Aus der Schatzkiste geflogen: Die Zeit für Bundesschätze ist abgelaufen.

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Es war der Versuch, Sparer vorsichtig an den Kapitalmarkt heranzuführen, der nun zu Ende geht. Am 26. August 2002 stellte der damalige Finanzminister Karl-Heinz Grasser die Bundesschätze vor. Das Modell dahinter: Sparer können Bundesschätze (mündelsichere Wertpapiere der Republik, die im Unterschied zu österreichischen Bundesanleihen direkt bei der Republik Österreich über das Internet erworben werden) bereits ab einer Summe von 100 Euro zeichnen. Die Laufzeiten waren damals mit ein, drei oder sechs Monaten möglich. Nach Ende der Laufzeit wird der Bundesschatz entweder zu 100 Prozent ausbezahlt oder wiederveranlagt. Damals lag der Jahreszinssatz bei drei Prozent.

Das war ein Zinssatz, der damals sogar höher war, als Banken für diesen Zeitraum bezahlt hatten. Entsprechend groß war die Empörung der Finanzinstitute, als Grasser das neue Sparprodukt, einst vorgestellt hatte.

Zinswende verpasst

18 Jahre später sieht die Welt anders aus. Seit Ausbruch der Finanzkrise wurden die Zinsen weltweit nach unten geschraubt, um die Wirtschaft zu stabilisieren. Während in den USA die Zinsen in den vergangenen Jahren zwischenzeitlich auch wieder abgehoben wurden, blieb die Europäische Zentralbank (EZB) bei ihrer rigiden Nullzinspolitik. Nach der Finanzkrise ging es darum, strauchelnde Euroländer wie Griechenland, Spanien oder Portugal zu retten, deren Schulden explodiert waren. Danach lautete das Motiv hinter der Nullzinspolitik, die Gemeinschaftswährung Euro zu stabilisieren – und alles zu tun, damit die Erholung der Wirtschaft nicht kippt.

Karl-Heinz Grasser wollte Anlegern den Zugang zu Staatsanleihen erleichtern.
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Die EZB hat es jedoch verabsäumt, in den vergangenen Jahren, in denen die Konjunktur wieder Fahrt aufgenommen hatte, an der Zinsschraube zu drehen. Also verharrt Europa in der Nullzinsfalle, und das wird zunehmend zum Problem. Spareinlagen werden kaum noch verzinst, Banken müssen für Geld, das sie bei der EZB parken, Negativzinsen zahlen. In Österreich dürfen die Negativzinsen nicht an Privatanleger weitergereicht werden, das hat der Oberste Gerichtshof entschieden. In Deutschland ist das bei einigen Kreditinstitutionen bereits an der Tagesordnung.

Bedeutungsverlust

Dieses Umfeld hat auch die Bundesschätze immer unattraktiver gemacht. Seit Juli liegen die Zinssätze für alle Laufzeiten bei 0,00 Prozent. Das teilte die Österreichische Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA) am Montag mit. Zum 30. Juni 2020 werden die Bundesschätze nun eingestellt. Bereits eingezahlte Gelder bleiben bis zur vereinbarten Endfälligkeit unverändert veranlagt. Es erfolgt keine vorzeitige Auszahlung. "Die Bundesschätze haben zuletzt an Bedeutung verloren", fasst Anlegervertreter Wilhelm Rasinger das Ende dieser Sparform zusammen.

Veranlagen lernen

Sparer haben es nun noch schwerer. In Immobilien zu investieren ist ob der massiv gestiegenen Preise wohl schon ein Wagnis. Bleiben noch Aktien oder Fonds als Alternative. Doch hier scheuen viele Anleger das Risiko. Rasinger: "Die Menschen müssen endlich verstehen, dass veranlagen auch veranlagen heißt – mit einem langfristigen Horizont – und nicht, rasch reich zu werden.

Das Sparbuch ist aber nicht nur für Sparer nicht mehr attraktiv. Auch für Banken wird es immer mehr zum Kostenfaktor. Die Banken verdienen mit dem Verkauf eines Sparbuchs ebenfalls nichts mehr. "Ein Sparbuch ist schon im Augenblick des Abschlusses defizitär", sagt ein Banker. Und das bleibe es dann auch auf zwanzig oder dreißig Jahre. Kunden, die dennoch ein Sparbuch haben wollen, sollen auch schon zur Konkurrenz geschickt worden sein. (Bettina Pfluger, 23.12.2019)