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Aufladen statt auftanken: Die Zukunft heißt E-Mobilität, liegt aber in weiter Ferne.

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Manchmal geht es schneller, als man denkt. Als zu Beginn des 20. Jahrhunderts Kutschenbauer noch an der Weiterentwicklung der Pferdedroschke tüftelten, war der Zug in Richtung Automobil schon abgefahren. Selbst verbesserte Federungen konnten den Siegeszug der Benzinkarosse nicht aufhalten. Die Zeit war reif für eine neue Art der Fortbewegung.

100 Jahre später ist es wieder so weit. Weltweit zerbricht man sich die Köpfe über neue, umweltschonendere Formen der Fortbewegung. Treiber der Entwicklung weg vom Verbrennungs-, hin zum Elektromotor gibt es gleich mehrere.

China treibt an

Zu den wichtigsten zählt die dräuende Klimakatastrophe. Weil der Autoverkehr zu den Hauptemittenten von klimaschädlichem Kohlendioxid (CO2) gehört, ist eine Abkehr von Diesel und Benzinern geradezu Pflicht, will man die Erhitzung der Erde auch nur ansatzweise stoppen. Zusätzlich geht es aber auch um wirtschaftliches Kräftemessen. Hier kommt China ins Spiel.

Tesla treibt mit dem Model 3 alle vor sich her.
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Die Regierung in Peking hat sich zum Ziel gesetzt, nicht mehr länger die Werkbank der Welt zu sein – sprich: nur Billigprodukte anzubieten. Deshalb wurde die Initiative "Made in China 2025" lanciert. Das Reich der Mitte will in sechs Jahren in nicht weniger als zehn Schlüsseltechnologien Weltmarktführer sein. Dazu gehören Luftfahrt, Robotik, Chemie, Pharma und eben auch Elektromobilität.

Weichenstellung

"China hat kapiert, dass der Weg an die Spitze bei Verbrennungsmotoren versperrt ist", sagt Manfred Schrödl, Vorstand des Instituts für Energiesysteme und elektrische Antriebe an der Technischen Universität Wien. "In dem Bereich haben sich die deutschen Autobauer durch jahrzehntelange Entwicklungsarbeit einen uneinholbaren Vorsprung gesichert. Also hat Peking beschlossen, auf die nächste Generation zu setzen, das Elektromobil, sagt Schrödl im Gespräch mit dem STANDARD.

Die Regierung in Peking, die mit Fahrverboten für Benziner in Städten mit besonders starker Smogbelastung und üppigen Subventionen für Elektroautobauer den Absatz von Stromern im Reich der Mitte kräftig angekurbelt hat, will nun verstärkt auf Wasserstofftechnologie setzen. TU-Professor Schrödl kann dem wenig abgewinnen. "Die Faktenlage spricht gegen den breiten Einsatz dieser Technologie. Wasserstoff ist zu teuer, die Umwandlungsverluste sind zu groß", gibt er zu bedenken.

Auch VW setzt mit dem ID.3 auf Elektromobilität.
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Um 100 Kilometer weit zu fahren, müsse bei Wasserstoff mindestens das Doppelte an Energie eingesetzt werden als beim batterieelektrischen Antrieb. Das hieße auch die doppelte Menge an Windrädern und Photovoltaikflächen, weil E-Mobilität nur Sinn mache, wenn der dafür benötigte Strom aus erneuerbaren Quellen komme und nicht erst wieder aus Kohle-, Öl- oder Gaskraftwerken. Der E-Auto-Absatz ist in China inzwischen ins Stocken geraten.

Österreich mit Strom im Vorteil

In diesem Punkt hat Österreich mit einem Anteil von mehr als 70 Prozent Strom aus Wasserkraft, Wind, Solar und Biomasse eine vergleichsweise gute Ausgangslage. In Deutschland liegt der Anteil emissionsfrei erzeugten Stroms bei weniger als 40 Prozent. Trotz guter Ausgangslage, allerlei Förderungen und verstärkter Anstrengungen hinsichtlich Ausbau der Lade-Infrastruktur sind Elektroautos weder in Österreich noch in Deutschland der große Renner – bis jetzt zumindest.

Der Elektroantrieb macht vor Flitzern wie Porsche nicht halt.
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Die Autohersteller, die 2020 viele neue E-Modelle in den Markt drücken wollen, um die strengeren Abgasvorschriften einzuhalten, hoffen auf einen Popcorn-Effekt: dass, nachdem lange nichts passiert ist, der Verkauf plötzlich rapid anspringt. Zumindest jetzt ist es so, dass Stromern mehr Vorausplanung erfordert, als ruck, zuck in einen Diesel-Pkw oder Benziner zu steigen und loszufahren. Ein über Jahre oder gar Jahrzehnte eingeübtes Verhalten zu ändern ist jedoch leichter gesagt als getan.

Es kann noch dauern

"Automatisch geht gar nichts", sagt Erich Kirchler von der Fakultät für Psychologie der Universität Wien. "Wenn ein neues Verhalten etabliert werden soll, muss es einfach sein, auch attraktiv und sozial erwünscht – und es muss klar sein, dass man damit langfristig zur Gewinnergruppe gehört." Es könnte also noch dauern, bis die Elektromobilität Flügel bekommt. Zumal für viele, die mit einem E-Auto liebäugeln, der Preis schlicht zu hoch ist. Günstig sind Elektroautos zwar, was den laufenden Betrieb betrifft – in der Anschaffung kostet ein Stromer für Private aber immer noch um etwa ein Drittel bis rund die Hälfte mehr als ein vergleichbarer Benziner. (Günther Strobl, 27.12.2019)