am Server genutzt, die Administratoren empfehlen auch den Einsatz des passenden Desktop-Clients. Theoretisch wäre es zwar auch möglich, die Groupware-Lösung mit anderen Mail-Clients und sogar Microsoft Outlook zu benutzen, davon raten die Administratoren aber ab. Zusätzlich bietet die Software auch einen Webmail-Client.

Keine konkreten Zeitpläne

Details zum weiteren Ablauf der Migration auf freie Software gibt es bislang nicht. Das Cern hat aber von Anfang an als Ziel definiert, Microsoft-Software komplett abzulösen – das inkludiert natürlich auch Windows und Office. Beides wird aber wohl etwas länger dauern, als den Mailserver zu migrieren. Malt ist vom Cern denn auch bewusst als mehrjähriges Projekt ausgelegt.

Vorgeschichte

Hinter der Entscheidung zu Malt steht nicht zuletzt eine erhebliche Erhöhung der Lizenzkosten durch Microsoft. Da dem Cern im März der Status als akademische Einrichtung entzogen wurde, hätten sich die Lizenzkosten verzehnfacht – bei tausenden internen und externen Mitarbeitern kaum leistbar, betonen die Forscher. Gleichzeitig verweist man aber auch auf prinzipielle Überlegungen, immerhin gehe es darum, die Abhängigkeit von proprietärer Software zu verringern. (apo, 25.12.2019)